Was wird aus der Brache alter Fabrikhof Barby? Seit Jahren gibt es immer mal wieder Bekundungen, das innerstädtische Areal zu bebauen. Jetzt signalisierte ein Investor erneut Interesse, der vor zehn Jahren schon mal die Pläne für ein Seniorenheim vorlegte.

Barby l Wie in einer der jüngsten Bauausschusssitzungen mitgeteilt wurde, stand der Interessent nach zehn Jahren erneut auf der Rathausmatte, der den Fabrikhof bebauen möchte. Sein Vorhaben steht unter der Überschrift betreutes Wohnen mit Demenzabteilung.

Es wäre nicht der erste Versuch, diesen attraktiven Baufleck zwischen Schloss und Reha-Klinik zu "revitalisieren".

Wegen der bis heute anhaltenden Kritik, dass die Stadt Barby kaum Flächen zur Eigenheimbebauung vorhalten kann, rückte der Fabrikhof 2011 erneut in den Fokus, als man von dem Seniorenheim-Investor nichts mehr hörte. Damals ließ ein Förderprogramm Hoffnung aufkeimen. Es trug die griffige und generationsübergreifende Bezeichnung "Barby von 0 bis 100". Die Stadt sah Chancen, dass ihr finanziell unter die Arme gegriffen werden könnte.

Mit Bund-Länder-Finanzhilfen sollten kleinere Kommunen in dünn besiedelten, ländlichen und von Abwanderung bedrohten sowie vom demografischen Wandel betroffenen Räumen bei der Beseitigung gebietsbezogener "städtebaulicher Missstände" unterstützt werden. Dafür stellten Bund und Land 3,6 Millionen Euro zur Verfügung. Die Stadt fasste den Fabrikhof direkt hinter dem Elbedeich sofort als Eigenheimgebiet ins Auge. "Hier würde ein Abriss erfolgen, nur wenige denkmalgeschützte Gebäude, wie der Wasserturm, würden stehen bleiben", hieß es 2011.

Doch Monate später, im Februar 2012, wurde der Barbyer Antrag vom Land abgelehnt. Damit fiel der Fabrikhof erneut in seinen Dornröschenschlaf.

Markantestes Bauwerk des Hofes ist der Wasserturm des Rittergutes, der Mitte der 1920er Jahre errichtet wurde. Im Stadtarchiv lagernde Bauunterlagen tragen die Jahreszahl 1926.

In den 1970er Jahren erfüllte der Turm mit dem roten Achteckdach die Funktion eines "Kulturturms". Zu Rittergutszeiten befand sich am Fabrikhof eine Tankstelle. Betreiber war Oskar Ludwig, der gleichzeitig als Fahrer im gegenüber liegenden Gut tätig war.

Fabrikhof heißt das Gelände deswegen, weil sich dort eine Zuckerraffinerie und eine Schnapsbrennerei befanden. Beide wurden zu Zeiten des Rittergutes gegründet und später in Volksgutregie weiterbetrieben. Jährlich destillierte man 1500 Hektoliter 86- bis 92-prozentigen Alkohol.

Bilder