Derzeit leben 27 Asylsuchende in der Saalestadt, aber schon bald werden weitere dazu kommen. Grund genug für eine hochkarätig besetzte Delegation, gestern im Friedrich-Schiller-Gymnasium offensiv über das Thema Integration zu informieren. Von den Jugendlichen erhofft sie sich aber auch konkrete Unterstützung vor Ort.

Calbe l Es muss nicht immer gleich eine andere Nation sein, wenn es um Vorbehalte gegenüber Menschen geht. "Schön zu sehen, dass auch Politiker ganz normale Menschen sind", sagte Petra Klemm mit einem Augenzwinkern.

In Calbe leben Asylsuchende im Stadtgebiet verteilt

Die Sozialkundelehrerin lobte die Initiative von Bürgermeister Sven Hause, der Mädchen und Jungen aus zehnten und zwölften Klassen im Friedrich-Schiller-Gymnasium zu einer Gesprächsrunde mit denjenigen einlud, die sich mit der Integration von Asylsuchenden intensiv beschäftigten. "Ich möchte offensiv und transparent mit dem Thema umgehen", erklärte Hause. "Dazu möchte ich auch eure Meinungen hören", ermunterte Hause zur Diskussion.

Er informierte, dass bislang vier Familien aus Albanien, zwei aus Syrien und eine Familie aus Indien in Wohnungen der Calbenser Wohnungsbaugesellschaft (CWG) eine Bleibe gefunden haben. "Ab Februar werden wir zu den bislang sieben Wohnungen weitere acht an Asylsuchende vergeben", informierte Hause.

Ines Golenia, Fachdienstleiterin für Asyl- und Ausländerrecht im Salzlandkreis, ordnete die Zahlen für den Landkreis ein. Demnach finden aktuell rund 400 Asylbewerber in 90 Wohnungen im Salzlandkreis eine Unterkunft. "Nicht nur in Wohnungen, auch in Gemeinschaftsunterkünften, die von der Arbeiterwohlfahrt betrieben werden", erklärt Golenia.

Susi Möbbeck, Integationsbeauftragte von Sachsen-Anhalt: "Im Jahr 2014 kamen 6600 Flüchtlinge zu uns ins Land, die Hälfte aus Syrien." Wer Bilder aus ihrer Heimat gesehen habe, erkenne, dass eine Rückkehr vorerst ausgeschlossen sei.

Petra Grimm-Benne, parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion im Landtag, stellte in der Diskussion menschliche Empfindungen in den Vordergrund. "Wenn sie zu uns kommen, kennen die meisten unsere Sprache nicht, sie kennen das Land nicht, sie kennen nicht einmal unsere Jahreszeiten. Wie muss sich ein Mensch da fühlen und wie können wir ihnen entgegenkommen?"

Die Erfahrung vieler Gymnasiasten zeigte, dass die Sprachbarriere die größte Hürde dabei ist. "Bei der Fahrschule saß ein Junge, der keine einzige Frage beantworten konnte, da er schlichtweg kein Deutsch konnte", berichtet Schülerin Viviane Schulze.

Tatsächlich seien mangelnde Sprachkenntnisse eine der größten Probleme bei der Integration, erklärte Susi Möbbeck. Flüchtlinge, die noch kein Bleiberecht haben, haben bislang auch kein Recht auf vom Staat finanzierte Sprachkurse.

Landrat Markus Bauer (SPD) schilderte den Fall einer Familie, die wegen Unkenntnis der Sprache aus Angst zwei Wochen lang nicht ihre Wohnung verließ. Er schlug den Schülern vor, ausländischen Jugendlichen als Sprach- oder Sozialpaten zur Seite zu stehen. Ein Vorschlag, der bei den Schilleranern sofort auf offene Ohren stieß. Einige wollten gleich die Patenschaft für Familien übernehmen. "Da könnten beide Seiten mit Blick auf die Sprache profitieren", sagte Zehntklässlerin Trung Anh.

Im anschließenden Gespräch mit Calbes Gemeinwesenkoordinatorin Anne Schüler und CWG-Chefin Kornelia Eichel im Rathaus wurde vereinbart, dass im Sozialen Netzwerk Calbe eine neue Arbeitsgruppe gebildet wird, zu der auch Schilleraner um Lehrer Stefan Lehnhardt mit hinzugezogen werden. Einzelne Aktivitäten in diesem ehrenamtlichen Sektor könnten voraussichtlich aus einem neuen Fördertopf der Integrationsbeauftragten unterstützt werden.

   

Bilder