Ist es einfach nur ein Geschenk? Oder steckt dahinter gar eine Botschaft? Am Montagmorgen wurde beim Abbau der großen Weihnachtspyramide plötzlich eine unbekannte Figur entdeckt. Auf einem der Drehteller hockt ein afrikanisches Kind mit einem Korb auf dem Rücken.

Calbe l "Was ist denn das?", fragt sich Heinrich Kuhnert und stemmt die Hände in die Hüften. Der Calbenser rückt seine Brille zurecht und nimmt die sich drehende zweite Etage der Pyramide ins Visier. "Den habe ich ja noch nie gesehen", staunt der Handwerker und blickt zu einem afrikanischen Kind, das inmitten der bekannten Figuren hockt. Dessen dunkle Hautfarbe bildet zum Schneefall einen starken Kontrast. Auf die Frage, woher der unbekannte "Zuwanderer" kommt, kann Heinrich Kuhnert nur die Schultern zucken. "Aber er passt gut dazu", sagt er angesichts der Holzgestaltung und Proportionen.

Nachfrage bei Dieter Tischmeyer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden (IGG), die vor 15 Jahren die Calbenser Weihnachtspyramide als Gemeinschaftswerk von Handwerkern, Künstlern und Sponsoren aus der Taufe hob: "Ich muss zugeben, ich habe nicht die leiseste Ahnung. Aber besser so, als wenn uns Unbekannte eine Figur stehlen", sagt Tischmeyer.

Seine Herkunft bleibt also vorerst völlig im Dunkeln, Asyl wird dem Kleinen in Calbe auf jeden Fall gewährt. Steckt hinter der Aktion von Unbekannten angesichts schwelender Diskussionen um Nutzen oder Schaden von Zuwanderung eine klare Botschaft? Oder handelt es sich anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Weihnachtspyramide um das Geschenk eines Sponsors, der nicht erkannt werden will?

Sicher ist jedenfalls, dass die Weihnachtspyramide heute wieder abgebaut wird. Danach muss sie an einigen Stellen in Stand gesetzt werden, stellte die Handwerkerrunde (als damalige Erbauer) fest. Der Zahn der Zeit hat bereits genagt. Einzelteile werden nun zur Reparatur in Werkstatträumen zwischengelagert und von Calbenser Fachleuten begutachtet. "So sind unter anderem die Überprüfung der Beleuchtungsanlage und der Elektrotechnik sowie der Dach- und Fußkonstruktion vorgesehen", kündigt Tischmeyer an. Zudem sollen die Lampenhalterungen geprüft und Holz- beziehungsweise Farbkonservierungsarbeiten vorgenommen werden. Ab Frühjahr beginnen die Arbeiten, damit die große Pyramide auch in den kommenden Jahren zur Weihnachtszeit auf dem Marktplatz erstrahlt. "Neben ehrenamtlichen Leistungen wird natürlich auch einiges zu finanzieren sein", weiß Tischmeyer. Deshalb sei die IGG sehr froh über bereits eingegangene Spenden, die jetzt für die Restaurierung genutzt werden.

"Besonderen Dank an die Salzlandsparkasse, die einen Scheck von 500 Euro in der Vorweihnachtszeit an die IG und die Stadt überreichte", sagt IG-Mitglied Olaf Kriebel, der sich für die Spende im Vorfeld eingesetzt hatte.

 

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