Der Kaninchenzuchtverein G 18 Bad Salzelmen hat zusammen mit dem Kreisverband des Altkreises Schönebeck jetzt zu seiner Meisterschau eingeladen. Mit 250 gezeigten Tieren verbuchten die Züchter einen neuen Ausstellungsrekord. Mit dabei war auch Susanne Meyer. Sie züchtet die seltenen Genter Bartkaninchen.

Schönebeck l Bei der Meisterschau am Sonnabend ist Susanne Meyer ganz gelassen. Sie stellt zwar ihre Genter Bartkaninchen aus. Doch die flauschigen Langohren laufen außerhalb der Wertung, müssen nicht den prüfenden Blicken der drei Preisrichter standhalten. Denn die Rasse ist noch nicht offiziell anerkannt. Die Genter Bartkaninchen werden nur bei großen Ausstellungen, Landes- oder Bundesschauen, bewertet. Trotzdem ist die Züchterin aus dem Verein G 18 Bad Salzelmen so etwas wie eine Koryphäe. Kenner wissen sofort warum. Und Susanne Meyer hat es schnell erklärt. "Die Genter Bartkaninchen sind eine ganz alte Haustierart aus dem franko-flämischen Raum. Doch um Haar hätte es sie nicht mehr gegeben." Vor einigen Jahren existierten in Deutschland lediglich noch 20 Ausgangstiere. Erst langsam wächst die Population wieder. Ein schwieriges Unterfangen, denn durch viele Kreuzungen und den resultierenden Inzuchtgrad brauchen die Züchter allerorten einen langen Atem, um die typischen Merkmale der Genter wieder zur Geltung kommen zu lassen.

"Ich war von Anfang an wie elektrisiert von den Bartkaninchen."

Susanne Meyer hat diese Ausdauer und mit ihrer Liebe zu den Bartkaninchen auch die Liebe zur Zucht und zum Vereinsleben entdeckt. 2006 waren sie und ihr Mann Ingolf Meyer auf der Suche nach einer Häsin - für den Hausgebrauch, nicht zu Zuchtzwecken. "Bei der Recherche im Internet bin ich auf die Genter Bartkaninchen gestoßen und war von Anfang an wie elektrisiert." Die Tiere seien sehr groß, können bis zu sechs Kilogramm schwer werden, haben ein wunderbar flauschiges Fell und eine typische Behaarung im Gesicht, der Bart, und an den Flanken. Schnell habe die Kleinmühlingerin auch mitbekommen, wie es um die Rasse stehe, berichtet sie. "Es hat sich extra ein Erhaltungszuchtverein gegründet, der versucht hat, die Rasse deutschlandweit zu retten." In diese Gruppe, die bis heute existiert, ist Susanne Meyer sofort eingetreten. Gleichzeitig hat die 45-Jährige versucht, Tiere zu bekommen. Am Anfang zunächst ein Mix, dann reinrassige Tiere.

Der sprichwörtliche schwierige Anfang bewahrheitete sich auch bei Susanne Meyer. Ihre ersten Zuchtversuche waren von "Misserfolgen und Rückschlägen" geprägt. Die Tiere zeigten nicht die Standardmerkmale. Andere Anfänger hätten wahrscheinlich den Kopf in den Sand gesteckt. Nicht Susanne Meyer. "Das alles hat mich nur bekräftigt, weiter zu machen." Es sei wie ein Sog gewesen, man wolle einfach Erfolg haben. Susanne Meyer traf andere Züchter, beratschlagte sich, las viel, schaute sich auf Ausstellungen um. Die Entfernung zum Erhaltungszuchtverein gestaltete die Kommunikation schwierig. Aus diesem Grund entschied sie sich 2011, in den Salzelmener G 8-Verein einzutreten. "Ich habe von der Arbeit hier gehört und mich gut aufgenommen gefühlt." Bis heute ist sie die einzige Frau in der Runde geblieben. Susanne Meyer weiß, dass sie als Züchterin einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leistet, auch wenn man Frauen nicht zuerst mit ihrer Freizeitbeschäftigung verbindet. Deshalb kann sie auch ganz gelassen lächeln, wenn sie während Ausstellungen von Besuchern angesprochen werde, ob sie nicht einmal einen Experten holen könnte.

Ihre Ausdauer hat sich gelohnt, auch wenn die Tiere noch nicht "fertig" seien, kann Susanne Meyer echte Erfolge verbuchen. Den größten bei der Europaschau 2012 in Leipzig, als die Kleinmühlingerin den Ehrenpreis für Rammler erhielt. Im Januar wird sie die Genter in Ulm bei der Bundesrammlerschau präsentieren. Jetzt hofft sie darauf, dass das Anerkennungsverfahren für ihre Genter Bartkaninchen alsbald abgeschlossen ist und sie ihre Tiere auch auf Vereinsschauen ausstellen kann. "Ich möchte neugierig machen auf diese besondere Art und so vielleicht auch andere für die Zucht begeistern." Sicherlich ein Hobby, das Mühe koste, gibt die 45-Jährige zu. Zweimal am Tag müssen die Türe gefüttert werden, morgens mit Trockenfutter, abends mit frischem (selbst gesammelten) Grün. Dazu kommt die turnusmäßige Fellpflege.

"Bei der Beschäftigung mit den Tieren komme ich runter vom Tag."

Doch diese Mühen würden belohnt. Susanne Meyer arbeitet im Justizzentrum in Magdeburg, nach Feierabend genießt sie den Abstecher zu den Tieren, die ein ruhiges und zutrauliches Wesen auszeichnen würde. "Ich komme runter vom Tag und schalte ab", sagt die Züchterin. Und andersherum belebt das Hobby. Denn Ehemann Ingolf züchtet auch, weiße Hotots. Gerade vor Ausstellungen würden beide ihr Bestes geben, berichtet Susanne Meyer lächelnd. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Und wenn es dabei um den Naturschutz geht, warum nicht?