Pünktlich zum Maibeginn ist die Saison des Calbenser Bismarckturms eröffnet worden. Bis zum Herbst können Besucher an den Wochenenden und Feiertagen den Aufstieg wagen und mit einem atemberaubenden Blick in die Region belohnt werden. Wermutstropfen: Die Gedenkhalle im Fuß des Turms bleibt auch im 200. Geburtsjahr des Namensgebers geschlossen.

Calbe l Für Rudolf Kramer ist er mit seinen rund 30 Metern nicht nur der höchste Bismarckturm Sachsen-Anhalts, sondern auch der schönste. Seit Jahren setzt sich der 72-Jährige für den Erhalt und die Belebung des Calbenser Wahrzeichens auf dem Wartenberg ein. Doch mittlerweile ist sein Engagement ins Stocken geraten. Der Grund: Zwar konnte die Saalestadt aufgrund von Fördermitteln den Turm für rund 240 000 Euro umfangreich sanieren lassen, doch die Gedenkhalle im Fuße des Turms blieb dabei außen vor.

Nässeschäden am Putz müssen behoben werden

In dem rund zehn Meter hohen Gewölbe mit einem Durchmesser von acht Metern hat die Nässe sichtbare Schäden am Putz hinterlassen. "Das müsste dringend in Angriff genommen werden", sagt der pensionierte Lehrer und hätte dabei fast die Begrifflichkeit der Trauerhalle verwendet. "Sonst kann man dort keine Besucher reinlassen", meint Kramer.

2004 hatte er mit weiteren Mitstreitern die Halle ausgestaltet. Es entstanden Schautafeln mit Informationen rund um den Wartenberg, wie der Geschichte von Turm und Namensgeber, der Geografie und Geomorphologie oder der Flora und Fauna. Diese Tafeln wurden während der Winterzeit im Rathauskeller eingelagert aber infolge des Hochwassers 2013 stark in Mitleidenschaft gezogen. Mittlerweile konnte Rudolf Kramer wenige Mitstreiter finden, die ihn bei der Neugestaltung unterstützen wollen.

"Unsere technischen Anlagen haben wir jedenfalls zurückgebaut", sagt der passionierte Funker. Das Relais auf dem Wartenberg mit der Kennzeichnung "DB0WTB" ist seit dem 6. März außer Betrieb gesetzt worden. Damit verabschieden sich die Fernseh-Funkamateure für immer von der Spitze des Wartenbergs. Hintergrund: Die Stadt wollte im Zuge der Haushaltskonsolidierung eine Gebühr für die Nutzung der Antennen auf dem Bismarckturm auf den Weg bringen. Das lehnten die Hobbyfunker kategorisch ab.

Zudem hatte der Stadtrat ohne große Diskussion im vergangenen Herbst die Verdopplung der Eintrittsgebühren für den Bismarckturm auf 2 Euro pro Erwachsenen beschlossen (Volksstimme berichtete). Der Grund: Zwischen den jährlichen Personalkosten für den Turmwärter und den erzielten Einnahmen klaffte eine Lücke von mehr als 2000 Euro. Als ehemaliger Stadtrat weiß Rudolf Kramer nur zu gut um die finanziellen Sorgen seiner Heimatstadt und den Schritt für eine Gebührenerhöhung. Doch um langfristig mehr Besucher anzulocken und damit auch mehr Einnahmen zu erzielen sei endlich ein Gesamtkonzept für den Wartenberg notwendig. Da sieht nicht nur Rudolf Kramer noch deutlichen Handlungsbedarf.

Der Bismarckturm ist seit dem 1. Mai bis Anfang Oktober bei gutem Wetter wie folgt geöffnet: sonnabends zwischen 14 und 17 Uhr sowie sonn- und feiertags zwischen 10 und 17 Uhr. Auch Sonderöffnungen sind möglich nach entsprechender Anmeldung unter (03 92 91) 5 64 16.