Mehr als 20 Geschäfte gibt es am Markt in Bad Salzelmen, direkt anliegende Straßen einberechnet. Doch der Leerstand wächst. Der Auszug der Rossmann-Filiale scheint den Kunden-Zustrom deutlich zu verringern. Weitere Einzelhändler wollen aufgeben, andere fragen sich, wie sich die Situation verbessern lässt.

Bad Salzelmen l Auch wenn alle Zutaten stimmen, muss der Kuchen nicht zwangsläufig gelingen. Dieses Bild scheint auf den Markt von Bad Salzelmen zuzutreffen. Obwohl der Bereich im Sanierungsgebiet liegt und städtebaulich insgesamt aufgewertet worden ist, nimmt der Leerstand der Geschäfte zu. Spätestens jetzt sollten Weichen anders gestellt werden. Die Frage ist nur: Welche?

Klagen über rückgängige Kundenzahlen und Umsätze gibt es seitens der Einzelhändler seit mehreren Jahren. Mit dem kürzlichen Auszug der Rossmann-Filiale hat dieser Trend noch einmal deutlich zugenommen. "Ja, auf jeden Fall, das ist so. Das ist schon wirklich schlimm jetzt", betont Nicole Nerge. Sie führt am Salzer Marktplatz ein Geschäft mit Textilien. Im Gespräch mit der Volksstimme sagt Nicole Nerge: "Wenn ich auf den Platz schaue, dann sehe ich ihn wie tot vor mir liegen. Leider ist er insgesamt auch wenig gepflegt. Das Unkraut steht hoch." Gerne würde die Geschäftsfrau mehr Werbung für ihre Angebote machen, jedoch seien, wie sie sagt, die Werbungskosten zu hoch, jedenfalls höher als in Niedersachsen, wo Nicole Nerge mit ihrer Familie wohnt. Bleiben will sie aber auf jeden Fall. "Wir haben ja gerade erst saniert", nennt sie einen gewichtigen Grund.

Gehen wird definitiv Isolde Huke. Ihre "Schatztruhe" wird nur noch bis 30. August geöffnet sein. "Ich habe inzwischen das Rentenalter erreicht. Und es rechnet sich hier auch nicht mehr", sagt sie. Es sei wirklich traurig: "Geschäft um Geschäft geht." Rossmann sei im Marktbereich das I-Tüpfelchen gewesen. "Ich weiß von einigen Kunden, dass es für sie `Rossmann-Tage` gab. Für andere gibt es `Sparkassen-Tage`, an denen sie Dinge in der Hausbank erledigen und dann auch einkaufen." Befragt nach Möglichkeiten zur Verbesserung schlägt Isolde Huke eine bessere Bus-Anbindung vor. Fahrgäste sollten möglichst direkt am Markt aussteigen können, anstatt erst von der Boeltzigstraße herüberlaufen zu müssen.

"Das ist hier eine nette Atmosphäre."

Jutta Heering

Bleiben wird Jutta Heering, die am Markt die schon traditionelle Apotheke führt. "Es ist eine sehr nette Atmosphäre hier, fast ein dörflicher Charakter", gebraucht sie zwei fraglos positive Attribute für den Standort. "Es wohnen im Umfeld viele ältere Leute, die eine Versorgung mit Medizin brauchen", sagt die Apothekerin. Aber die Händlerschaft insgesamt müsse sich Gedanken machen, wie es weitergehen kann. "Wir sollten uns zusammensetzen und mal unseren Oberbürgermeister einladen", schlägt Jutta Heering vor.

Der wäre einer solchen Offerte gegenüber gar nicht abgeneigt. "Wir haben das Problem auf dem Schirm", versichert Bert Knoblauch. Natürlich hat auch er keinen Zauberspruch parat, um Kundenzahl und Umsätze zu steigern. Mit einem noch auszuarbeitenden Einzelhandelskonzept in der Hand kann er sich aber zum Beispiel vorstellen, dass die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung auf die Vermieter zugehen und sie überzeugen, dass neue Mieter für Gewerbe eventuell im ersten Jahr etwas weniger Miete zahlen, um sich etablieren zu können.

