Schönebeck l Ein Gericht steht für ganz eigene Bilder: Verbrecher mit langen Gesichtern, Anwälte mit langen Roben, dicke Bücher mit Gesetzestexten auf den Schreibtischen. In den Räumen hinter den schweren Holztüren des Amtsgerichts Schönebeck entscheiden die Richter über die Zukunft der Angeklagten. Auch Sigrun Lehmann, die Direktorin des Amtsgerichts. Vor kurzem hat die Richterin eine Entscheidung gefällt, jedoch nicht über die zukünftigen Wege eines vermeintlichen Verbrechers, sondern für eine besondere Außenwirkung ihres Hauses. In die heiligen Hallen des Amtsgerichtes zieht wieder einmal die Kunst ein - möglich wird das durch die Zusammenarbeit mit dem bekannten Künstler Günter Zenker. Der Barbyer zeigt einen Teil seines Lebenswerkes. "Wir freuen uns über die Ausstellung. Sie ist klein, aber fein", sagt Lehmann im Volksstimme-Gespräch.

Am vergangenen Montag fand die Ausstellungseröffnung statt. Nach einer kurzen Ansprache durch Lehmann und Zenker konnten die Besucher die Kunstwerke bei einem kleinen Rundgang besichtigen. Im Beisein von Tochter Katharina Zenker, Sigrun Lehmann und Oberbürgermeister Bert Knoblauch sowie zahlreichen Gästen sprach der Künstler dabei auch selbst über Ideen oder Konzepte der malerischen Darbietungen. Nachdem ein Teil des künstlerischen Schaffens Zenkers seit geraumer Zeit im Haus der Schönebecker Stadtwerke bestaunt werden kann, sollten die Bilder eigentlich im Schloss in Barby ausgestellt werden, was im Moment aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist. Nun ist mit der Teilausstellung im Gerichtsgebäude vorerst ein neuer Platz für einige Werke gefunden. Dort hängen derzeit und mindestens für die nächsten sechs Monate 14 Gemälde und Drucke des Künstlers.

Auch ein Querschnitt durch das Künstlerleben Zenkers

Eine Besonderheit der Ausstellung ist, neben dem Querschnitt durch das künstlerische Leben und Schaffen, die Themenvielfalt der Bilder. "Ich habe für jedes Werk eigene Themen aufgegriffen, die mich interessieren und die für mich im Fokus meines Denkens stehen", sagte Günter Zenker. Oft gehe es in den Motiven um seine Sorgen und Zweifel an den Veränderungen von Mensch und Natur. "Die Entwicklung und der Umgang der Menschen mit ihrer Umwelt und Natur beschäftigen mich schon sehr lange", erzählt der 80-jährige Künstler.

In seinen Bildern sind auch Mythen und Sagen aufgegriffen, die er malerisch aufbereitet und verarbeitet. Besonders anzumerken ist diese persönliche Themenauswahl in einem Bild, das seine Reiseerfahrung in die arabische Welt widerspiegelt. Dazu erzählt der freischaffende Künstler gern und ausführlich aufregende Geschichten, die er damit verbindet.

Denn der 80-jährige Jubilar aus Barby blickt auf eine lange und bewegte Lebensgeschichte zurück. Diese führte ihn unter anderem vom Dachdeckerlehrling über einen Zeichenzirkel zum Kunsterzieher, der sogar an der Schönebecker Karl-Liebknecht-Schule unterrichtete. Auch im Kulturbereich Barbys und als Leiter des ehemaligen Kreismuseums Schönebeck in Bad Salzelmen war er tätig. Die größte künstlerische Aufmerksamkeit widmete er jedoch dem "Prinzesschen" in seiner Heimatstadt Barby, um das er sich seit 1959 liebevoll kümmert und Ausstellungen nationaler und internationaler Künstler darin organisieren konnte.

Immer wieder wurde Zenker mit gesundheitlichen Rückschlägen konfrontiert, doch stets meisterte und nutzte er sie für Neuanfänge, auch der künstlerischen Art. Ein langes Leben mit, von und für Kunst und Kultur, dass sich nun zum Teil im Amtsgericht bestaunen lässt.