Calbe l "Ich kann mir das auch nicht erklären, wieso ich als 87-Jähriger plötzlich anfange, Märchen zu schreiben", grinst Otto Plönnies spitzbübisch. Vielleicht liegt es daran, dass bei ihm zu Kindheitszeiten ein Defizit entstand? Der gebürtige Haldensleber gehört jener Generation an, die "hart wie Kruppstahl und flink wie Windhunde" sein sollte. Da blieb nicht viel Zeit für friedliche Poesie.

"Ich habe damals viel Sport getrieben", erinnert er sich. Aber die Eltern und Großeltern seien nicht gerade begnadete Märchenvorleser gewesen.

Aquarell und Bleistift

Otto Plönnies saß noch vor ein paar Jahren fast täglich in seiner Werkstatt, wo er der Holzbildhauerei nachging. Dort entstanden auch die eichenen Figuren der riesigen Calbenser Weihnachtspyramide, die das Jahr über den Rathausflur adeln und Calbenser Berufsbilder darstellen. Erst im Advent kommt alle Jahre wieder ihre wirklich große Zeit.

"Da haben irgendwann die Knochen nicht mehr mitgemacht", gesteht der 87-Jährige. Seitdem weicht er in die Malerei aus, die zuvor nur Gelegenheitsgastspiele gab. So entstanden in den vergangenen Jahren stimmungsvolle Aquarelle und Bleistiftzeichnungen. Bei letzteren bietet sich als Vorlage immer wieder der morbide Charme so mancher Calbenser Straßen an, wo leerstehende Häuser langsam verfallen.

Zum Märchenschreiben kam Plönnies eigentlich durch eine Initiative des Verschönerungsvereins, der die Bürger aufrief, sich Gestaltungsgedanken zum Storchenplatz zu machen. "Ich habe meine Vorschläge dazu eingereicht; es erfolgte aber weder eine Eingangsbestätigung noch eine Reaktion darauf", winkt er ab.

Hierbei ging es um Figuren wie Fischer, Saalefeen oder Elfen, die den rüstigen Rentner und seinen wachen Geist nicht mehr los ließen.

Irgendwann verdichteten sich die Gedanken zu Geschichten, die eine Mischung aus Sagen und Märchen sind.

Protagonist ist ein junger Saalefischer, der sich in die Saalefee verliebt. Er hat sie bei seinen täglichen Fischzügen kennengelernt. Dann kommt, was kommen muss: Die Fee bekommt ein Kind von ihm, eine Elfe. Weil diese folgenschwere Tändelei dem Rat der Götter missfällt, wird Mutti Saalefee in die "Anderswelt" zurückbeordert. Vor Gram ertrinkt ihr Gatte, der Fischer, wird aber - damit`s nicht zu tragisch ist - von ihr wiederbelebt. Was den praktischen Vorteil hat, dass der junge Fischerbruder fortan an Land ebenso wie unter Wasser leben kann.

Im weiteren Verlauf machen sich die Protagonisten auf, um das Nordmeer zu erkunden. Dabei lernen sie in Rosenburg die Waldfee kennen, die mit Kobolden verbandelt ist, die unter der Burg hausen und dort ein unterirdisches Reich beherrschen. An der Saalemündung kommen eine Windfee und die Saalhornzwerge ins Spiel ...

Otto Plönnies schreibt am letzten Kapitel. Fast alle Illustrationen sind fertig. Man darf gespannt sein ...

 

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