#NULL#Am kommenden Montag wird der Kanu-Faschingsverein im Rautenkranz Dekoration, Technik und Bühne aufbauen. Am Freitag ist dann die erste Veranstaltung. Für den 4. März und Rosenmontag sind noch Karten da, der Sonnabend ist ausverkauft. Hier ein Ausblick auf das Programm und ein Rückblick in die Vereinsgeschichte.

Barby. Derweil gehen die Karnevalisten in die entscheidende Probenphase. So übt die Kapelle "Los Boonekampos" ebenso im Kanuten-Quartier wie die spätvereinigte Bundeswehr/NVA, die mit schrägem Ballett auftritt. Auch die Barbyer und Schönebecker Auftritte der "Prinzen" hinterließen ihre Spuren. Ein Double der Pop-Sänger wird feststellen: "Es war nicht alles schlecht". Der aktuelle Titelsong der Prinzen-CD wird dann auf Barby bezogen. Natürlich haben sich die Frauengruppe des Vereins etwas Lustiges einfallen lassen und die Funken fetzige Choreografien geübt.

Die Kanuten gelten als der dienstälteste Faschingsverein unseres Altkreises. Der Verein wurde immerhin 1952 gegründet wurde. Was heute auf dem Parkett des Rautenkranzes stattfindet, begann vor 59 Jahren eher spartanisch und ohne Kostüm.

In alten Protokollen finden sich Belege aus dieser närrischen Pionierzeit. "Nach eingehender Diskussion wurde festgelegt, dass Narr Zehle die Versammlung eröffnet. Punkt 1: Findet Karneval überhaupt statt? Ja. Der Vorschlag wurde mit zehn Stimmen dafür, einer Stimme dagegen angenommen. Die Gegenstimme wurde vom Narr Müller zur Wahrung der Demokratie gegeben." So liest sich ein Protokoll des Kanufaschingsvereins vom 15. November 1964.

Viel Ulk im "ernsten" Protokoll

Damals hießen die Ratsherren noch Randel, Berger, Wolf, Zehle, Müller oder Ebert. Gefeiert wurde nicht, wie heute, im Rautenkranz, sondern im Fährhaus.

Protokollant Fritz Müller beschrieb sein Papier - wie es sich für ein Faschingsprotokoll schließlich gehört - mit einigem Augenzwinkern. So wurde festgehalten, dass aus innerbetrieblichen Gründen ein Prinzenpaar nicht, dafür ein anderes zu 99,99 Prozent (so lauteten damals Wahlergebnisse der Einheitspartei) zur Verfügung steht. Originaltext: "In diesem Augenblick bestellt der gewählte Prinz Piepe eine Flasche Stimmung in Form von Selters". Na, na - ob sich da der Protokollant nicht im Etikett geirrt hat ...

Die erste Veranstaltung unter der Rubrik "Fasching" fand in "Tante Inges" Fährhaus statt. Der Elferrat hatte sich in schwarze Anzüge gehüllt. Im ersten Jahr noch barhäuptig, wurden später von Schneidermeister Alfred Hoppe winzige Narrenkappen genäht. Als Material nahm man Sackleinwand und Fahnentuch aus der Maizena.

Anekdoten rund um den Karneval

Damals kam man ohne jegliche Technik aus. Die Kapelle hatte wenige Jahre nach dem Krieg einen deutschen Namen: Herrmann-Mittelstraß-Combo, Gage 50 Mark für alle. Die Instrumentierung bestand aus Klavier, Trompete, Akkordeon, Schlagzeug ... Wenn die mal nicht konnten, tat es auch das Dreamteam Herbert Hempel und Kurti Kegel.

Apropos Musiker: In Barby gab es zu jener Zeit reichlich davon. Einige blieben ob ihrer Kauzigkeit bis heute im Gedächtnis haften. So hatte ein geiziger Musikant, der im wirklichen Leben Uhrmacher war, die Angewohnheit, spendierte Schnäpse zu sammeln. Neben sich hatte er eine Flasche stehen, die er mit Hilfe eines Trichters füllte. Klarer, Weinbrand, Kiwi, Pfeffi, Boonekamp - alles durcheinander. Wie ihm dieser aparte Mix Zuhause bekam, ist nicht überliefert. Nur keine Mini-Damenuhr reparieren, der heftigen Darmflora wegen.

Im Fährhaus weit vor den Toren der Stadt gab es "besondere Hindernisse" zu meistern: Wer zur frühen Morgenstunde zum Zwecke der Heimwärtsbewegung aus dem Saal trat, konnte schon mal die Orientierung verlieren. Verbürgt ist ein Fall, wo ein Karnevalist in Richtung Saalemündung schaukelte, in der Gewißheit, er sei auf dem Heimweg. Dunkel war\'s und eklig kalt, als der Alkoholpegel sich in dem Manne senkte.

Als es im Fährhaus der ungestümen Nachfrage wegen zu eng wurde (120 bis 140 Leute), zog man in den Rautenkranz um. Dort finden seit den 60er Jahren vier Veranstaltungen jährlich statt. Eine um den 11.11. herum, und drei am Wochenende vor Rosenmontag.

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