Seit mehr als einem Jahr ist die Paulstraße in Schönebeck voll gesperrt. Darüber verärgert sind seither Anwohner des Garagenkomplexes. Aus Landkreissicht wird sich an der Situation aber vorerst nichts ändern.

Schönebeck l Verärgert ist Dietmar Köhler. Der Schönebecker wohnt in der Valentin-Feldmann-Straße. In der Paulstraße befindet sich seine Garage, die er seit 1969 als Unterstellplatz für sein Auto nutzt. Doch seit einem Jahr ist die Paulstraße komplett gesperrt - sowohl für Fußgänger als auch den Straßenverkehr. "Seither muss ich über die Welsleber Straße und Wilhelm-Hellge-Straße den Umweg auf mich nehmen, um zu meiner Garage zu gelangen", sagt Köhler, der mit seinem Ärger nicht allein da steht. "Wir haben hier 211 Garagen", sagt er, dass eine Vielzahl von Betroffenen hinter ihm steht.

Dass die Paulstraße mal kurzzeitig gesperrt wird, sei für ihn verständlich. Doch inzwischen dauert dieser Zustand schon mehr als ein Jahr an. "Das ist Irrsinn", versucht er seinem Ärger Luft zu machen.

Anfang August 2013 wurde die Paulstraße gesperrt. "Das ist im Zuge der Gefahrenabwehr passiert", sagte damals Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz. Notwendig sei die Sperrung, da die Gebäude des ehemaligen Heizkesselwerkes einsturzgefährdet seien. Schon damals haben sich Anwohner und auch Allgemeinmediziner Dr. Simon Feldbach, der seine Praxis in der Paulstraße betreibt, beschwert. Seither hat sich nichts geändert.

"Was ist denn hier einsturzgefährdet?"

"Mir fehlt jegliches Verständnis dafür", bläst Volkar Grobleben ins selbe Horn. Ebenfalls seit 1969 gehört ihm eine Garage in der Paulstraße. Der Umweg geht auch ihm gegen den Strich. "Was ist denn hier einsturzgefährdet", fragt er mit Blick in die Paulstraße, die an allen Einmündungen per Gitterzaun versperrt ist.

Aus Sicht des zuständigen Bauordnungsamtes des Landkreises wird sich an der Situation vorerst wohl nichts ändern. "Auf dem gesamten Gelände befinden sich Ruinen, in denen sich Personen, die sich dorthin begeben, verletzen können", teilt Landkreissprecherin Ingrid Schildhauer auf Volksstimme-Nachfrage mit. "Insbesondere sehen wir hier hinsichtlich spielender Kinder und Jugendlicher, die sich dort aufgehalten haben, Handlungsbedarf", sagt sie weiter. Deshalb stelle die derzeitige Lösung als "mildestes Mittel" sicher, dass der Zugang auf das gesamte Betriebsgelände versperrt ist.

Schildhauer schließt zudem eine halbseitige Sperrung aus, da diese "mit erheblich höheren Kosten verbunden" wäre. Da die Kosten, so Schildhauer, bei den Eigentümern mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht beizutreiben sind, würden diese die Allgemeinheit belasten.

"Die Situation lässt keine andere Lösung zu."

Es sei der Bauaufsichtsbehörde durchaus bewusst, dass die Vollsperrung mit Einschränkungen von Anwohnern verbunden ist. "Die derzeitige Situation lässt jedoch keine andere Lösung zu", schließt Ingrid Schildhauer ab.

Ist das das letzte Wort? Zumindest sieht auch die Stadtverwaltung wenig Chancen, an der Situation etwas zu ändern. "Wir hatten schon im Vorfeld der Sperrung etwas unternommen und uns um eine halbseitige Sperrung bemüht, um wenigstens die Garagenzufahrt zu gewährleisten", informiert Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz. "Aber ohne Erfolg" sei dieses Anliegen geblieben. "Der Salzlandkreis musste dies aus Sicherheitsgründen ablehnen und hat noch einen weiteren Bauzaun ziehen lassen", sagt Wannewitz.