Schönebeck soll sauberer werden - deshalb sind gestern wieder jede Menge Einrichtungen mit gutem Beispiel vorangegangen. Sie haben sich an der Aktion "Schönebeck putzt sich" beteiligt. Darunter waren das Montessori-Kinderhaus in Schönebeck, die Stadtverwaltung, der Jugendclub "Piranha" sowie BQI und Gesas.

Schönebeck. "Die Kinder haben gesammelt wie die Weltmeister", sagt Andrea Kowarsch, stellvertretende Leiterin des Montessori- Kinderhauses in Schönebeck, und hat dabei ihre kleinen Schützlinge im Blick. Denn die Mädchen und Jungen, 35 Kinder aus den oberen Altersgruppen zwischen drei und sechs Jahren, haben gestern groß reinegemacht. Dazu waren sie im Elbpark unterhalb der Thälmannbrücke unterwegs.

Aus der Volksstimme haben die Erzieherinnen des Kinderhauses, das von der Volkssolidarität geführt wird, von "Schönebeck putzt sich" erfahren. Nach einem gemeinsam Gespräch mit den Kids war schnell klar: Alle wollen mitmachen. "Die Kinder haben ein ganz eigenes Empfinden für Sauberkeit", sagt Andrea Kowarsch und berichtet von ihren Erfahrungen aus dem Kita-Alltag. Denn die Mädchen und Jungen sind oft in der Natur unterwegs, beobachten, wie im Frühling alles ausschlägt, wie die Schiffe auf der Elbe schaukeln oder welche Tiere auf der Wiese krabbeln. Der kleine Park als nächstgelegenes und bequem zu erreichendes Ausflugsziel biete da eine ganze Palette an Naturerlebnisangeboten, berichtet die Kinderhaus-Mitarbeiterin. Doch die Mädchen und Jungen würden eben auch schnell merken, wenn etwas nicht stimme. "Immer wieder fallen allen der Müll und der Hundekot auf. Die Kleinen ärgern sich auch über zertretene Pflanzen."

Dass dieses Bewusstsein in echte Begeisterung umschlägt, auch wenn es um mühsames Aufräumen geht, das stellten die Montessori-Kinder gestern eindrucksvoll unter Beweis. Mit Handschuhen, Harken und Plastiksäcken waren sie unterwegs und schafften Ordnung im Park. Und sammelten vier große Müllsäcke voll.

In blütenweißem Oberteil und Stoffhose mit Bügelfalte zupfte Edith Dreher gestern am Nicolaiplatz Unkraut. Mit diesem Outfit sitzt die Standesbeamtin normalerweise im Büro. Nur hatte sie leider ihre Wechselsachen für die anschließende Putzaktion der Stadtverwaltung vergessen, zu der sich insgesamt 30 Mitarbeiter freiwillig gemeldet hatten. Für Edith Dreher kein Grund, zu kneifen. Denn sie ist überzeugt von der Aktion: "Früher haben wir doch auch ab und zu einen Subbotnik gemacht - wieso denn nicht auch heute?", sagt sie. "Es soll doch ein bisschen schöner aussehen in unserer Stadt - da ist ein Putz-Einsatz nichts Verkehrtes."

Bewaffnet mit 20 Harken, zehn Hacken, fünf Laubbesen, viermal Besen und Schippe sowie jeder Menge Müllbeutel und Handschuhe legten die Stadt-Mitarbeiter nach ihrer üblichen Arbeit von 14 bis 16.30 Uhr eine zweite Schicht ein. Zusätzlich zum Nicolaiplatz harkten, fegten und zupften sie auch am Ludwig-Schneider-Denkmal.

Dass das Umfeld stimmen muss, der Meinung waren auch die Kinder und Jugendlichen des Jugendclubs "Piranha" in der Bahnhofstraße. Deshalb haben sie sich gestern ebenso an der Aktion "Schönebeck putzt sich" beteiligt. Und so war es am frühen Nachmittag nicht verwunderlich, als die 15-jährige Laura Schubert und die neunjährige Johanna Buschke mit dem Rasenmäher unterwegs waren. Mit Clubmitarbeiter Mario Giese pflegten sie die Rasenfläche direkt vor dem Club. Währenddessen bereitete der zehnjährige Hannes Krüger mit dem Spaten das Rosenbeet vor. "Da sich hier auch direkt die Bushaltestelle befindet und somit eh einiger Müll auf unserem Gelände landet, hat der Aktionstag heute den richtigen Anreiz für uns gegeben", begründet Mario Giese den Einsatz.

Die Mitarbeiter von Gesas und BQI haben in ihrem Berufsalltag mit Grünflächen zu tun - allerdings mehr vom Schreibtisch aus. Sie stellen Anträge für Ein-Euro-Maßnahmen und setzen sie bei Bewilligung durch das Jobcenter im Salzlandkreis um. Auch für den grünen Bereich. Bei "Schönebeck putzt sich" wechselten sie die Seiten und pflegten nach Dienstschluss den alten Busbahnhof des Gummiwerkes, der auch heute noch angefahren wird. Zwei Jahre lang ist hier nichts passiert, also hatten die rund 40 Leute alle Hände voll zu tun, um gegen Unkraut, Rasenwuchs und Müll mit Harken und Hacken anzugehen. Dass sogar Angestellte dabei waren, die nicht aus der Elbestadt kommen, ist um so bemerkenswerter und zeugt von der Verwurzelung der Unternehmen in Schönebeck.