Ist Pretzien ein "Dorf mit Zukunft"? Die Anwohner sind sich hinsichtlich dieser Frage einig. Gestern Nachmittag haben sie versucht, die Mitglieder der Bewertungskommission des bundesweiten Wettbewerbs zu überzeugen. Die Konkurrenz für Pretzien ist nicht groß, aber sicher stark. Lediglich Giersleben beteiligt sich ebenso.

Pretzien l "Für einen so kleinen Ort wie wir es sind, ist es beachtlich, was wir alles an Infrastruktur vorhalten", sagt Gundhelm Franke, Ortsbürgermeister von Pretzien. Dazu zählen seiner Meinung nach Ärzte, Physiotherapie und Einkaufsmöglichkeiten. Für Gundhelm Franke lässt sich nur ein Schluss ziehen: "Unser Dorf hat Zukunft."

Und für den Ortsbürgermeister gibt es auch einen guten Grund, derart von Pretzien zu schwärmen. Der Schönebecker Ortsteil ist nämlich einer von zwei Orten im Salzlandkreis, die sich dem bundesweiten Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" stellen. Neben Pretzien ist auch Giersleben (Verbandsgemeinde Saale-Wipper) im Rennen.

Gestern war nun der große Tag. Denn die Bewertungskommission, zu der Kreistag- und Kreisverwaltungsleute gehören, war in beiden Orten zu Gast. "Giersleben am Morgen hat schon gut vorgelegt", sagt Tilo Wechselberger, Wirtschaftsamtmitarbeiter im kreis und Leiter der Kommission. Das heißt aber nicht, dass sich Pretzien verstecken muss.

Der rund 950-Seelen-Ort zeigt sich am Nachmittag von einer seiner guten Seiten. Den Rundgang der Kommission führen Friedrich Harwig, langjähriger Ortsbürgermeister, und Gundhelm Franke, aktueller Ortschef, an. Ob Dorfgemeinschaftshaus, Thomas-Kirche oder die Kindertagesstätte, die öffentlichen Einrichtungen können von den Jurymitgliedern betreten und bestaunt werden. Ebenfalls gezeigt werden das Parkhotel, der Steinmetzbetrieb von Frithjof Meussling, das Physiotherapiezentrum Hörning und die Tischlerei Ballerstedt.

"Wir haben hier reichlich Gewerbe", schwärmt Franke. Beeindruckend sind ebenso die Alte Sorge, ein Gewässer, das derzeit aufwendig entschlammt wird, und der Sportplatz, der vom SV Blau-Weiß bewirtschaftet wird. Hier zeigt sich übrigens ehrenamtliches Engagement von seiner schönsten Seite. Denn die 7600 Quadratmeter Rasenfläche wird von Freiwilligen zweimal in der Woche gemäht, informiert Vereinschef Dominik Stoyke.

Für die Jury dürfte die Entscheidung schwer fallen. "Jeder Ort hat seine Vor- und Nachteile", sagt Reinhard Luckner, Bürgermeister von Egeln und das erste Mal Mitglied der Bewertungskommission. Giersleben habe beispielsweise viel alte Bausubstanz, die heute gut genutzt werde, fügt Tilo Wechselberger hinzu.

Doch das allein zählt nicht. Die Jury hat mehrere Kriterien wie wirtschaftliche Entwicklung, soziale Aktivitäten sowie Grün- und Baugestaltung. In den einzelnen Kategorien können bis zu 20 Punkte verteilt werden. Die Summe aller zählt am Ende.

Geht es nach Franke und Harwig, dürfte Pretzien in jeder Kategorie die Höchstpunktzahl erreichen. Denn: "An vielen Häusern sind die Betonflächen durch Grün `beseitigt`", sagt Harwig. Des Weiteren sei es in dem Ort gelungen, komplett mit Fußwegen zu versehen. Inzwischen würden zudem alte Gebäude von jungen Leuten übernommen. "Das ist wünschenswert für jeden Ort. Dass nicht nach außen, sondern zuerst nach innen gebaut wird", sagt der ehemalige Ortsbürgermeister.

Der Sieger wird das Salzland 2015 auf Landesebene und eventuell 2016 auf Bundesebene vertreten.

   

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