Michael Kovacs hat so ziemlich alles erlebt, was ein Tierpfleger erleben kann - vom Afrikaaufenthalt bis zum Schlangenbiss. Der 33-Jährige liebt Tiere, hat aber auch eine ganz realistische Sicht auf seine Arbeit.

Schönebeck l Tag für Tag begegnen wir vielen Menschen. Die meisten kennen wir nicht und werden wir niemals kennenlernen. Ein kurzer Moment, maximal ein Blick und schon verliert man sich wieder aus den Augen. So unscheinbar manche Personen vielleicht auch scheinen mögen - sie könnten doch etwas Interessantes zu erzählen haben.

Ein Beispiel ist Zootierpfleger Michael Kovacs vom Heimattiergarten Bierer Berg. Ein eher unscheinbarer Mann mit einer tiefer Stimme und niederländischem Akzent, der ihm hier in Deutschland den Spitznamen "Rudi" bescherte. "Rudi" wurde im Juli 1981 in Geldern nahe der niederländischen Grenze geboren. Die Mutter ist gebürtige Holländerin und seine Kindheit und Jugend verbringt er in Amsterdam. Die Berufswahl ist keine Frage für ihn: von Anfang an der oft missverstandenen Beruf des Zootierpflegers. "Viele haben ein falsches Bild von dem Beruf. 80 Prozent sind Reinigungsarbeiten, nicht nur betutteln." Im Rahmen seiner Ausbildung muss er auch einen zweijährigen Auslandsaufenthalt vorweisen und geht 1997 nach Afrika. "Ich habe dort zunächst zwei Monate als Betreuer für holländische Touristen auf Safaris im Krüger-Nationalpark gearbeitet", erzählt Kovacs. Später arbeitete er dann als Wildhüter, half bei Tierumsiedlungen und der tierärztlichen Unterstützung in verschiedenen Nationalparks. Die Hauptaufgabe eines Wildhüters im Nationalpark ist Arterhaltung und das Unterbinden der Wilderei. Wochenlang sind die Hüter in Zweier- oder Dreier-Gruppen unterwegs, schlafen in der Savanne zwischen Löwen und Elefanten, um Wilderer aufzuspüren und von ihnen gelegte Fallen zu entfernen. Natürlich wird sich auch um die Tiere gekümmert.

Eine sehr aufregende Arbeit, die nicht ohne Gefahr bleibt: "Einmal kam es zum direkten Schusswechsel mit Wilderern. Aber man weiß, wofür man es macht", sagt der Zootierpfleger. Während seiner Reisen durch den Nationalpark machte er positive und negative Erfahrungen: "Im Dschungel bin ich einmal auf Berggorillas gestoßen. Sie waren zwei bis drei Meter entfernt von mir: eine faszinierende und prägende Begegnung". Nicht so wunderbar war hingegen der Biss einer Puffotter: "Der Biss war nicht wirklich schmerzhaft, aber es dauerte nur etwa drei bis vier Minuten bis das Gift wirkte und ich bewusstlos wurde", sagt der 33-Jährige aufgeregt. Nur das Notfallpaket und die schnelle Hilfe seiner Kollegen sicherten sein Leben. In einem Krankenhaus in Nairobi wurde er im künstlichen Koma mit starken Medikamenten versorgt. Dazu ein kleines Bekenntnis eines tierlieben Mannes: "Bei den meisten Wildunfällen mit Menschen sind die Tiere unschuldig. Sie fühlen sich oft bedroht und wehren sich nur", sagt der gebürtige Deutsche.

"Ich möchte die Zeit nutzen, um Freunde zu besuchen und vielleicht nochmal zu reisen."

Der Zwischenfall war vielleicht Anlass genug, in seiner Heimat ein 80 Hektar großes Areal zu eröffnen und dutzenden Tieren eine Herberge zu bieten. Eine Art Tierpension sozusagen. Insgesamt über 200 Schlangenarten fanden dort ein Zuhause. Aber das ist lang her, heute gibt er sich mit einer Spinne, Skorpionen, einem Hamster, Mäusen und zwei Schlangen zufrieden. Der Tierliebhaber braucht Tiere, die auch oft allein bleiben können. Einen beruflichen Bezug zu den wirbellosen Tieren hat er auch heute noch: "Ich fliege alle paar Monate nach London, um dort für medizinischen Nutzen das Gift von Schlangen abzumelken", erklärt der Schlangenfreund. Ein Weltenbummler ist dieser beschäftige Mann zudem, er machte Abstecher nach Asien, Australien und auf den nordamerikanischen Kontinent. Neben der Arbeitskleidung eines Tierpflegers scheint ihm auch ein Anzug zu stehen. Nach seinem Afrika-Aufenthalt machte sich Kovacs für zwei Jahre selbstständig. Seit 2005 arbeitet er in Deutschland, zunächst im Krefelder Zoo, und seit 2011 im Raum Sachsen-Anhalt. Michael hat sowohl im Magdeburger Zoo, als auch die letzten eineinhalb Jahre im Heimattiergarten Bierer Berg als Schwangerschaftsvertretung gearbeitet.

Vielleicht haben Sie "Rudi" also auch schon einmal zu Gesicht bekommen, ohne zu wissen, was dieser Mann schon alles erlebt hat. Wie es beruflich weitergeht, lässt der Zootierpfleger offen: "Ich will auch irgendwann mal sesshaft werden. Aber dazu gehört ja noch jemand dazu", sagt der Single lachend. Jetzt, Anfang Oktober, ist es wieder soweit und die Reise des Michael Kovacs geht weiter. Er hat schon eine neue Stelle in Aussicht, allerdings erst Anfang nächsten Jahres. "Die nächste Zeit möchte ich nutzen, um Freunde zu besuchen und vielleicht nochmal zu reisen. Ich habe beruflich bedingt nicht viel Zeit für Kontakte. Aber die wenigen sind mir sehr wichtig", sagt Kovacs. Eine Rückkehr nach Afrika schließt der 33-Jährige nicht aus. Fest steht jedoch: "Die Tiere bleiben Teil meines Leben."