Auch über ein gewerbesteuerliches Instrument hat Knoblauch schon nachgedacht. Sprich: Etwas weniger Gewerbesteuer für Neugründer. Freilich könnte sich diesbezüglich die Kommunalaufsicht quer stellen, da die Stadt Schönebeck in der Konsolidierung steckt und nichts verschenken darf. "Wir haben hier einen schönen Markt, leider ist er nicht mit Leben erfüllt", bilanziert auch das Stadtoberhaupt mit spürbarer Verwunderung die Situation. Der Weggang von Rossmann ist seiner Ansicht nach eine unternehmensstrategische Entscheidung gewesen. Am Umsatz könne es nicht gelegen haben. Die Kritik an der Pflege des Platzes nimmt Knoblauch auf: "Das war mir so nicht bekannt. Das werden wir uns näher anschauen."

"Die Situation ist nicht zufriedenstellend."

Hans-Peter Wannewitz

Sein Sprecher Hans-Peter Wannewitz beurteilt die Situation als "alles andere als zufriedenstellend". Die Stadt könne hier aber nur sehr bedingt Einfluss nehmen. Wannewitz weist auf die historisch gewachsene Struktur der Stadtteile hin und formuliert: "Die Einzelhandels-Potenzen für eine geteilte Stadt wie Schönebeck sind nicht unbegrenzt. Es ist jedoch in erster Linie eine Sache der Eigner und Mieter." Hinzu kämen Bedarf, Handelsstruktur, Umfeld, Kaufkraft, Fluktuation, Demografie, Marktentwicklung, Verkehr, Unwägbarkeiten und anderes mehr. Die Verwaltung sei in jedem Falle mit Vermietern beziehungsweise Filialisten und Händlern im Gespräch, um eine bessere Lage zu erreichen, versichert der Sprecher. Im September soll ein weiteres Gespräch dieser Art stattfinden.

An den Gerüchten vom geplanten Wegzug der Salzlandsparkasse ist nichts dran (Volksstimme berichtete bereits). Auf nochmalige Nachfrage beteuert Unternehmenssprecherin Ute Cziesla: "Wir bleiben. Das ist gar keine Frage."

Bleiben würde auch gerne Alexandra Plesse. Sie ist Inhaberin eines Geschäftes, in dem sie Unterwäsche, Nachtwäsche, Bademoden und Geschenkartikel anbietet. "Seit Rossmann weg ist, ist die Kundschaft deutlich weniger geworden", resümiert auch sie. In Schönebeck gebe es vielleicht auch einfach zu viele Einkaufsmärkte, die natürlich Kundschaft binden und vom Einzelhandel in der Altstadt und in Bad Salzelmen fernhalten. "Ich würde gerne weitermachen, aber von irgendwas muss ich ja auch leben", sagt Alexandra Plesse beim Blick in ihre Tagesabrechnungen.

Im Café am Markt sitzen an diesem Nachmittag zwei Damen an einem Tisch in der Sonne und trinken Kaffee. Eine Großmutter und ihre Enkelin holen sich ein Eis auf die Faust und schlendern über den sonst leeren Marktplatz.

Am Deko Markt Sachwitz GmbH, in dem sich auch ein Paketshop befindet (Hermes), hängt ein Zettel: "Ab 1. Oktober aus Altersgründen geschlossen." Aber es gibt ja auch noch die Markttage Dienstag und Donnerstag, die Publikum anziehen. Und ebenso lockt der Förderverein des Museums mit Veranstaltungen Leute an, auch wenn dessen Aktivitäten gefühlt abnehmen. Die Weichenstellung in Richtung Zukunft kann nur heißen: Potenziale bündeln. Jetzt erst recht.