Die Ausgaben für das Strandbad "Seepark" betragen in dieser Saison fast das Vierfache der Einnahmen. In absehbarer Zeit werden auch in Barby Asylbewerber untergebracht. Zwei Dinge, über die der Barbyer Ortschaftsrat Donnerstagabend informiert wurde.

Barby l Die Verluste des "Seepark" ziehen sich wie ein roter Faden durch das Haushaltsgeschehen der Stadt Barby. Immer überstiegen die Ausgaben die Einnahmen deutlich. In diesem Jahr stehen Ausgaben von rund 57000 Euro Einnahmen von 14.758 Euro gegenüber. Den Löwenanteil nehmen darin die Lohnkosten mit 45.280 Euro in Anspruch. 2014 wurden 7150 zahlende Gäste gezählt. Ein Jahr zuvor waren es noch 12.433. "Ich bin über diese Zahlen erschüttert. Dabei war es ein sehr guter Sommer", sagte Ortschaftsrat Nico Drobek. Er empfahl, den Seepark intensiver zu bewerben. "Der sollte auf der Startseite des städtischen Internetauftritts eine größere Rolle spielen." Drobek machte einen weiteren Vorschlag, um die bedenkliche Differenz zu verkleinern: Die rund 800 Freikarten abschaffen und wenigstens einen kleinen Betrag nehmen. "Wir erhöhen überall die Steuern und an dieser Stelle passiert nichts", so Drobek. Weiterhin bat er die Polizei, die illegale Feldwegnutzung am Kiessee Süd (Werkleitzer Weg) in der Saison zu unterbinden. Polizeioberkommissar Lutz Maser, der im Publikum saß, sicherte dies zu. Bürgermeister Jens Strube räumte aber auch Hemmnisse am "Seepark" ein. So sei der Caravanstellplatz servicetechnisch ein Provisorium. Dort könne beispielsweise die Chemietoilette eines Wohnwagens nicht fachgerecht entsorgt werden.

Jens Strube brachte die brandneue Information mit, die er kurz zuvor bei einer Sondersitzung im Landratsamt bekommen hatte: Auch in Barby werden ebenso wie in Calbe und Bördeland in der nächsten Zeit Asylbewerber untergebracht. Wie viele und wo konnte Strube noch nicht sagen. Die zuständigen Kreis-Mitarbeiter würden sich in den kommenden Tagen geeignete Quartiere angucken. "Wir wollten dafür die ehemalige Grundschule in der Pömmelter Straße herrichten, doch das wurde vom Kreis abgelehnt", sagte der Bürgermeister. Schulgebäude seien nicht geeignet. "Unter den Asylbewerbern werden auch schulpflichtige Kinder sein. Es wird nicht leicht, sie nach jahrelangem kriegsbedingten Schulausfall zu integrieren", fügte Jens Strube an.

Sehr intensiv wurde der Tagesordnungspunkt "Prioritätenliste zur Entgegnung der Vernässung" diskutiert, die vom Stadtrat Mitte Dezember verabschiedet werden soll. Eine Liste mit 23 wichtigen Maßnahmen zum Absenken des Grundwassers und Beherrschen des Hoch- und Drängewassers hatten zuvor die Ortschaftsräte erarbeitet, die dabei von ortskundigen Fachleuten unterstützt wurden. Man hatte zwei Gruppen nördlich und südlich der Saale gebildet.

Danach hat "Priorität 1" der Abfanggraben parallel zur B246a. Es folgen ein Graben bei Zuchau und eine Verbindung vom Tornitzer Kiessee zum Landgraben. Die Mitglieder des Barbyer Ortschaftsrates möchten hingegen den Bau eines Qualmdeiches bei Tornitz auf Platz 1 sehen, damit das Drängewasser gar nicht erst in großer Menge in Richtung Barby/Pömmelte/Glinde fließt. Auch die Errichtung eines stationären Schöpfwerkes nahe Cargill wird von den Barbyern präferiert. Wenn beispielsweise in Wespen das Grundwasser durch Tiefbrunnen abgesenkt und über den Iritzer- und Landgraben Richtung Barby geleitet würde, müsste es eben auch ein Pumpwerk geben.

Die Barbyer Ortschaftsräte wissen um die heikle Bedeutung einer Rangliste, da jeder betroffene Ortsteil seine eigene Sicht auf die Dinge hat. Die Priorität der Maßnahmen muss nun in den Ortschaftsräten diskutiert werden, bevor der Stadtrat voraussichtlich am 11. Dezember die schwierige Aufgabe hat, zu entscheiden. Inwieweit die Vorhaben überhaupt (anteilig) finanziert werden können, steht auf einem anderen Blatt.