Barby l "Wie so oft versuche ich, einiges herauszufinden", schreibt der Barbyer Matthias Hilbig in seiner Mail, der er ein Satellitenbild angehängt hat. "Dank Google Earth sieht man heute noch sehr schön, wo die Saale früher mal lang floss", stellt Hilbig fest. Was besonders bei erhöhten Grundwasserständen der Jahre 2010/2011 für jedermann sichtbar wurde. Oder sich offenbart, wenn man in ein Flugzeug steigt. Matthias Hilbig, der Architekt, markierte die historischen Saaleverläufe mit blauer Farbe.

"Vier Flüsse im Bereich von Barby: Taube, Nuthe, Saale und Elbe. Das müsste man eigentlich touristisch vermarkten."

"In Teilen sind ja einige dieser alten Flussläufe noch heute vorhanden", weiß Hilbig. Das betrifft zum Beispiel den Barbyer Landgraben, der sich immer mal wieder aufweitet. Am meisten nimmt er als Colphuser See in Barby Flusscharakter an. Fachleute bezeichnen diesen Saalearm als "Grizehner Graben". Nach Karten des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) begann er in Höhe des ehemaligen Calbenser Eisenwerkes, tangierte den Bahnübergang Calbe (Ost), schlängelte sich an Wespen vorbei, um nördlich von Barby in die Elbe zu münden. Das sei etwa am Gnätz geschehen, wo sich heute die Elbbrücke befindet.

Doch die Karte von Matthias Hilbig lokalisiert die Saalemündung bei Glinde. Was plausibler klingt, da der Landgraben ja die geschrumpfte Saale markiert und eben da in die Elbe fließt.

Auf dem Weg vom Barbyer Colphus bis Glinde bringt sich der "Geisterfluss" besonders am Düsteren Sumpf (nahe Maxit) und der "Glinder See" mit Imposanz in Erinnerung. An dessen Ende stand die Glinder Burg, die vermutlich von einem gefluteten Wallgraben am Saaleufer gesichert war.

Ein zweiter Flusslauf wird auf dem Satellitenbild etwa zwei Kilometer südlich von Barby auffällig. Hier liegen die Bayerische Bierlache, der "Sumpf" unterhalb des Wachturms "Prinz" und die Alte Elbe am "Eichelwald" in einer Linie. Fazit: Auch hier mündete einmal die Saale einer anderen Zeitepoche in die Elbe. Überhaupt sind zahlreiche Altarme auf Luftbildern zu erkennen. Sie zeigen ein regelrechtes Flussdelta im Saale-Mündungsgebiet, das bei großen Hochwassern in Erscheinung tritt.

"Eine große Veränderung hat die Stromteilung vor rund tausend Jahren mit sich gebracht", weiß Christian Jung, Flussbereichsleiter im LHW. Nach seinen Erkenntnissen verlagerte die Elbe 1020 ihr Bett. Bis dahin floss sie weiter östlich. Der Flötzer-/Gödnitzer-/Prödler See sowie die Schleife unterhalb des Dornburger Schlosses markieren diese Linie noch heute. Im weiteren Verlauf sind Plötzky, die Haberlandbrücke und Pechau markante Punkte. Vor tausend Jahren war Schönebecks größtes Fließgewässer übrigens der Röthegraben, weil die Elbe ja einige Kilometer weiter östlich verlief.

"Es wird ein riesiges Hochwasser gegeben haben, das die Elbe nach Westen drängte", meint Christian Jung. Zum Hauptstrom sei der neue Lauf, den die Schönebecker plötzlich vor der Tür hatten, aber erst in den folgenden Jahrhunderten geworden. "Er hat sich immer mehr eingegraben. Das Gelände liegt tiefer, als am Hang bei Dornburg." Manifestiert wurde der Flussverlauf dann durch Deich- und Buhnenbauten im 18. und 19. Jahrhundert.

"Vier Flüsse im Bereich von Barby: Taube, Nuthe, Saale und Elbe. Das müsste man eigentlich touristisch vermarkten", hebt Matthias Hilbig das Thema auf eine ganz andere Ebene.

Für pfiffige Werbestrategen wäre das ein hervorragender Ansatz. Doch in Zeiten von Haushaltskonsolidierung und Millionen-Schuldenberg dürften einer Kommune wie Barby Kraft und Personal fehlen, um sich ordentlich zu vermarkten.

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