Alzheimer - eine Krankheit, vor der sich viele Menschen fürchten und die im Umfeld eines Betroffenen einschneidende Veränderungen mit sich bringt. Viele Angehörige sind mit dieser Situation überfordert und suchen nach Rat. Die Regionalstelle Schönebeck der Alzheimer Gesellschaft möchte solch eine Anlaufstelle für Angehörige und Betroffene sein - sie feiert bald ihr fünfjähriges Jubiläum.

Schönebeck. "Ich weiß nicht, wo die Zeit geblieben ist", sagt Bärbel Jäger lächelnd. Im April feiert die Regionalstelle Schönebeck der Alzheimer Gesellschaft ihren fünften Geburtstag. Keine Selbstver- ständlichkeit, meint deren Leiterin Bärbel Jäger: "Die Anfänge waren gar nicht so einfach. Denn als Verein müssen wir schwarze Zahlen schreiben und haben im Jahr 2006 bei Null angefangen." Eine große Herausforderung sei das gewesen, weil Alzheimer in der Gesellschaft heute noch immer ein Tabuthema ist, erklärt Jäger.

Die 63-Jährige ist seit vier Jahren die Leiterin der Regionalstelle und ist voll Freude, wenn sie auf diese Zeit zurückblickt. "Wir haben viel erreicht: Wir haben für die Regionalstelle ein wunderbares Haus ausgesucht, es nach unseren Vorstellungen gestaltet und inzwischen auch eine feste Klientel für unsere Angebote gefunden", sagt sie nicht ohne Stolz.

Diese Angebote sind sehr vielseitig. Ziel der Alzheimer Gesellschaft ist es, Angehörige von Dementen zu beraten, zu unterstützen und zu betreuen. Unter anderem gibt es jeden dritten Mittwoch im Monat ein Angehörigentreffen, bei dem es die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch gibt. Durch die langjährigen Erfahrungen der Mitarbeiter können diese bei der Lösung von Problemen oft helfen oder zumindest hilfreiche Kontakte herstellen. "Unsere Zusammenarbeit mit den Betroffenen funktioniert nur im Team, manche helfen uns auch ehrenamtlich", sagt Bärbel Jäger. Regelmäßig nimmt sie mit ihren Leuten an Schulungen und Weiterbildungen teil, damit diese für die Herausforderungen des Alltags gewappnet sind. Die Leiterin weiß, dass sie viel fordert. Aber sie begründet das auch: "Ich möchte, dass wir bei unserer Arbeit einen gewissen Standard erfüllen und den Betroffenen ehrlich gemeinte Liebe und Wertschätzung schenken. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen." Denn neben den Aufgabenfeldern der Aufklärung und Beratung bietet die Regionalstelle vor allem die Möglichkeit einer Tagesbetreuung für Demenzkranke an. "Einen Alzheimer-Betroffenen zu betreuen, ist mehr als ein 24-Stunden-Job. Das gesamte Umfeld des Betroffenen muss sich auf die Krankheit einstellen. Einer allein kann das nicht schultern", kann Bärbel Jäger auf ihre Erfahrungen zurückgreifen - beruflich und auch privat. Sie ergänzt: "Einem dreijährigen Kind kann man etwas beibringen, einem demenzkranken Menschen nicht. Das ist auf die Dauer sehr anstrengend." Alzheimer-Betroffenen bleiben im Extremfall nur noch Emotionen und Gefühle erhalten, alle Erinnerungen können im Verlauf der Krankheit schwinden.

Das Betreuungsangebot wurde ins Leben gerufen, um Entlastung für Angehörige zu schaffen und Wertschätzung weiterzugeben. "In familiärer Atmosphäre betreuen und fördern wir die Betroffenen. In dieser Zeit sollen sich die Angehörigen bewusst erholen und um private Angelegenheiten kümmern können", sagt Bärbel Jäger verständnisvoll. Von 8 bis 16 Uhr bietet die Regionalstelle wochentags diesen Service an, sogar ein Fahrdienst wurde dafür geschaffen.

Neben gemeinsamen Mahlzeiten gibt es vor allem regelmäßige Beschäftigungen mit Musik, Spielen und der Natur. "Ein Demenzkranker vergisst die neuesten Ereignisse seines Lebens zuerst. Da besonders Erlebnisse mit Tieren und Pflanzen in der Natur schon in den Kindheitsjahren einprägsam sind, verbringen wir viel Zeit an der frischen Luft. Damit soll das Erinnerungsvermögen stimuliert werden", begründet die 63-Jährige. Die Gelegenheit dazu gibt es direkt auf dem Grundstück: Dort wurde ein Garten mit Blick auf die Elbe eingerichtet.

Der Verein hat sich in den letzten fünf Jahren stetig entwickelt, besonders durch "Mundpropaganda", meint Bärbel Jäger. "Der Zuspruch aus der Bevölkerung, von Sponsoren und auch der Verantwortlichen der Stadt wächst", sagt sie. Dennoch muss sie immer wieder erklären, dass die Alzheimer Gesellschaft keine medizinische Einrichtung ist und demnach auch keine Alzheimer-Betroffenen im Endstadium, Schwerstpflegefälle, betreut. "Alters- und Pflegeheime sehen uns manchmal als Konkurrenten. Das sind wir nicht. Wir sind vielmehr eine Lobby der Angehörigen und wünschen uns eine noch engere Zusammenarbeit, auch mit den Ärzten, um ein starkes Netzwerk aufzubauen", erhofft sie sich.

Um auch in Zukunft den guten Weg der vergangenen Jahre fortzusetzen und zuversichtlich nach vorn blicken zu können, fehlt der Regionalstellenleiterin eigentlich nur noch eins: "Das Tabuthema Alzheimer muss auch in unserer Region mehr in die Öffentlichkeit." Mit so viel Herzblut, wie sie mit ihren Mitarbeitern die Aufgaben in der Vergangenheit gemeistert hat, wird sie wohl auch diese Herausforderung angehen. Und sich dann vielleicht auch in fünf Jahren wieder fragen, wo eigentlich die Zeit geblieben ist.