Feuerwehr ist längst mehr als Brände bekämpfen. Die Kameraden aus der Schönebecker Tischlerstraße haben das bei jedem ihrer 118 Einsätze bewiesen. 2014 unter neuer Führung: Dirk Dietzmann ist seit einem Jahr Wehrleiter.

Schönebeck l "Das war ein ganz normales Einsatzjahr für uns, es gab glücklicherweise keine außergewöhnlichen Schadenslagen", sagt Dirk Dietzmann, Wehrleiter der Stadtteilfeuerwehr Schönebeck im Volksstimme-Gespräch am Rand der Jahreshauptversammlung.

"In jeder Situation müssen die Einsatzkräfte klarkommen."

Dennoch bedeute diese nüchterne Einschätzung nicht, dass die Feuerwehrleute sich zurücklehnen können. "Wir müssen immer gut ausgebildet sein, wir müssen die individuelle Herausforderung jedes Einsatzes beherrschen können." Blickt Dirk Dietzmann dabei in seine Reihen, wird ihm nicht bange. Im Gegenteil: Die Größte der Schönebecker Wehren sei sehr gut aufgestellt. Die Ehrenamtlichen haben ein modernes Gerätehaus, ein breites Technikspektrum, seien von Grund auf geschult.

Dass das Selbstverständlichkeit in der Tischlerstraße ist, hat mit dem persönlichen Engagement aller Kameraden zu tun, mit ihrer Bereitschaft, Zeit zu opfern und sich bei Dienstabenden zu qualifizieren. "Unerlässlich" findet der Chef der ehrenamtlichen Retter das.

Er ist selbst frisch zum Oberbrandmeister befördert worden und in den Reihen hinter ihm sieht es gut aus, was die Karrieren bei der Feuerwehr angeht. "Das Aufgabenspektrum ist sehr groß, besonders für eine so große Feuerwehr wie wir es sind."

Von den 118 Einsätzen im vergangenen Jahr waren 50 Brände und 68 technische Hilfeleistungen. Feuer gab es in Wohnungen, Kellern, Fahrzeugen oder auch von Brandmeldeanlagen gemeldet. Die Hilfeleistungen reichen in ihrem Spektrum von Türöffnungen über die Rettung von Verletzten aus verunfallten Autos bis hin zur Beseitigung von Ölspuren oder Sturmschäden und sogar eine Personenbergung von Bahngleisen und das Heben eines Autos aus der Elbe - glücklicherweise ohne Insassen.

"In jeder Situation müssen die Einsatzkräfte klarkommen", so Dirk Dietzmann. Dafür habe man sich 2014 bei 42 Dienstabenden geschult. Zusätzlich seien 30 der 54 Einsatzkräfte bei Aus- und Fortbildungen auf Stadt-, Kreis- und Landesebene dabei gewesen. Sicherlich mehr, als bei anderen Wehren, schätzt Dirk Dietzmann ein. "Bei uns gibt es für jeden Bereich Experten", sagt der Feuerwehrchef stolz. Und die Ehrenamtlichen könnten so auch Spezialgebiete abdecken wie den Gefahrengutwagen oder das Rettungsboot.

"Ich habe mich dieser Herausforderung sehr gern gestellt."

Auch wenn der Wehrleiter die Zahlen kompakt und übersichtlich präsentiert, für Dirk Dietzmann war 2014 ein besonderes Jahr - das erste als Chef der Tischlerstraßen-Truppe. Er hat die Führung aus den bewährten Händen von Manfred Grunert übernommen, der die Wehr zuvor zwölf Jahre geleitet hatte. "Das ist schon etwas Besonderes, die Organisation hier in so einem Haus und mit so vielen einzelnen Persönlichkeiten zu übernehmen. Aber ich wusste, welche Herausforderung mich erwartet. Ich habe mich dieser sehr gern gestellt, auch weil ich das Vertrauen meiner Kameraden in der Wahl zugesprochen bekommen habe. Und ich nehme diese Herausforderung jeden Tag gerne an", sagt Dirk Dietzmann.

Kompromissbereitschaft, Ausgeglichenheit und Freundlichkeit verhelfen ihm, seine Leute zu fordern und den Teamgeist zu fördern. Auch wenn das bedeute, noch mehr Zeit in das Ehrenamt zu investieren, so der 48-Jährige. Seine Familie unterstütze ihn und trage sein "größtes Hobby". Sein Sohn und seine Schwiegertochter sind Mitglieder der Einsatztruppe in der Tischlerstraße.

Apropos Familie: Dirk Dietzmann hat einen großen Wunsch. Er hat in seinem Bericht der Stadtwehrleitung und dem Rathaus vorgeschlagen, eine gemeinsame Jahreshauptversammlung aller Wehren der Stadt Schönebeck abzuhalten. "Wir stehen im Einsatz oft nebeneinander. Da wäre es doch richtig und auch schön, wenn wir die Auswertung zusammen vornehmen." Der Gedanke des Zusammenwachsens als Feuerwehr in Schönebeck könne so befördert werden. "Ich sehe uns alle zusammen als Feuerwehr, nicht nur uns hier in der Tischlerstraße. Ich bin auch überzeugt, dass es vielen hier so geht."

Ein schöneres Selbstverständnis von Ehrenamt im Sinne der ganzen Stadt kann es eigentlich nicht geben.

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