Zwischen den alten Deichwachthäusern Lödderitz und Kühren haben Wildschweine die Deichoberfläche umgepflügt. Entspannung erhofft man sich durch die Herbstdrückjagd, die heute stattfindet. Aber wird die Dezimierung des Schwarzwildbestandes ausreichen?

Lödderitz l Heute Vormittag sind die Wälder östlich von Lödderitz für Unbefugte tabu. Der Landesforstbetrieb lädt zur jährlichen Herbstdrückjagd ein. Wenn es ab 12 Uhr "Hahn in Ruh" heißt, danach kein Schuss mehr fällt und die Jäger und Treiber sich sammeln, wird die Strecke auf dem Lödderitzer Festplatz gelegt. Jäger und Helfer transportieren dann das Wild aus dem Wald, was bei kapitalem Rot- und Schwarzwild eine überaus schweißtreibende Angelegenheit sein dürfte.

Neben den Waidmännern hoffen besonders die Bevölkerung von Lödderitz und auch der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) auf das Jagdsignal "Sau tot". Denn die Wildschweine sind zur Plage geworden. Im Lödderitzer Forst haben sie den Deich auf fast fünf Kilometern Länge aufgewühlt (die Volksstimme berichtete).

Der in Lödderitz wohnende Barbyer Stadtrat Ingolf Fietz machte erst auf der jüngsten Bauausschusssitzung erneut auf dieses Übel aufmerksam: "Wenn das nächste große Hochwasser kommt, ist die Katastrophe vorprogrammiert."

Nach der Flut 2013 starben auch im Biosphärenreservat viele große Bäume reihenweise ab. Was zur Folge hat, dass sich Büsche, wie Schwarzdorn, immer mehr breit machen. Sie bieten dem Schwarzwild eine gute Deckung. "Deren Bestand wird auch eine Drückjagd pro Jahr nicht wesentlich beeinflussen können", winkte der Lödderitzer ab.

Während die vom Landesforst betreuten Bereiche aufgeforstet werden, geschieht das in der sogenannten Prozessschutzfläche (Kernzone im Biosphärenreservat) nicht. Hier soll sich die Natur selbst helfen. Forstfachleute befürchten aber, dass damit die "Verbuschung" zunimmt, weil erforderliche Pflegemaßnahmen bei der Aufzucht von Eichen, Eschen, Erlen oder Linden unterbleibt. Wodurch die Deckung für das Schwarzwild in der Kernzone immer besser wird.

Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz kann nicht viel tun. Laut Flussbereichsingenieur Roland Günther gebe es kaum eine effektive Möglichkeit, das Schwarzwild an seiner nächtlichen Wühltätigkeit zu hindern.

Die Deichoberflächen können vom LHW nur geebnet werden, in der Hoffnung, dass wieder eine dichte Rasendecke entsteht. Was in der kalten Jahreszeit aber kaum geschieht.

Nach Einschätzung des LHW würde bei "normalen Hochwassern" keine Gefahr für die aufgewühlten Deichabschnitte bestehen. Wohl aber, wenn es wieder so wie 2002 oder 2013 kommt.

In jenen Katastrophenjahren zählte der Abschnitt zwischen Breitenhagen und Aken zu den neuralgischen Punkten, wo der Deich überströmt wurde und zu brechen drohte.

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