Morgen befindet der Barbyer Ortschaftsrat über die Installation einer Bismarck-Gedenktafel am Haus der Begegnung, dem ehemaligen Amtsgericht. Dem Kanzler verlieh man in Deutschland fast 500 Ehrenbürgerschaften. In Barby wurde ihm 1867 die erste angetragen.

Barby l Denkmäler sind Wahrzeichen, die Brücken zur Vergangenheit bilden und Identität stiften können. Gedenktafeln auch.

So geschah auf dieser Strecke in den vergangenen Jahrzehnten in Barby einiges: 1986 wurde eine Friesstele im Schlosspark eingeweiht, ein Stein zur Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft am Rathaus aufgestellt, am Schloss eine Gedenkplatte für die Herzog-Heinrich-Schule befestigt oder auf Initiative des Kulturvereins Heimatfreunde mehrere gravierte Steintafeln an Standorten ehemaliger Stadttore montiert.

Jetzt möchte man Otto von Bismarck (1815-1898) mit einem Medaillon ehren. In diesem Fall hat der Kirchbauverein die Initiative ergriffen. Die Idee stammt von dem Barbyer Cord Proske, der sich in der Lapidarium-Gruppe engagiert und zusammen mit Otto Plönnies in Calbe für zahlreiche Kunst-Stahlschnitte verantwortlich zeichnet.

"Und genau das ist der springende Punkt. In Barby war man mit dieser ersten Verleihung offenbar dem späteren Trend weit voraus."

Die Gedenktafel besteht aus Sandstein, worauf ein Bronzemedaillon mit dem Abbild Bismarcks angebracht werden soll. Es ist eine künstlerisch hochwertige Arbeit, die vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts gegossen wurde. Darunter erklärt eine Inschrift: "Zur Erinnerung an seine Ehrenbürgerschaft verliehen durch die Stadt Barby am 29. Dezember 1867".

"Und genau das ist der springende Punkt", sagt Cord Proske. "In Barby war man mit dieser ersten Verleihung offenbar dem späteren Trend weit voraus." Denn bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde dem Havelländer Fürsten knapp 500 Mal die Ehrenbürgerschaft verliehen.

"Im Zuge der allgemeinen Verehrung seiner Person hatten ihn fünfundvierzig Kommunen bereits zu ihrem Ehrenbürger ernannt, als der Deutsche Reichstag beschloss, Fürst Bismarcks 80. Geburtstag am 1. April 1895 zu ignorieren", wird in mehreren Quellen genannt. Daraufhin machten ihn viele Städte schlagartig zum Ehrenbürger, darunter die Mitglieder der im Entstehen begriffenen Städteverbände in geschlossener Form, so der badische, der Thüringer und der sächsische.

Sogar die Bayern bliesen ab 1895 gewaltig mit in dieses Horn, die bekanntlich so ihre Probleme mit einem Preußen hatten.

Man darf vermuten, dass es sich um eine indirekte Protestaktion der Städte handelte, denn 1890 wurde der Reichskanzler durch den jungen Kaiser Wilhelm II. aus seinem Amt entlassen. Der Fürst zog sich daraufhin grollend auf seinen Alterssitz, das Gut Friedrichsruh, zurück und ließ es sich nicht nehmen, in den folgenden Jahren die Politik des jungen imperialistischen Kaisers aus der Distanz öffentlich zu kritisieren.

Aber warum ehrte man ihn ausgerechnet in Barby zu allererst?

Bismarck hatte kaum seine ersten politischen Erfolge errungen - denen wenige Jahre später die Gründung des Deutschen Reiches folgte - als Magistrat und Stadtverordnete Ende des Jahres 1867 beschlossen, ihn als Ehrenbürger zu benennen. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich im Schönhausener Bismarck-Museum der Barbyer Ehrenbürgerbrief.

Die Anregung, Bismarck als Ehrenbürger zu ernennen, geht höchstwahrscheinlich auf Ratsmitglied und Rittergutsbesitzer Adolf Dietze zurück, der mit Bismarck eng befreundet war.

Der Reichskanzler war mehrfach Jagdgast bei Dietze, der 1888 von Kaiser Friedrich III. in den Adelsstand erhoben wurde. In mehreren von Bismarcks Privatbriefen werden Dietze und Barby genannt.

Adolf Dietze wurde 1848 bereits als 23-Jähriger selbst Ehrenbürger der Stadt, was damals wie heute ungewöhnlich früh war und ist.

Wie die Chronik beschreibt, wurde dem Reichskanzler ein gebührender Empfang bereitet, wenn er mit der offenen Kutsche durch das Elbestädtchen rollte, das Ende des 19. Jahrhunderts rund 5500 Einwohner zählte. "Jungfrauen" in weißen Kleider jubelten ihm in der ersten Reihe zu, die Straßen waren festlich geschmückt.

Die Barbyer hätten also guten Grund den Eisernen Kanzler zu ehren, wären aber in der Region nicht die Ersten. 2007 wurde in der sogenannten Gedenkhalle im Fuß des Bismarckturms auf dem Calbenser Wartenberg ein Stahlschnitt enthüllt, der an den Namensgeber erinnert. Der Turm, damals der höchste Punkt des Kreises, war 1904 eingeweiht worden.