Im Oktober 1991 waren Ernest und Judy Urman zu Gast in Schönebeck, der ehemaligen Heimatstadt von Judy. Judy Urman ist die Schwester der ebenfalls in Schönebeck geborenen Ruth Lübschütz, die am 6. Oktober 1944 im Konzentrationslager Auschwitz zu Tode kam. Um die Erinnerung an die einst in Schönebeck existierende jüdische Gemeinde zu bewahren, wurde damals der Urman-Preis ins Leben gerufen.

Schönebeck. Der Sinn des Urman-Preises ist es, unter der Schuljugend des Altkreises Schönebeck die Erinnerung an die einstige jüdische Gemeinde zu bewahren und an das, was den jüdischen Frauen, Männern und Kindern in Schönebeck zur Zeit des Faschismus angetan worden ist. Seit 1991 sind über 40 Arbeiten eingereicht worden. Die Ausschreibung für das Jahr 2011 ist bereits abgelaufen und vier Projekte haben sich um den Urman-Preis beworben. Wer der Preisträger sein wird, entscheidet sich am 7. April ab 19 Uhr im Shalom-Haus. An jenem Donnerstag findet die feierliche Auszeichnung der Preisträger statt.

Vom Hermann-Gymnasium kommen zwei Arbeiten. Eine dokumentiert die Verlegung der Stolpersteine, die zweite ist ein Fotobuch, welches Häuser und Motive rund um das jüdische Leben in Schönebeck zum Thema hat.

Das Schillergymnasium Calbe hat sich ebenfalls mit einem Beitrag beteiligt. Es wurde ein Heft erarbeitet, welches das jüdische Jahr zum Thema hat: welche Feste gibt es, welche Regeln und Bräuche - alles rund um das jüdische Leben.

Mit einem ungewöhnlichen Beitrag beteiligt sich die Gorki-Schule am diesjährigen Wettbewerb. Die beiden 9.-Klässler Ian Spandau und Christoph Franzelius bewerben sich mit einem Rap um den Urman-Preis. "Es ist ein Song gegen das Vergessen. Er behandelt die Geschehnisse zur Nazizeit und die Judenverfolgung", erklärt Christoph.

Die Frage, warum es ein Rap und keine andere Musik ist oder eine andere Form der Teilnahme, beantwortet Ian plausibel: "Rap ist modern. Damit erreicht man die Jugend besser, als mit anderer Musik. Und Jugendliche wollen wir ansprechen und zum Nachdenken bringen."

Die beiden haben zirka zwei Monate am Text (siehe Infokasten) geschrieben und an der Melodie gearbeitet. Unterstützt wurden sie dabei von Ethiklehrerin Doris Krüger und ihrer ehemaligen Kollegin Liane Schlünz, die als Musik- und Deutschlehrerin den einen oder anderen guten Tipp geben konnte.

Demnächst ist geplant, den Song aufzunehmen, so dass ihn jeder Interessierte per Mp3 oder CD hören kann. Ein Video hingegen ist schon fertig gedreht. "Es ist wirklich gut geworden", freut sich Ian. Nach der Auszeichnungsveranstaltung wollen sie es im Internet unter www.YouTube.de online stellen.

Die erste Live-Aufführung des Raps gab es indes schon bei der Juniorwahl in der Gorki-Schule am vergangenen Freitag. Wie wichtig die Aufarbeitung der Vergangenheit gerade bei der Jugend ist, zeigt das Ergebnis der Juniorwahl. Schockierende 26,3 Prozent der Schüler wählten die NPD. Ian und Christoph können es auch nicht fassen. "Das ist schon ziemlich krass", sind sie sich einig.