Calbe l "Ein Fahrzeugmuseum und der Hof der Vereine mitten in der Stadt ist weitaus besser für zukünftige Besucher von Calbe als in einem der Gewerbegebiete", sagt Lutz Schmidt in die Runde. Der Polsterer nutzte die Möglichkeit, um bei der Hauptversammlung des Sozialen Netzwerkes Calbe seine Idee einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen.

Ehrenamtliche legten schon fleißig Hand an Ruine an

Hinter seiner Werkstatt in der Bernburger Straße erstreckt sich quasi bis zur Breite ein großes Areal mit altem Gebäudebestand, das er kaufte und zu dem einst Firmen wie "Elektro-Blitz" oder eine Lederwarenfabrik gehörten. Schon jetzt sind auf der Freifläche Miniaturmodelle markanter Gebäude der Saalestadt ausgestellt. Für Lutz Schmidt ist das aber nur ein Anfang. Der Vereinsvorsitzende hat eine Vision, die mit seiner großen Leidenschaft von historischen Fahrzeugen verbunden ist.

Seit drei Jahren sammelt er mit weiteren Mitstreitern unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins "Historische Fahrzeuge Calbe (Saale)" alte Autos, Busse, Krane und weitere Fahrzeuge, die aufbereitet und instandgesetzt werden. Um sie für jedermann auszustellen, soll perspektivisch eine mehrgeschossige Industrieruine auf dem Areal in ein Fahrzeugmuseum verwandelt werden. Die Ehrenamtlichen legten bereits kräftig Hand an. Sie beseitigten Unkraut und Wildwuchs, sicherten und entkernten die Immobilie, entsorgten Müll und putzten Mauersteine per Hand ab, um sie später wieder zu nutzen. "Daneben gibt es weitere Gebäude, die wir als Lager, Werkstatt oder Garagen umfunktionieren könnten", erklärt Schmidt. Doch Fenster und Türen sind stark beschädigt, der Putz fällt von den Wänden, durch die Dächer kommt der Regen. Bis jetzt.

Zusätzlich hat der Verein eine große sich anschließende Wiesenfläche von der Calbenser Wohnungsbaugesellschaft (CWG) mbH gekauft. "Hier könnten wir bei schönem Wetter Veranstaltungen durchführen", meint Schmidt. In diesem Moment sei auch die Idee vom "Hof der Vereine" geboren worden. "Wir haben viel Platz und stellen uns vor, auch andere Vereine anzusprechen, die Räumlichkeiten ganz oder zeitweise für Ausstellungen, Veranstaltungen und weiteres nutzen möchten", sagt Schmidt, der gedanklich noch einen Schritt weiter geht: "Es könnte auch Jugendlichen die Möglichkeit eröffnet werden, ganz praktisch an Fahrzeugen mitzubasteln, um ihnen dadurch vielleicht eine berufliche Perspektive zu eröffnen."

Projekt ist Bestandteilt des Stadtentwicklungskonzepts

Letzteres fiel bei Britta Duschek von der BQI - Beschäftigungsförderungs-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft Schönebeck mbH - und Leiterin der Saale-Akademie in Calbe auf offene Ohren. "Für viele unserer Jugendlichen wäre das sicher eine spannende und sinnvolle Betätigung." Es lohne auf jeden Fall, intensiv darüber nachzudenken, inwieweit eine Maßnahme oder Fördermöglichkeit ausgelotet werden könne.

Auch Calbes Bürgermeister Sven Hause, der sich bei einem Rundgang bereits das Areal und Vorhaben erklären ließ, zeigt sich von der Idee ebenfalls angetan, zumal sich diese auch im fortgeschriebenen Stadtentwicklungskonzept wiederfinde. "Es ist dort unglaublich viel Platz vorhanden", sagt Hause. Hinter dem Vorhaben von Lutz Schmidt stecke auch die schon lange diskutierte Idee eines Bürgerhauses. Calbe fehlten Räumlichkeiten in entsprechener Größe, die für Veranstaltungen genutzt werden könnten.

Aus touristischer Sicht sei das Vorhaben ebenfalls interessant, meint Lutz Schmidt. So könnten Wassertouristen von der Saalemauer und Radwanderer vom vorbeiführenden Saale-Radwanderweg zum Fahrzeugmuseum gelotst werden.

"Allein ist das Projekt nicht zu stemmen", sagt Lutz Schmidt. "Schön wäre es, wenn sich interessierte Bürger, Betriebe und Vereine dafür begeistern und die ein oder andere Baumaßnahme mit begleiten könnten.

"Das Vorhaben hat auf jeden Fall großes Potenzial", meint Rudi Conrad, Vorsitzender des Verschönerungsvereins Calbe, der bekanntlich für den neuen Schiffsanleger und Storchplatz in unmittelbarer Nähe verantwortlich zeichnet. Dieses Thema müsse mit möglichst vielen diskutiert werden.