Geschichte zum Anfassen: Neuntklässler der Lerchenfeld-Sekundarschule in Schönebeck erlebten jetzt ein Geschichtsprojekt in den Niederlanden und in Belgien.

Schönebeck l "Das ist ein Eindruck, dem sich wohl niemand entziehen kann und der einem nahe geht", sagt Thomas Bombach. Der Lehrer der Lerchenfeld-Sekundarschule beschreibt den ersten Moment, den sicherlich alle Besucher erleben, wenn sie die Gedenkstätte in Ysselsteyn (Niederlande) besichtigen. Die hellen Kreuze von 32 000 Kriegsgräber sind auf der rund 20 Hektar großen Fläche aneinandergereiht. "Das ist ein Ort, der das Ausmaß von Krieg und Tod eindrücklich vor Augen führt", so Thomas Bombach.

"Fleißig wurden Akten gewälzt, Briefe gesichtet und Collagen erarbeitet."

Vor mehreren Jahren haben sich die Geschichtslehrer Angelika Grahn und Thomas Bombach auf den Weg gemacht, um sich die Plätze in den Niederlanden, Frankreich und Belgien anzusehen. Daraus hat sich ein Geschichtsprojekt entwickelt. Mit Tradition. Denn den Erinnerungsort in Ysselsteyn besuchen Lerchenfeldschüler bereits seit sieben Jahren in Folge. Doch nicht nur als "Geschichts-Touristen". Sie tauchen ganz tief ein in die Historie. Auch jetzt wieder. "Wir waren mit Neuntklässlern dort, weil das Thema Zweiter Weltkrieg auch jetzt im Lehrplan des Geschichtsunterrichts ansteht", so der Lehrer. In Ysselsteyn gibt es ein Jugendbegegnungszentrum. Der Gedenkort wird vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gepflegt. Mit diesen Partnern spüren die Schüler den Schicksalen nach. Sie erforschen die Biografien von Gefallenen, lassen Namen lebendig werden. "Fleißig wurden Akten gewälzt, Briefe gesichtet und Collagen erarbeitet", beschreibt Thomas Bombach.

Die Ergebnisse wurden dann von den Gruppen in kleinen Vorträgen präsentiert. "Man hat gemerkt, dass die Schüler dabei eine ganz andere Beziehung zu der Person, deren Namen auf dem Kreuz steht, aufbauen, als wenn sie den Ort einfach nur angeschaut hätten", sagt Thomas Bombach.

Bei der Theorie allein ist es während der Schülerfahrt nicht geblieben. Die Jugendlichen brachten sich auch ganz praktisch ein. Die Schüler wollten auch Kriegsgräber pflegen. "Und sie waren dabei gar nicht zu bremsen", umschreibt Thomas Bombach den Eifer. Die Mitarbeiter des Friedhofes hatten dazu eine extra große Menge an Reinigungsmitteln bereitgestellt. Thomas Bombach erklärt, dass die Kreuze bei der Säuberung mit einer speziellen Lauge bestrichen werden. Das hält die Kreuze frei von Moosen und anderen Verunreinigungen. Von dem Ergebnis allerdings würden erst die Schüler etwas sehen, die im kommenden Jahr nach Ysselsteyn fahren. In der Betrachtung hat sich auch dieser praktische Einsatz gelohnt und findet nur Lob von den Lehrern. "Mittlerweile ist der Fleiß der Lerchenfeldschüler im siebenten Jahr dort bestens bekannt", sagt Thomas Bombach. Sage und schreibe 1800 Gräber haben die "Lerchenfelder" geschafft. "Das ist eine tolle Leistung."

"Ein Ort, wo heute Geschichte geschrieben, wo Gegenwart und Zukunft gestaltet werden."

Den Abschluss der Fahrt bildete ein Ausflug nach Brüssel. "Auch als eine Art Dank für die Mühen der Schüler in Ysselsteyn", sagt Thomas Bombach. Natürlich ging es aber auch in der Hauptstadt der Europäischen Union darum, etwas zu lernen. "Anliegen war es, den Ort zu besuchen, wo heute ein Teil unserer Geschichte geschrieben wird, wo die Gegenwart und die Zukunft gestaltet werden", erklärt der Lehrer.

Thomas Bombach ist dankbar, dass er für die Geschichtsfahrten viel Hilfe erfährt. Er nennt besonders die Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen-Anhalt, die dieses Projekt durch ihr Engagement erst möglich gemacht hat. Der Lehrer hofft, auch im kommenden Jahr mit einer Gruppe nach Ysselsteyn fahren zu können.

 

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