Schönebeck l Diesen Luxus will sich Egbert Tramp nun leisten. Der Wirtschaftsförderer der Stadt Schönebeck, der gestern zum letzten Mal dienstlich bei einer Ausschusssitzung teilnimmt, geht in der nächsten Woche in Rente. "Ich freue mich auf diese Zeit. Und vor allem darauf, endlich mal ohne Zeitdruck in völliger Ruhe ein Buch lesen zu können", sagt er gestern Abend in einem Gespräch mit der Volksstimme.

Seit Oktober 1993 ist der heute 64-Jährige Leiter der Wirtschaftsförderung. Der ehemalige Traktorenwerker, der Landmaschinen- und Traktorenschlosser gelernt hat, kommt im Jahr 1974 aus einem Dorf nördlich von Stendal an die Elbe. Eigentlich will er nur drei Jahre bleiben ... Doch die Verlockung auf eine Wohnung, die Familie und die Arbeit im Kundendienst und im Vertrieb des damaligen Traktorenwerkes wiegen schwerer. "Ich hatte eine abwechslungsreiche und spannende Aufgabe im In- und Ausland", berichtet Egbert Tramp.

Als er nach der politischen Wende spürt, dass womöglich die großen Industriebetriebe keine Bedeutung mehr im neuen Wertesystem haben können, schaut er sich um. In der Stadtverwaltung möchte man zu diesem Zeitpunkt die Wirtschaftsförderung aufbauen. Tramp bewirbt sich und setzt sich gegen fast zwei Dutzend Bewerber durch.

In den knapp 22 Jahren im Dienste der Stadt hat sich das Aufgabenfeld der Wirtschaftsförderung stark verändert. "Meine erste Aufgabe damals war, das Kurbad in einen förderfähigen Status zu bekommen", erinnert sich Egbert Tramp. Das älteste Soleheilbad Deutschlands versprüht den Charme der vergangenen zwei Jahrhunderte. Zudem müssen zerfallene Betriebe und Industriebrachen mit neuem Leben erfüllt werden.

Das alles bekommt Tramp mit seinen damals zwölf Leuten, die Wirtschaftsförderung ist heute zu einem Drei-Mann-Büro zusammengeschrumpft, hin. "Aber die große Welle der Investoren Anfang der 1990er Jahre ist leider im Großen und Ganzen über uns hinweggeschwappt", so der Wirtschaftsexperte. Der Grund unter anderem: Schönebeck bietet jahrelang lediglich seine Flächen mit alten Betrieben an, eine grüne Wiese nahe der später gebauten Autobahn gibt es zu dieser Zeit nicht.

Heute stehen die Investoren nicht mehr Schlange im Rathaus. Das Standortmarketing ist mühsam. "Ohne die weichen Faktoren und einem Breitbandanschluss ist heutzutage nichts mehr zu machen", resümiert Egbert Tramp.

Dennoch ist er ein bisschen stolz, in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seinen Mitarbeitern etwas geschafft zu haben - trotz einiger Schwierigkeiten.