Ein wahrhaft historischer Moment in der 1078-jährigen Calbenser Stadtgeschichte: Gleich vier Glocken wurden gestern Nachmittag feierlich in den Südturm der St.-Stephani-Kirche hinaufgezogen. Geht alles nach Plan, könnte ein Teil des wertvollen Glockenschatzes zu Heiligabend hoch über den Dächern der Saalestadt erklingen.

Calbe l Es ist die erste Glockenweihe für die meisten der zahlreichen Gäste gewesen, die sich gestern Nachmittag trotz eisigen Windes auf dem Kirchplatz vor der St.-Stephani-Kirche einfanden. Selbst für Jürgen Kohtz ist es in seiner langjährigen Tatigkeit als Pfarrer ein Novum. Dem Geistlichen lag in seiner Ansprache besonders die neue Friedensglocke am Herzen, die er kurz zuvor weihte. Ihre Inschrift "Nulla salus bello, pacem te poscimus omnes" - "Kein Heil ist im Krieg, Frieden fordern wir alle von dir" sieht der 59-Jährige angesichts zahlreicher Krisenherde auf der Welt - von Syrien über den Irak bis hin zur Ostukraine - als stetig klingende Mahnung. "Sie wird sich mit ihrem Klang jeden Tag auch gegen schlimme Dinge wie sogenannte Heilige Kriege stellen", meint Kohtz. Vielleicht trägt der 504 Kilogramm schwere Bronzekoloss auch ein wenig dazu bei, den täglichen Frieden im kleineren Maßstab, vielleicht schon innerhalb der Stadt, zu fördern.

Schließlich war es Bürgermeister Sven Hause vorbehalten, im Beisein von Superintendent Matthias Porzelle und zahlreichen Stadträten im Publikum den ersten Ton der Glocke anzuschlagen. Begleitet von Klängen des Posaunenchors wurde die Glocke anschließend zum bekannten Lied "Tochter Zion" an einem Drahtseil in den Südturm der Kirche hinaufgezogen. Dort ist sie nun mit Abstand die jüngste der Glocken. Ebenfalls feierlich hinaufgezogen wurde eine 620 Kilogramm schwere Glocke aus dem 13. Jahrhundert, die bislang im Kirchenschiff abgestellt war und für den Nordturm bestimmt ist. Hoch hinauf ging es zudem für eine 850 Kilogramm schwere, geschweißte Glocke aus der Mitte des 14. Jahrhundert und ein 75 Kilogramm schweres Exemplar aus dem Jahr 1586, die mit der Friedensglocke im Südturm eingehangen und ein Dreiergeläut bilden werden. "Wir liebäugeln damit, dass es erstmals an Heiligabend erklingen wird", sagt Gemeindekirchenratsvorsitzender Mathias Hille. "Es ist schon ein beeindruckender Moment, genau wie der eigentliche Glockenguss", sagt Kirchenratsmitglied Liane Hilfert, die bei der Entstehung in Karlsruhe mit dabei war. "So etwas erlebt man vielleicht nur einmal im Leben."

   

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