Groß Rosenburg (dw) l Im Fall der Steinwurfattacke am Mittwochmorgen auf einen Polizisten in Groß Rosenburg (die Volksstimme berichtete) verfolgen die Ermittler eine erste heiße Spur. Nachdem sich Zeugen gemeldet haben, sucht die Polizei jetzt einen Mann. "Die Beschreibung von Bekleidung und Fahrrad passt gut zu dem, was die Polizisten vor Ort von dem Täter gesehen haben", sagt Polizeisprecher Marco Kopitz. Genaue Angaben zur Identität des gesuchten Mannes macht er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Nur soviel: "Die Suche erweist sich aber als schwierig, weil der Gesuchte keinen festen Wohnsitz hat."

Am Mittwoch gegen 7.40 Uhr hat sich ein Radfahrer auf der Hauptstraße in Groß Rosenburg dem Messwagen der Bernburger Polizei genähert. Die Beamten kontrollierten die Geschwindigkeit in der Tempo-30-Zone, weil Anwohner sich immer wieder über Raser beschwert hatten. Das zivile Fahrzeug stand deutlich erkennbar am Straßenrand.

Der Radfahrer warf mit einem zehn mal zehn Zentimeter großen Stein, der die Heckscheibe durchschlug und einen der Polizisten im Inneren traf. Der Beamte erlitt eine schwere Verletzung am Hinterkopf. Die Platzwunde musste im Schönebecker Klinikum versorgt werden. Der Geschädigte ist derzeit nicht mehr im Krankenhaus, aber dienstunfähig.

Täter hat Stein gezielt auf Messfahrzeug geworfen

Die Polizei sucht den Steinewerfer, der sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten muss. Inzwischen, so Marco Kopitz, sei klar, dass er den Stein nicht aus dem Umkreis gesucht, sondern mitgeführt haben muss. "Der Steinwurf auf den Messwagen war gezielt."

Unklar sei allerdings noch, ob dem Täter bewusst war, dass er eine Person mit dem Steinwurf verletzt. "Aber es ist üblich, dass immer zwei Personen die Technik im hinteren Teil des Fahrzeugs bedienen."

Die Fahndung startete direkt nach der Tat. Alle unmittelbaren Zeugen wurden sofort von der Polizei gehört. Zudem sind noch am Mittwoch mehrere Streifenwagen in Rosenburg im Einsatz gewesen, um Spuren zu verfolgen. Auch ein Fährtenhund kam dabei zum Einsatz. Straßen und Plätzen wurden so abgesucht. Der Radfahrer nutzte nämlich die Schrecksekunde der Polizisten im Messwagen aus, um schnell über einen Feldweg zu fliehen. Der unverletzte Kollege versuchte vergebens, ihn zu erwischen. Auf die Spur des vermeintlichen Täters ist die Polizei jetzt durch eine konkrete Aussage nach einem Zeugenaufruf gekommen. Die gefährliche Aktion in Rosenburg hat in dieser Woche einen traurigen Vorläufer. Erst am Montag war in Aschersleben eine Frau schwer durch einen Steinwurf verletzt worden. Ein Mann ließ in den Supermarkt, in dem sie arbeitete, und schleuderte der Frau den Pflasterstein gezielt an den Kopf.

"Neue Qualität" von Angriff auf Polizei

Auch für die Polizei habe der Angriff auf den Messwagen eine "neue Qualität", sagt Marco Kopitz. Nicht unüblich sei dagegen, dass die Beamten bei Geschwindigkeitskontrollen, so wie auch Ordnungsamtsmitarbeiter, von Passanten beleidigt und beschimpft werden würden, ergänzt der Polizeisprecher. Die Kollegen in Bernburg hoffen, dass der verletzte Polizist schnell wieder genese. "Die Arbeit geht erstmal normal weiter. Jetzt mit besonderen Vorsichtsanweisungen für die Polizisten zu reagieren, wäre überstürzt und würde nur auf Spekulationen gründen", sagt Marco Kopitz auf die Frage zu möglichen Reaktionen auf die Tat innerhalb interner Abläufe.

Die Polizei sucht Zeugen: Der Täter war mit einem blauen Damenrad unterwegs. Er trug eine graue Hose und graue Oberbekleidung mit Kapuze. Hinweise an die Polizei unter der Rufnummer (03471) 37 90.