Der Stadtrat hat auf seiner jüngsten außerordentlichen Sitzung mehrheitlich grünes Licht für den Bau eines neuen Bahnhaltepunktes Calbe (Saale) Stadt am Bahnübergang Hänsgenhoch gegeben. Nach Einwänden von Stadträten soll der Umfang der Bauarbeiten jedoch bis zur Klärung noch offener Fragen zu einem späteren Zeitpunkt erörtert werden.

Von Andreas Pinkert

Calbe. Es ist die umgangssprachliche Frage nach Sekt oder Selters. Dass die Deutsche Bahn AG in diesem Jahr einen Haltepunkt am Hänsgenhoch errichten wird, sei unstrittig, unterstrich Bauamtsleiter Volker Ludwig auf der Sitzung im Rathaussaal. "Durch die Bahn wird der Bahnsteig und eine Überdachung realisiert."

Diskussionen gab es am Dienstagabend jedoch darüber, in welchem Umfang das Umfeld des Bahnsteigs gestaltet werden sollte. Die Frage stand im Raum, wie viel Zusätzliches zum rund 100 Meter langen und behindertengerechten Bahnsteig, der parallel zu den Gleisen verlaufen soll, sich Calbe angesichts seines Haushaltes leisten sollte.

Laut Entwurf soll unter dem Bahnsteigdach ein unkompliziertes Umsteigen vom Zug in den Bus möglich sein. 25 Stellflächen für Autos, zwei Stellflächen für Busse und 30 überdachte Fahrradstellplätze sollen entstehen, ergänzt durch Baumpflanzungen. Ellipsenförmig soll eine Fahrbahn um die Parkplätze führen. Busse können in einer Wendeschleife Kehrt machen. Die Kostenschätzung beläuft sich derzeit auf insgesamt 667 800 Euro, der städtische Anteil der zwei Bauphasen liegt für Planung und Ausführung bei 139 200 Euro.

Stadträte wie Wolfgang Marwinski (Unabhängig für Calbe) und Rudolf Kramer (Freie Wähler) wiesen die Stadtverwaltung auf Fragen hin, die noch nicht ausreichend geklärt seien. Bleiben die beiden Bahnhöfe Calbe (West) und Calbe (Ost) erhalten? Wann wird die sogenannte Verbindungskurve, eine Gleisverbindung zwischen den Strecken Magdeburg - Halle und Calbe (West) - Bernburg, gebaut? In welchen Zeitabständen werden die Züge später einmal verkehren? Die Antworten darauf seien nötig, um den Gestaltungsumfang am neuen Bahnhaltepunkt abschätzen zu können. "Es wäre das Schlimmste, wenn der Bahnhaltepunkt in fünf Jahren wieder aufgelöst wird und die Stadt auf umfangreichen Investitionen sitzen bleibt", machte Rudolf Kramer seine Bedenken deutlich. Zwar bestehen Zusagen des Landesverkehrsministeriums, dass es im Zuge einer durchgängigen Bahnverbindung zwischen Bernburg und Magdeburg ab 2013/14 eine durchgehende Zugverbindung in die Landeshauptstadt geben soll. "Wir brauchen das aber schriftlich", sagte Kramer, der einen entsprechenden Änderungsantrag seiner Fraktion einreichte. Grundsätzlich stimmten die Räte somit für einen Bau, doch bevor die Bauausschreibungen erfolgen, sollen die offenen Fragen geklärt werden.