Barby l Ein Foto von 1956 zeigt einen Teil des Magdeburger Tors in Barby. Ganz wenig ist im Vordergrund von der Betonstraße zu sehen, der sich Grauwacke bis zum Bordstein anschließt. Zwischen Bord und Haus erkennt man ebenfalls Natursteine sowie schönes Mosaikpflaster.

Und darum geht es: Anfang der 1980er Jahre wurde zwischen Einmündung Stadtgraben und der Bahnhofsstraße das komplette Gehwegpflaster aufgenommen und durch Betonplatten ersetzt. An die Gründe können sich weder damalige Kommunalvertreter noch Anlieger erinnern. Nach deren Aussage bestand keine Notwendigkeit, das vollkommen intakte Kleinpflaster "auszutauschen".

Rückschrittlich

Auch deswegen, weil es aus ästhetischer Sicht ein städtebaulicher Rückschritt war. Die bis dahin mit Grauwacke belegten Streifen blieben nun ungepflastert. Bei Regen weichten sie auf, Unkraut spross munter in die Höhe. Das je nach Kraft und Engagement der Anwohner im Zaume gehalten werden musste.

Die Neuverlegung der Betonplatten erfolgte in "Feierabendarbeit". Weil sich damals keiner mehr die Mühe machte, die kleinen Mosaikwürfel oder unebenen Natursteine zu setzen, wurden großflächig Betonplatten verlegt.

Noch schlimmer war es, wenn nach dem Einbau einer Versorgungsleitung die "Wunde" mit Beton verschlossen wurde. Ein solches Beispiel müssen die Anwohner der Barbyer Hansastraße bis heute erdulden. Weil sich die Straße gesetzt hat, ragt der Beton bis zu zehn Zentimeter wie ein Hahnekamm aus der Fahrbahn. Das Hochwasser 2013 verschlimmerte in der Hansastraße diesen Zustand noch.

Blieben in DDR-Tagen nach Straßenbauarbeiten Natursteine übrig, landeten sie nicht selten auf der Müllkippe. In Barby wurden tonnenweise Steine in Ziegelei-Schönes ehemaligen Tonkuten an der Fährstraße entsorgt. Dort befindet sich heute der Schützenplatz, der nach Abriss der chemischen Fabrik Anfang der 1990er Jahre zu dem wurde, was er heute ist: ein Riesenberg. (Die alte Fabrik wich damals dem Cerestar-Neubau.)

Aber zurück zum Mosaikpflaster. Wo ist es geblieben? Es wäre ja "barbarisch", hätte man dies ebenso auf der Deponie entsorgt.

Bürger vermuten seine Reise in den Westen. Die Devisenbeschaffer der SED, immer auf der Suche nach neuen Valuta-Adern, verkauften die DDR steinchenweise. Der Grund war die Nostalgie beim Klassenfeind im Westen. In der Bundesrepublik suchen immer mehr Kommunen und Privatleute nach alten Pflastersteinen, um Innenstädte, Garageneinfahrten oder Terrassen nach Großväterart zu planieren. Die DDR hatte davon genug: Hier waren noch zahlreiche Landstraßen und Gehwege mit handbehauenen Steinen gepflastert.

Geld mit Steinen machen

Die Außenhandelsfirma Limex ließ kilometerweise Landstraßen abtragen und die gut erhaltenen Steine westwärts transportieren. 1986 soll Limex für 2,5 Millionen D-Mark Pflastersteine an westdeutsche Besteller verkauft haben. 1987 betrug der Warenwert bereits 5,5 Millionen Mark. Der Volksmund reimte: "Ach wär` ich doch ein Pflasterstein, dann könnt` ich bald im Westen sein ..." Ein Barbyer Straßenbauer von damals erinnert sich, dass beispielsweise das Granitwürfelpflaster von Calbe bis zum Steinbruch bei Kleinmühlingen diesen Weg gegangen sein soll.

Doch im Falle vom Magdeburger Tor passt die Zeitschiene nicht ganz. Das wurde es ja bereits Anfang der 1980er Jahre "entsteint". Wer erinnert sich, warum dort das Pflaster ausgetauscht wurde und wo es geblieben ist? Zeitzeugen bitte melden: (039298) 2622 7.

 

Bilder