Schönebeck. Die Geschichte von Schönebeck muss offenbar neu geschrieben werden. Der älteste Stadtteil Frohse wird im Jahr 936 erstmals urkundlich erwähnt, doch bereits mehr als 3000 Jahre vorher hat es in dieser Region bereits eine hochentwickelte Kultur gegeben. Unzweifelhafte Belege dafür sind die in den vergangenen Jahren entdeckten Kreisgrabenanlagen bei Pömmelte und Schönebeck. Sie sind quasi identisch mit dem weltberühmten Stonehenge in England.

Auf Einladung des Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Gunnar Schellenberger (CDU), weilte jetzt der Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, Professor Harald Meller, im Schönebecker Stadtwerkehaus. Er sprach in einer öffentlichen Veranstaltung ausführlich über die schon erfolgten Ausgrabungen, die Bedeutung der Funde und den künftigen Umgang damit.

"Es kann sein, dass außergewöhnliche Entdeckungen in den nächsten Jahren in Schönebeck gemacht werden", sagte der Professor in seinem Vortrag. Die Schönebecker Kreisgrabenanlagen seien gegenüber Stonehenge Spiegelanlagen auf dem Kontinent. "Wir werden Stonehenge viel besser verstehen, wenn wir Pömmelte verstehen", so Meller.

Ähnlich wie die englische Anlage habe wohl auch das Schönebecker Pendant als ein ritueller Ort für Bestattungen gedient. Ebenso sei es wahrscheinlich, dass in Schönebeck astronomische Kenntnisse etwa über den Sonnenlauf bekannt waren und beim Bau der Anlagen berücksichtigt wurden.

Die Gebrauchszeit der Schönebecker Anlagen sei identisch mit der der Himmelsscheibe von Nebra. Meller warb deshalb dafür, die sachsen-anhaltische Tourismusroute "Himmelswege" bis nach Schönebeck zu führen. "Wir haben hier das Glück, dass der Elberadweg in unmittelbarer Nähe vorüber führt", meinte Meller mit Hinweis auf die zu erwartende touristische Bedeutung der Kreisgrabenanlagen. Stonehenge, führte der Landesarchäologe aus, würde von Millionen Menschen aufgesucht. Er ist sich sicher, dass auch das Schönebecker Stonehenge entsprechende Beachtung findet.

Auf jeden Fall sollen die knapp einen Kilometer voneinander entfernt liegenden Anlagen ab Mai ausgegraben und in ihrer ursprünglichen Form nachgebildet werden. Den Zeitrahmen gab Meller mit drei Jahren an. Das Wirtschaftsministerium des Landes Sachsen-Anhalt werde die entstehenden Kosten zu 90 Prozent fördern, der Antrag soll in zwei Wochen eingereicht werden. Beteiligt an der Finanzierung ist zudem der Salzlandkreis, dessen Engagement in dieser Sache Professor Meller ausdrücklich lobte. Auch die Salzlandsparkasse signalisierte bereits den Willen zur Unterstützung.

Probleme mit dem Grundwasser sieht Meller nicht. Zur Not könne bei den neuen Ausgrabungen abgepumpt werden. "Der Boden ist ideal. Wir haben viel kompliziertere Fälle gelöst", versicherte er gegenüber der Volksstimme.