Jens Hennicke ist seit August neuer Jägermeister im Salzlandkreis. Der Kreistag war den Vorschlägen der vier Jägerschaften aus Schönebeck, Staßfurt, Bernburg, Aschersleben gefolgt und hatte den Calbenser gewählt. Hennicke war in Barby dabei, als am vergangenen Wochenende die Jägerprüfungen stattfanden.

Barby l Jens Hennicke ist seit 15 Jahren Jäger. Doch das Interesse für Hege und Pflege entwickelte sich schon in frühester Kindheit, die er während der Ferien regelmäßig in Friedrichsbrunn (Harz) verbrachte. Sein Opa Willibald Franzel war dort Leiter des Kinderferienlagers des Sprengstoffwerks Schönebeck. "Der war ein bisschen wie Heinz Meynhardt, wenn er mit seinem Futtereimer in den Wald ging und die Wildschweine schon auf ihn warteten", erinnert sich Jens Hennicke. Damit spielt er auf den Burger Verhaltensforscher und Tierfilmer an, der zahlreiche Bücher und 32 Filme über das Leben des Schwarzwildes produzierte.

Touristen entzückt, doch der Hirsch war Opa Willi

Auf dem Ramberg, unweit der abgebrannten Viktorshöhe, wo der Harz sehr urwüchsig ist, "unterhielt" sich Opa Willi auch mit den Hirschen. Zur Hirschbrunft ahmte er den Ruf der liebestollen Platz- und Beihirsche nach, sodass die Urlauber im Wald ein bleibendes Erlebnis hatten. Weil sie ja nicht wussten, dass der Herr VEB-Lagerleiter da blökte.

"All diese Dinge waren so prägend für mich, dass ich Förster werden wollte", gesteht Hennicke. Doch das Leben wollte es anders. Heute hat der 43-Jährige beruflich soviel mit Jagd und Wald zu tun, wie ein Verwaltungsbeamter mit der Runkelrübenpflege: Hennicke ist Landeschef der Techniker-Krankenkasse.

Seine Leidenschaft verlagert er aber in den Freizeitbereich. 1999 hatte der Wahl-Calbenser seinen ersten Begehungsschein im Jagdrevier Zackmünde, bis 2010 ein eigenes Revier in der Nähe von Blankenburg (Harz) und heute bei Großmühlingen.

"Rasante" Ausbreitung des Waschbärs

Zu den Aufgaben des Kreisjägermeisters zählt auch die fachliche Beratung der Unteren Jagdbehörde des Kreises. Hennicke ist zudem Wildschadensschätzer und Mitglied der Prüfungskommission der Jäger. So eine Prüfung fand am vergangenen Wochenende statt. Auf dem Schützenplatz Barby wurde der praktische Teil durchgeführt. Die Prüflinge schossen mit der Flinte auf Wurftaube, mit der Büchse auf die Scheibe "stehender Rehbock" und der Pistole auf eine Ringscheibe. 36 Prüflinge traten an, 29 bestanden sie.

Hennicke möchte das Tun seiner Jagdgenossen fortan transparenter machen. Denn immer wieder liest man auf Anti-Jagdblogs solche Sprüche wie "Recht für Tiere, Endzeit für Jäger" oder von Aufforderungen, Hochstände zu zerstören. Auch der Naturschutzbund ist nicht gerade ein Freund der Waidmänner. Nabu-Präsident Olaf Tschimpke: "Das deutsche Jagdrecht ist verstaubt und veraltet: Der lodengrüne Geist des letzten Jahrhunderts haucht einem aus den meisten Jagdgesetzen entgegen." Die Jagd finde das ganze Jahr über statt, denn vor allem Wildschweine und Füchse, aber auch Waschbären und Wildkaninchen, hätten in einigen Bundesländern das ganze Jahr über Jagdzeit.

Laut Jens Hennicke sei das bei einigen Arten auch bitternötig. So steige die Population von Waschbär, Marderhund und Mink immer mehr an. Vor allem der Waschbär entdecke in Sachsen-Anhalt immer neue Regionen. Nach Angaben des Magdeburger Landwirtschaftsministeriums ist bei diesem Raubtier ein "rasanter Anstieg" zu verzeichnen. Dieser Trend setzte vor etwa zwei Jahrzehnten ein und nehme seitdem nahezu ungebremst an Tempo zu. Wahrscheinlich sei die Zahl der kleinen Bären längst auf das mehr als Hundertfache gestiegen.

Müll sammeln, Hecken und Bäume pflanzen

An deren Ausbreitung kann die Jagd auf Waschbären offenbar kaum etwas ändern. "Die kriegt man schwer mit dem Gewehr, sondern nur mit der Fallenjagd", weiß Jens Hennicke. In seinem Mühlinger Revier seien 2012 20 Waschbären, im vergangenen Jahr 70 zur Strecke gebracht worden.

Der Wahl-Calbenser beziffert das Wirken der rund tausend Jäger im Salzlandkreis mit "10 Prozent reiner Jagd". Der Rest sei Hege und Pflege. So nehme die Anpflanzung von Bäumen und Naturhecken in Absprache mit den Landwirten und Bodenbesitzern wesentlichen Raum ein. Auch Reviersäuberungen im Frühjahr - wo beispielsweise die Barbyer Jäger 2014 einen riesigen Hänger Müll zusammen trugen - gehören dazu.

 

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