"Entschlammung Alte Sorge Pretzien" ist der Titel einer umfangreichen Maßnahme am alten Elbarm. Doch dahinter steckt mehr: Es geht um den Erhalt eines einzigartigen ökologischen Habitats. 650 000 Euro hat alles gekostet.

Pretzien l "Als Gewässer ist die Alte Sorge ökologisch hochwertvoll", sagt Konrad Spiegler. "Sie liegt in einem wichtigen Naturschutzgebiet, bietet einzigartige Vegetationsmöglichkeiten für Pflanzen, Entwicklungs- und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere", so der Planer der Maßnahme "Entschlammung Alte Sorge Pretzien". Außer Frage steht für ihn, dass etwas gemacht werden musste.

Denn die Alte Sorge verlandete zusehends. Durch Laub und absterbene Wasserpflanzen hat sich Faulschlamm gebildet. Der sorgte vor allem in den Sommermonaten dafür, dass die Wasserqualität sank, Fische zu wenig Sauerstoff hatten und starben. Hinzu kam diffuser Nährstoffeintrag durch die Luft sowie durch die landwirtschaftliche Nutzung der angrenzenden Flächen. Das förderte wiederum den Pflanzenwuchs. Kurzum: Die Alte Sorge wurde zum Sorgenkind in Pretzien.

Nach mehreren Anläufen 2010 und 2012 ist es in diesem Jahr gelungen, dass Areal in seinen Ursprungszustand zurückzuversetzen. In dem alten Elbarm, der früher zum Pretziener Steinhafen führte und bei Schiffern wegen seiner Manövrierherausforderungen "Sorge" genannt wurde, steht wieder Wasser. "Ziel war es, die ökologische Durchgängigkeit wieder herzustellen", sagt Planer Konrad Spiegler. Es habe keine Neubaumaßnahmen gegeben, sondern der Ist-Zustand ist wieder hergestellt. Lediglich 100 Strauchweiden wurden gepflanzt.

Ein auf Wasserbau spezialisiertes Unternehmen hat insgesamt 25 000 Kubikmeter Faulschlamm aus den drei Gewässerabschnitten (Kasten) gebaggert und fachgerecht entsorgt. Das habe spürbare Auswirkungen, so Konrad Spiegler. "Mit der Beseitigung des Schlamms wird die Wasserqualität entscheidend verbessert." Weil ökologische Sperren beseitigt seien, verändere sich die Gewässerdynamik, alles kann ganzjährig mit Sauerstoff versorgt werden. Neben der "Durchflusszone" quasi als Lebensader für die Sorge seien auch beruhigte Flachwasserzonen entstanden. "Insgesamt seien so günstige Voraussetzungen für eine floristische und faunistische Stabilisierung und Entwicklung des Gebietes geschaffen."

Während der Bauarbeiten wurde Kritik geübt, weil das Wasser abgepumpt wurde und Fische dabei auf der Strecke blieben. Insgesamt bestätigen Untere Umweltbehörde im Landkreis und das Städtische Amt für Umweltkoordination aber, dass es bei jedem Bauschritt enge Absprachen mit den Behörden gegeben habe. Zustimmung für die Maßnahme ab Sommer gab es auch deswegen, weil gerade vorher viele Fische starben und das besondere Areal einzugehen drohte.

Alles hat 650 000 Euro gekostet. Im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie Fördern EU und Land Sachsen-Anhalt alles zu 100 Prozent - Der Ehle/Ihle-Verband ist Träger.