Zu einer gemeinsamen Jahresübung trafen sich die Wasserwehren der Städte Barby, Calbe und Schönebeck in Klein Rosenburg. Rund 60 Kameraden nahmen daran teil.

GroßRosenburg l So ist der Mensch: Vor der Flut 2013 zählte die Breitenhagener Wasserwehr 11 Kameraden, jetzt sind es 28. Ortswasserwehrleiter ist der Breitenhagener Rudi Kasper.

Unter den Neuzugängen sind auffällig viele jüngere Männer, wie Haiko Albrecht (39) und Christian Schmidt (34). Nach Auskunft der beiden Breitenhagener war die Katastrophe Auslöser für ihren Entschluss, der Wasserwehr beizutreten. "Wir haben damals zwischen Schöpfwerk und Klosterholz den Deich mit Sandsäcken erhöht, bis es nicht mehr ging und wir raus mussten", erinnert sich Haiko Albrecht an jene schlimmen Tage im Juni `13, als man bis zur Erschöpfung gegen die Flut kämpfte. So was prägt, hinterlässt Spuren und erzeugt Entschlüsse ...

Einsatzleiter der Jahresübung ist Barbys Wasserwehrchef Detlef Lorbeer. Zu seinen Unterstützern zählt unter anderem Heinz Jordan von der Rosenburger Wasserwehr, die den Übungsort zwischen ehemaliger Ziegelei und Saale vorbereitete.

Hier haben die ehrenamtlichen Deichschützer fünf fiktive Szenarios zu bewältigen: Der Damm ist auf der Wasserseite beschädigt und muss mit Folie abgedeckt werden. Dabei kommt das Boot der Wasserwehr Barby zum Einsatz, das 70 Sandsäcke transportieren kann.

Auch der Deichfuß ist stark durchlässig, es sickern viele Quellen. Als Drittes droht ein Überströmen des Damms. Dies muss mit Sandsäcken verhindert werden. Weiterhin wird eine sogenannte Quellkade gebaut, die landseitig das austretende Wasser der Sickerstellen auffängt und einen Gegendruck erzeugt. Hierbei ist es wichtig, dass die Sickerlinie (Wasser, das durch den Damm sickert) nicht "zu hoch gelegt" wird. Was ihn zum "Pudding" machen würde. Die Kammkade sichert den Deichfuß. "Damit kann einer Vielzahl von Austrittsstellen entgegen gewirkt werden. Durch die Kammform wird eine Belastung des unteren und mittleren Böschungsbereichs stabilisiert", erklärt Detlef Lorbeer.

Unter fachlicher Anleitung des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) gehen die Frauen und Männer ans Werk. Die "Überspülung des Damms" wird mit Sandsäcken verhindert. Was erstmal nicht sonderlich aufregend klingt, aber auch falsch gemacht werden kann. Hätte man sie zu hoch oder breit gebaut, entspräche das einem Druck von einer Tonne. Das wäre dann viel zu viel. In solchem Fall könnte ein durchnässter Deich in sich zusammen sacken.

Am Ende der Übung informiert LHW-Vertreter Ronald Günther über einige aktuelle Dinge, die den Raum Breitenhagen/Rosenburg betreffen. Die Vorbereitungsarbeiten zur DIN-gerechten Sanierung des Deiches vom Schöpfwerk Breitenhagen in Richtung Klein Rosenburg sollen in diesem Jahr beginnen. "Dann kommen zwar noch nicht die großen Bagger, aber beispielsweise die Archäologen", so der LHW-Bereichsingenieur. Auch für das geplante Schöpfwerk Gottesgnaden seien die Planungen abgeschlossen.

Der Übungstag findet seinen Abschluss in der hochwassersanierten Groß Rosenburger Mehrzweckhalle. Dafür haben Ortsbürgermeister Michael Pietschker und Ingelore Menzel (beide Rosenburger Kultur- und Carnevalsverein) 80 Portionen Erbsensuppe gekocht.

 

Bilder