Ranies l Geld wird die Stadt für den Hochwasserschutz in die Hände nehmen. Zumindest wenn es nach Olaf Godlofski geht, der verantwortlich ist für den Stab außergewöhnliche Ereignisse in der Stadtverwaltung. Zu seinem Aufgabengebiet gehört auch die Wasserwehr der Stadt. Und genau für diese Institution soll eine Investition getätigt werden. "Wir wollen 2015 zwei Container anschaffen", informiert Godlofski im Ortschaftsrat Ranies am Dienstagabend.

Container klingt sicher nicht spannend. Bei näherer Betrachtung ist das aber keine unwesentliche Information. Hintergrund ist, dass seit dem Hochwasser im Juni 2013 die Wasserwehr, die für das gesamte Stadtgebiet zuständig ist, einen regen Zuwachs verzeichnen kann. Vor allem aus den ostelbischen Ortsteilen ist der Zulauf groß. Allein aus Ranies haben sich acht Bürger gefunden. Pretziener sind der Wasserwehr ebenso beigetreten. Und mit Plötzkyer Interessenten werden noch Gespräche geführt.

Damit die ostelbischen Mitglieder, wenn sie in Plötzy, Pretzien oder Ranies im Einsatz sind, auch die entsprechende Technik zur Verfügung haben, will die Stadt drei spezielle Container vorhalten. Denn die Wasserwehrtechnik wird grundsätzlich im Stadtgebiet selbst gelagert.

"Dank dieser Container können wir eine Vielzahl von Technik auf einen Schlag nach Ostelbien transportieren", erklärt Olaf Godlofski. Ein Container mit einem Volumen von 30 Kubikmeter sei bereits vorhanden, er steht derzeit auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Tischlerstraße. Zwei weitere sollen folgen. "Die Anschaffung planen wir für 2015", informiert Godlofski weiter im Ortschaftsrat.

Gleichwohl macht der Stadtmitarbeiter deutlich, dass es keine Regelungen gibt, wie eine Wasserwehr ausgestattet sein muss - im Gegensatz zu Feuerwehren. Demzufolge sei jede Kommune mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Das gilt auch für die Finanzierung. Obwohl das Vorhalten von Feuerwehr und Wasserwehr eine Pflichtaufgabe für die Kommune Schönebeck ist, so ist die Finanzierung unterschiedlich geregelt. Die Brandbekämpfer unterstehen dem Innenministerium. Die Wasserwehr wiederum obliegt allein der Stadt und hängt damit auch vom städtischen Etat ab.

Trotz der schwierigen Haushaltslage habe es Schönebeck aber geschafft, "eine gute Wasserwehr aufzustellen", sagt Ortschaftsrat Michael Nickel. Er ist einer der acht Ranieser, die inzwischen neu der Wasserwehr beigetreten sind. Beim Runden Tisch der Wasserwehren im Land Sachsen-Anhalt habe er die Schönebecker Wehr mit anderen im Land vergleichen können. "Wir sind nicht optimal ausgestattet, aber andere sind mieser dran", sagt er. Darauf sagt Olaf Godlofski: "Wir legen die Hände nicht in den Schoß."

Indes beschäftigt die Ranieser Ortschaftsräte ein anderes Thema noch mehr. Ihnen geht es darum, dass sie im Falle eines Hochwassers nicht unbedingt irgendwo im Stadtgebiet eingesetzt werden wollen. Sie wollen ihren Ortsteil schützen. Deshalb kritisiert Ortschaftsrat und neues Wasserwehrmitglied Mathias Krause, dass in der überarbeiteten Satzung der Wasserwehr, die am 18. Dezember vom Stadtrat beschlossen werden soll, nur die Bezeichnung "wohnortnaher Einsatz" steht.

Den Raniesern geht das nicht weit genug. "Wir wollen das besser geklärt haben", sagt Krause. Dazu sagt Olaf Godlofski, dass der Begriff sicher recht dehnbar formuliert sei. Jedoch könne nicht festgeschrieben werden, dass die Ranieser ausschließlich in Ranies zum Einsatz kommen. "Wir sind schließlich eine Wasserwehr für ganz Schönebeck", appelliert er an die Ortschaftsräte und Ranieser im Allgemeinen. Er führt zudem ein Beispiel an: "Wenn in Felgeleben ein Oberflächenwasserproblem herrscht, wobei die Ranieser eindeutig nicht betroffen sind, und die Wasserwehr gerufen wird, dann werden auch die Ranieser alarmiert", zeichnet er ein Szenario. "Es besteht für die Ranieser also kein Einsatz in ihrem Ort, deshalb würden sie in diesem Fall nicht wohnortnah eingesetzt werden", erklärt er und begründet damit die schwammige Bezeichnung in der Wasserwehrsatzung.

Diesem Beispiel kann Michael Nickel folgen. "Wir werden alle gerufen, also können wir auch alle den Einsatz fahren", sagt er.

Eine weitere Nachfrage die Satzung betreffend stellt Mathias Krause. "Wo wird die Wasserwehr in Ranies beim Hochwasser sitzen?" Dass die regulären Übungsstunden der Ehrenamtlichen im Vereinshaus in der Tischlerstraße stattfinden, sei klar. Er wünscht sich aber einen festgelegten Ort innerhalb von Ranies für den Ernstfall, so dass die Bürger dann wissen, wo ihre Ansprechpartner zu finden seien. Stadtmitarbeiter Olaf Godlofski hat die Hinweise angenommen. Inwiefern sie in die Satzung eingearbeitet werden, steht am Dienstagabend aber offen. Deshalb enthielten sich alle vier Ortschaftsräte ihrer Stimme.