Calbe l Gerade haben sich die Kameraden im Feuerwehrdepot in der Arnstedtstraße in die Schlange zum Essen eingereiht. Nach dem offiziellen Teil der Jahreshauptversammlung wollen die Blauröcke den Abend in gemütlicher Runde ausklingen lassen. Doch es kommt anders. Kurz vor 21 Uhr schrillen plötzlich die Pieper. "Wieder die Große Mühlenbreite", sagt Ortswehrleiter Uwe Wirth mit fassungslosem Blick auf die Mitteilung der Leitstelle. Sofort setzt sich die Calbenser Bereitschaftsgruppe mit Sirenengeheul in Bewegung.

"Das darf doch nicht wahr sein. Nicht schon wieder."

Bereits zum fünften Mal in diesem Jahr rücken die Kameraden zu Bränden in der Großen Mühlenbreite aus. Am Freitag kommen nur wenige Minuten später Aktive aus Schwarz und Nienburg dazu, die während der Versammlung für die Calbenser die Absicherung übernehmen. Schon von Weitem ist ein heller Feuerschein in der Nacht auszumachen. Eine leere Laube inmitten der Kleingartensparte Wochenend steht lichterloh in Flammen. Die 42 Blauröcke gehen routiniert vor, heben das verschlossene Eingangstor aus den Angeln, rollen Schläuche aus, rücken rund 160 Meter kontrolliert durch das Dunkel zum Brandort vor. Der Schwarzer Ortswehrleiter Stefan Ede koordiniert als Einsatzleiter das Vorgehen.

Mittlerweile haben sich Passanten am Einsatzort versammelt, die ungläubig den Kopf schütteln. "Das darf doch nicht wahr sein. Nicht schon wieder", ist aus der Menge zu hören. Die Laube brennt komplett aus, ein Übergreifen der Flammen auf Nachbarparzellen kann durch die Umsicht und das Geschick der Feuerwehrleute verhindert werden. Eigentlich unglaublich: In der Gartenanlage brannte es in 2015 bereits schon drei Mal (die Volksstimme berichtete). Personen kommen nicht zu Schaden.

Nach fast anderthalb Stunden hat der Spuk ein Ende. Die Einsatzkräfte gehen erneut von Brandstiftung aus.

"Ermittlungsbehörden müssen aktiver werden."

Die Polizei hält sich mit derlei Aussagen zurück. Astrid Kuchta, Leitende Einsatzbeamtin vom Dienst im Polizeirevier Salzlandkreis, verweist auf die laufenden Ermittlungen. "Wir verfolgen Spuren, wollen aber den Ergebnissen der Untersuchungen nicht vorweggreifen", so die Polizeioberkommissarin. Sie berichtet, dass Freitagabend auch ein Fährtenhund im Einsatz gewesen ist. Er wurde eigentlich im Fall des Supermarktraubes (Beitrag rechts) angefordert. "Hier konnte er keine Fährte aufnehmen. Für den Brand wäre aber trotzdem auch ein Fährtenhund angefordert worden", so Astrid Kuchta. Beobachtern zufolge soll das Tier angeschlagen und die Ermittler zu einer Wohnung geführt haben. Hier lebt ein Mann, den die Polizei schon einmal als Verdächtigen ins Visier genommen hatte. Astrid Kuchta bestätigt das gegenüber der Volksstimme nicht.

Bei den Calbensern wächst die Ungeduld, weil die Polizeiarbeit offenkundig keine Erfolge zeigt. Auch Feuerwehrchef Uwe Wirth fordert, dass etwas passiert. "Die Ermittlungsbehörden müssen aktiver werden", sagt er im Volksstimme-Gespräch und meint neben der Polizei auch die Staatsanwaltschaft. "Die Sache darf nicht weiter so ablaufen. Das ist wie ein Katz`-und-Maus-Spiel."

Uwe Wirth macht klar, dass dadurch nicht nur die Motivation der Kameraden auf eine harte Geduldsprobe gestellt werde. Es gehe auch darum, dass Menschen ernsthaft zu Schaden kommen können, denn der Feuerteufel habe es nicht nur auf Lauben, sondern auch auf Keller abgesehen. Von Aufrufen in den sozialen Netzwerken im Internet, eine Bürgerwehr aufzustellen, hält der Wehrleiter allerdings nichts. Schnell könne es die Falschen treffen, so Uwe Wirth.

Astrid Kuchta bestätigt, dass sich die Spezialtruppe im Polizeirevier Salzland, die sich mit den Bränden in Calbe beschäftigte, zwar aufgelöst habe, dass die Polizei aber trotzdem aktiv sei. Heute führt die Kriminalpolizei eine Brandortermittlung an der Laube durch. "Im Hintergrund wird vielen Hinweisen nachgegangen, all das und die Spuren müssen ausgewertet und miteinander verglichen werden. Da geht es darum, welche Handschriften die einzelnen Brände tragen. Die Ergebnisse müssten belastbar sein, kommt es zur Anklage", sagt die Polizeioberkommissarin und begegnet der Kritik.

Angesichts der Feuerattacke während der Jahreshauptversammlung kann sich Wehrleiter Uwe Wirth, der eine gezielte Aktion des Feuerteufels vermutet, einen gewissen Zynismus nicht mehr verkneifen: "Irgendwie war das auch schon klar, dass es so passieren muss."

 

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