Eine neue Sonderausstellung wird derzeit im Salzlandmuseum Schönebeck vorbereitet. Anlässlich des 50. Todestages steht Katharina Heise im Mittelpunkt. Der Titel der Ausstellung: "Die (Un-)Vergessene?"

Schönebeck l Die Lebensdaten der Schönebecker Künstlerin (1891 bis 1964) machen es deutlich: Eigentlich hätte 1991 der 100. Geburtstag Katharina Heises zu Erinnerungen und Ehrungen Anlass gegeben, wenn nicht gerade die deutsche Geschichte neu geschrieben worden wäre und dadurch die längst notwendige Reputation der großen Künstlerin des deutschen Expressionismus in den Hintergrund treten musste.

So soll wenigstens anlässlich des 50. Todestages von Katharina Heise das Werk und Schaffen dieser zu Unrecht fast vergessenen Künstlerin geehrt werden. Eine Ausstellung eines Teiles ihrer Werke wird am 2. Oktober im Salzlandmuseum eröffnet.

Noch während des Ersten Weltkrieges erscheint 1918 ein Sonderheft der Zeitschrift "Aktion" mit einem Holzschnitt des Porträts von Karl Marx anlässlich seines 100. Geburtstages. Hinter dem Synonym Karl Luis Heinrich-Salze verbirgt sich eine Frau, der noch im gleichen Jahr ein Sonderheft der Zeitschrift gewidmet ist. Erst 1931 gibt die Künstlerin sich als Katharina Heise zu erkennen, nachdem sie unter dem Synonym in den 20er Jahren mit ihrer Schwester zu den anerkannten Künstlern Berlins gehörte und auf allen nennenswerten Ausstellungen vertraten war.

1891 wurde Katharina Heise in Groß Salze als Tochter einer wohlhabenden Bauernfamilie geboren. Nach einer damals typischen "weiblichen" Schullaufbahn mit Buchführung, Stenographie und Schreibmaschine wächst in ihr der Wunsch nach einer künstlerischen Ausbildung.

Nach einer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Magdeburg reist sie mit ihrer ebenso künstlerisch begabten älteren Schwester vor dem Ersten Weltkrieg nach Paris, um dort Anregungen für ihr künstlerisches Schaffen zu erlangen. Die Kunstakademien waren den Frauen in dieser Zeit weitgehend verschlossen.

Der Krieg beendet die Pläne der Schwestern und sie lassen sich in Berlin nieder. Katharina wendet sich hier unterstützt durch Hugo Lederer und vor allem durch Käthe Kollwitz, deren Atelier sie übernimmt, der Bildhauerei zu. Die Plastiken, aber auch die Holzschnitte aus dieser Zeit zeigen den großen Einfluss von Käthe Kollwitz auf die Künstlerin.

Der Anfang der 30er Jahre wird zum Höhepunkt des künstlerischen Schaffens. Öffentliche Aufträge und vor allem Ausstellungen in Deutschland, Frankreich und der Sowjetunion bringen ihr den künstlerischen Erfolg, allerdings nur für eine kurze Zeit. Mit der Machtübernahme der Nazis verschwinden ihre Werke aus den Museen. Die Werke gelten als "entartet".

1937 stirbt ihre Schwester Annemarie, Katharinas Atelier wird 1942 in Berlin zerstört. Sie kehrt in ihren Geburtsort Schönebeck (Groß Salze) zurück. Durch den Zweiten Weltkrieg verliert Katharina Heise den Kontakt zur internationalen Kunstszene und gerät allmählich in Vergessenheit. Erst die neue, aus dem Krieg zurückgekommene Künstlergeneration, vertreten durch Werner Tübke, Hans Oldenburg und Ewald Blankenburg, würdigen Katharina Heise als Lehrerin ihrer Generation.

1959 richteten diese in Schönebeck für ihre Lehrerin eine Personalausstellung aus. Sie gründen zusammen mit ihr die Künstlergruppe "dalbe" und organisieren Ausstellungen in Quedlinburg und Halle. 1961 stellte der Künstlerverband anlässlich des 70. Geburtstages von Katharina Heise das künstlerische Werk der beiden Schwestern in Magdeburg vor. Katharina Heise verstarb 1964 in einem Krankenhaus in Halle (Saale). Die Stadt Magdeburg benannte ihr zu Ehren eine Straße, den Heiseweg.