Der Verschönerungsverein Calbe möchte Saaleradwanderer in die Innenstadt "locken". Die mehrheitlich an Calbe vorbei radelnden Touristen sollen durch neue Info-Tafeln auf eine Alternativroute durch die Stadt aufmerksam gemacht werden.

Calbe l "Es ist mir mehrfach aufgefallen", sagt Nikolai Fedulov, "dass die meisten Radfahrer über Trabitz in Richtung Rosenburg und Barby wollen, wenn sie von Süden kommen." Dabei bliebe Calbe im direkten wie übertragenen Sinne "links liegen". Der Name des 35-Jährigen verrät, dass er noch nicht sein "Leben lang" in der Saalestadt wohnt. Der gebürtige Russe studiert in Bernburg Landschaftsarchitektur und ist selbst oft mit dem Fahrrad auf Achse.

"Das ist hilfreich, wenn jemand ohne Betriebsblindheit solche Dinge feststellt", sagt Klaus Weila, Vize des Verschönerungsvereins. Nikolai Fedulov ist mit seinen 35 Lenzen dessen jüngstes Mitglied. Oft seien es ja sowieso die Fremden, die einen ganz anderen Blick für die Dinge hätten.

In diesen Tagen macht der Verschönerungsverein Nägel mit Köpfen: In Tippelskirchen wurde eine großformatige Info-Tafel aufgestellt, die Alternativen aufweist. "Hier müssen die Radfahrer vorbei, wenn sie in Richtung Trabitz weiter wollen", zeigt Nikolai Fedulov auf einen Schilderbaum, von dem auch das Piktogramm des Saaleradwanderweges prangt. Die neue Tafel verweist auf Sehenswürdigkeiten von Calbe, wie auch auf die Wege dorthin. Von Tippelskirchen führt die Route über die Saalebrücke, dann gleich rechts den "Tillweg" hinab. Eben da findet man auch gleich zwei Sehenswürdigkeiten am Wegesrand: den Eulenspiegelturm, auf dem ein verzinkter Till herum turnt und das "Ei der Deutschen Einheit". Beide wurden von Oskar Werner geschaffen, der hier wohnt. Die zwei Wege in Richtung Innenstadt führen erstens an der Saale entlang und zweitens über den Verschönerungsweg. "Es ist quasi eine Alternative zur Alternative", lächelt Klaus Weila. Mit dieser radlerfreundlicheren Streckenführung wird die bis jetzt ausgeschilderte Nienburger- und Bernburger Straße vermieden. "Ich glaube, das gefällt den Touristen sowieso besser, weil dort viel Verkehr rollt", gibt Nikolai Fedulov zu bedenken. Über den Markt (Roland, Stephanikirche, Heimatstube aber auch Gaststätten) geht es dann weiter über den Sandgarten und Fähre auf die alte Linienführung zurück. Natürlich besteht von hier auch die Möglichkeit, über Werkleitz auf dem offiziellen Saaleradwanderweg nach Barby zu strampeln.

"Es ist mir aufgefallen, dass die meisten Radfahrer über Trabitz in Richtung Rosenburg und Barby wollen, wenn sie von Süden kommen."

Hinter der Saaleschleuse steht eine zweite Tafel, die die Radler aus der Gegenrichtung "abfangen" soll. Auf jeden Fall muss man durch Gottesgnaden, was den Betreiber der dortigen Gaststätte freuen dürfte.

Der Materialeinsatz für die Schilder beträgt laut Klaus Weila 560 Euro, die aus der Schatulle des Verschönerungsvereins stammen. Die Stadt unterstützt das Projekt mit den hölzernen Schilderträgern.

Wie Bürgermeister Dieter Tischmeyer sagt, stünden die Chancen gut, dass die zum Teil über Wiesenwege führenden Alternativen im kommenden Jahr asphaltiert würden. Das betreffe auch den Weg, der an Weinberg und Schweinebucht vorbei in Richtung Nienburg verläuft.

Dort, wie auch am Verschönerungsweg, stehen zahlreiche Findlinge, die historische Gedenktafeln tragen. Sie wurden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vom damaligen Verschönerungsverein aufgestellt.

Für dessen heutigen Vorsitzenden Rudi Conrad und Vize Klaus Weila Grund genug, diese Piste wieder attraktiver zu machen. Doch das wäre schon wieder das nächste Projekt des rührigen Verschönerungsvereins, der gegenwärtig 130 Mitglieder (davon 12 Aktive) hat.

 

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