Den Plötzkyern stinkts gewaltig: Bei Starkregen wird Abwasser auf die Straßen gedrückt. Sie fordern Abhilfe von der Stadt. Das Rathaus reagiert, nimmt aber die Bürger in die Pflicht. Sie sollen ihr Regenwasser versickern.

Plötzky l Steffen Weißenborn hat die Nase gestrichen voll - und das nicht nur im übertragenen Sinn: Der Plötzkyer, der in der Nähe des Pumpwerks am Buhenkopp/Magdeburger Straße wohnt, ärgert sich gewaltig über eine wirklich unangenehme Angelegenheit. Er findet drastische Worte, um seinem Ärger Luft zu machen. "Alle vier Wochen waten wir hier durch die Sch...". Denn wenn es regnet, treten regelmäßig Abwässer aus den Straßeneinlässen an die Oberfläche. Alles, was in den heimischen Badezimmern weggespült wird, kommt wieder an die Oberfläche. Und steht auf der Straße.

Nachbar Alfons Merknau beschreibt die Zustände: "Das Wasser steht dann lange, Papierreste und alles andere schwimmen darin herum, es stinkt." Auch Anna Maria Meussling weist bei der Bürgerversammlung in Plötzky auf die "unangenehmen Zustände" hin und hat dabei nicht zuletzt die Radtouristen im Blick, die hier unterwegs seien und eigentlich Natur erleben wollten.

Besonders betroffen ist der Bereich Magdeburger Straße/Waldstraße. An einem der tiefsten Punkte sammelt sich nicht nur das Wasser. Hier, am Ortsausgang Richtung Elbenau, steht auch eine Pumpstation. Abwässer aus Gommern und Pretzien kommen an und werden mit denen aus Plötzky unter der Elbe hindurch bis in das Schönebecker Klärwerk gefördert.

Allerdings wollen die Anwohner nicht hinnehmen, dass sie durch die Gegebenheiten den Belästigungen der übergelaufenen Kanäle ausgesetzt sind. "Wir haben das nicht verschuldet und leiden unter den Zuständen", sagt Steffen Weißenborn.

"Genehmigungen erteilt, also müssen Behörden sich kümmern."

"Hier wurden Baugenehmigungen für Grundstücke erteilt, also müssen die Behörden sich auch kümmern", fordert er bei der Bürgerversammlung in Plötzky von der versammelten Schönebecker Verwaltungsspitze. Das Problemen ist im Rathaus kein unbekanntes. Zunächst verweisen alle darauf, dass sich die Niederschlagsmengen erhöht haben. Richtig ist auch, dass am Buhnenkopp-Pumpwerk viel zusammenfließt.

Die Plötzkyer vermuten, dass aus Gommern zu viel kommt. Messungen der Abwasserentsorgung Schönebeck (AbS) haben aber ergeben, dass Gommern weniger einleitet als vertraglich vereinbart. Das Wasser kommt aus Ostelbien.

Deshalb gibt es einen ersten, wenngleich rigorosen Lösungsansatz. Dort, wo Grundstücke nicht an einen extra Niederschlagswasserkanal angeschlossen sind, soll die Einleitung von Regenwasser in die Abwasserkanäle untersagt werden. Das gilt für Plötzky und Pretzien. Tatsächlich existiert in diesen Orten kaum ein gesonderter Kanal für die Oberflächenentwässerung. Das heißt: Die meisten Grundstücksbesitzer sollen "ihr Wasser" auf ihren Grundstücken versickern lassen - alles was aus Regenrinnen und von Dachflächen kommt. Das sorgte bei der Bürgerversammlung für Protest. Befürchtungen wurden geäußert, dass das eigen Hab und Gut vernässe.

Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) hält trotzdem an der Maßgabe fest, verweist darauf, dass es in der Kernstadt bei den meisten Grundstücken so geregelt sei und die Erfahrungen gezeigt hätten, dass es technische Lösungen für die Versickerung auf den Grundstücken gebe. "Das allerdings zieht Baumaßnahmen nach sich", gibt der Stadtchef im Pressegespräch zu. "Dachrinnen müssten eventuell verlegt, Rohre und Drainagen gesetzt werden."

Die Stadt, das sagt Jörg Naumann von der Stabsstelle Abwasser im Rathaus, werde kontrollieren, dass die Vorgaben befolgt werden. Naumann ist in Ostelbien unterwegs und spricht mit den Grundstücksbesitzern. "Das Wassergesetz des Landes sieht vorrangig die Versickerung des Regenwassers auf privatem Grund vor", so Jörg Naumann.

"Jedes zusätzlich eingeleitete Wasser kostet Geld."

Die Stadt könne bei Verstößen sanktionieren, etwa wenn sie die Gefahrenabwehrverordnung oder die Straßenverkehrsordnung als Grundlage heranziehe. Man müsse sich bewusst machen, so der Stabsstellenleiter, dass Private quasi auf öffentlichen Grund entwässern - vom Grundstück zur Straße. "Umgekehrt wäre das unvorstellbar".

Auch die Abwasserentsorgung Schönebeck (AbS) bittet die Bürger, dem Vorschlag der Stadt zu folgen. Denn jeder Liter zusätzliches Wasser müsse gepumpt und im Klärwerk behandelt werden. Das alles verursache Kosten, die letztendlich über Gebühren von der Allgemeinheit getragen würden.

Warum aber werden die Pumpen nicht verändert? Das sei bereits vor fünf Jahren geschehen, heißt es aus dem Schönebecker Rathaus. Die Pumpstation ist Eigentum des Gommeraner Wasserverbandes. Technisch sei sie gut ausgestattet, aber könne eben keine Starkregenereignisse und zusätzliche Einleitungen bewältigen. Die Stadtverwaltung kündigte bei der Bürgerversammlung an, auch in Richtung Gommern das Gespräch zu suchen, welche Lösungen es für die Pumpstation gebe - bis hin zur Umsetzung.

Das allerdings würde nicht verhindern, dass das Wasser auf die Straße trete, wenn es stark regnet.

So gilt der Grundsatz der Grundstücksversickerung: Alternativlos? Oberbürgermeister Bert Knoblauch sagt Ja. "Wir können auch einen eigenen Regenwasserkanal bauen. Doch der würde hohe Investitionskosten verursachen, die auch auf die Leute zurückfallen."