Welsleben l Schade, dass ein Besuch beim Zahnarzt doch meist recht schweigsam abläuft. Der Arzt muss sich auf seine Arbeit konzentrieren, der Patient auf das Offenhalten des Mundes. Wer um den Lebenslauf von Kay-Olaf Hellmuth weiß, hätte doch aber so viele Nachfragen ... Der 56-Jährige hat von 2007 bis 2012 in Schottland gelebt und gearbeitet. Ende des vergangenen Jahres hat er über diese Zeit ein Buch veröffentlicht "Meine lange Reise nach Schottland".

Es sei der Frust über die hiesige Bürokratie gewesen, der ihn habe darüber nachdenken lassen, Deutschland zu verlassen. Kay-Olaf Hellmuth stammt aus Hohenmölsen und hat dort gemeinsam mit seiner Frau eine Praxis betrieben. Nachdem der Gedanke, sich eine Deutschland-Auszeit zu nehmen, im Kopf war, schauten sie nach Alternativen. "Meine Frau hat dann im Zahnärzteblatt gelesen, dass in der schottischen Kleinstadt Keith ein Zahnarzt gesucht wurde. Wir waren vor vielen Jahren in Schottland im Urlaub, und es hat uns gefallen", erzählt er. Und plötzlich war sie da - die Möglichkeit. Ein Namibier, der sehr gut deutsch spricht, hatte einen Nachfolger für seine Praxis gesucht. Mails und Telefonate folgten. "Er ist ein sehr abenteuerlustiger Mensch, war lange in Schottland und wollte nun ganz raus. Er wollte sich ganz und gar seinem Hobby widmen, er fotografiert leidenschaftlich gern."

Kay-Olaf Hellmuth ist dann einfach hingefahren und hat sein Leben geändert - per Handschlag. "Kaum Bürokratie, ich brauchte mich um fast nichts zu kümmern. Ein Schlaraffenland", schwärmt er. Die Privatpraxis hatte er übernommen, ist fortan selbständiger Zahnarzt. Was er einnimmt, sei bei ihm geblieben. Nur einen bestimmten Prozentsatz habe er abgeben müssen.

Da das Zahnarztpaar nicht wusste, was es in Schottland erwartet, verließ erst einmal nur er Deutschland. Mit Dackeldame Odi. Übrigens ist sie auch die "Co-Autorin" des Buches. Nach eineinhalb Jahren hatte sich alles bestens eingespielt. Die Praxis lief. Und doch musste Kay-Olaf Hellmuth nach fünf Jahren seine Zelte in Keith abbrechen: "Eine schwere Erkrankung in der Familie und die Erkenntnis, dass für so etwas 2000 Kilometer zu weit entfernt sind, haben mich nach Deutschland zurückkehren lassen." Mittlerweile geht es seiner Frau besser.

Kay-Olaf Hellmuth hatte sich nach seiner Rückkehr entschieden, die Praxis von Burkhard Labs, der 40 Jahre in Welsleben praktiziert hat, zu übernehmen. Beide kennen sich über die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt.

Und wie kam es zum Buch? "Eigentlich ist das eine Reaktion auf die Reaktion der Leute", sagt Kay-Olaf Hellmuth und schmunzelt. "Es ist erstaunlich, wie viele Leute es toll fanden, dass ich den Schritt mache." Als er dann dort war, habe er sich vorgenommen, alles aufzuschreiben: Wie es dazu gekommen ist, dass er nun in Schottland ist. Wie es ihm dort ergeht. Wie Dackeldame Odi ihre neue Heimat erkundet. "Die erste Geschichte war eigentlich nur ein kleines Büchlein für Freunde. Doch sie haben dann immer wieder nachgefragt, ob ich denn nicht noch weiterschreiben will, ich bin doch so viel unterwegs und erlebe einiges", erzählt er. Und so sei eine Geschichte zur anderen gekommen, auch einige aus der Sicht des Hundes.

Sein Geschriebenes hat er gut aufbewahrt. Als er dann wieder in seiner Heimat Sachsen-Anhalt war, haben Freunde immer wieder nachgefragt. Sie wollten von ihm, Odi und ihrer Zeit dort lesen. Fast durchweg habe es nur positive Reaktionen gegeben, freut sich Kay-Olaf Hellmuth. Und er überlegt, daraus ein Buch werden zu lassen. Er schreibt noch Vorwort und Schlusswort, gibt es seinem bestem Freund mit der Bitte, es kritisch zu lesen. Dieser befand: Ab in den Druck damit! So ist es geschehen und nun veröffentlicht. Der Zahnarzt ist stolz darauf und glücklich, die Gelegenheit, in Schottland zu praktizieren, wahrgenommen zu haben. "Ich möchte die Zeit dort nicht missen."

Bei der Lektüre wird der Leser daran auch keinen Zweifel haben. Kay-Olaf Hellmuth erzählt in sehr persönlicher Weise, wie er nach Schottland gekommen ist, über Höhepunkte seiner Reisen im Schottenlande, aber auch über die Überraschungen, die den Vielreisenden beim Fliegen und Autofahren treffen können. Das Buch hält, was der Titel verspricht: "Meine lange Reise nach Schottland - Der etwas andere Reisebericht für Neugierige".

Das Buch kann im Handel bestellt werden unter der ISBN 978-3-95630-221-3 oder direkt in der Praxis.