Sowohl Licht als auch Schatten fielen auf den Jahresbericht des Landesverbandes der Kaninchenzüchter Sachsen-Anhalt. Am Sonnabend trafen sich rund 70 Delegierte der Kreisverbände im Gemeindehaus in Welsleben zu ihrer Jahreshauptversammlung. Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens würdigte dabei die Kaninchenzucht als "sinnstiftendes Hobby" mit einer langen Tradition.

Welsleben. Französische Mönche sollen es einst gewesen sein, die als erste Kaninchen als Zuchttiere in Käfigen hielten. Ihr Fleisch konnte während der Fastenzeit verspeist werden. Kaninchen waren über Jahrhunderte als Fell- und Fleischlieferant für die Bevölkerung unverzichtbar. Die wirtschaftliche Nutzung ist heute zunehmend in den Hintergrund gerückt. Das Hobby der Zucht mit einer Vielzahl von Rassen und Farbschlägen steht im Vordergrund.

Züchterdenken in den alten Kreisgrenzen

Landwirtschaftsminister Aeikens bescheinigte in seinem Grußwort den Züchterleistungen im Land ein hohes Niveau. Er würdigte die organisierte Zucht als ein Hobby, das hohes ehrenamtliches Engagement vorweist. Obwohl voraussichtlich erst am Dienstag offiziell im Amt, sicherte der "Noch-Minister" die finanzielle Berücksichtigung der Kaninchenzüchter im Rahmen des Landeshaushaltsplanes zu. Positiv sah er die Entwicklung, dass zunehmend gemeinsame Schauen von Rassegeflügel- und Kaninchenzüchtern organisiert werden. Der 59-Jährige bemängelte jedoch, dass sich noch nicht alle Verbände den neuen Strukturen auf Verwaltungsebene angepasst hätten.

Ein Problem, das auch Verbandsvorsitzender Klaus Zimmermann neben dem heißen Sommer und dem Auftreten der sogenannten Kaninchenpest (Myxomatose) zur Sprache brachte.

Kreisverband mit nur 27 Mitgliedern

"Unsere Landesverbandsarbeit ist nicht einfacher geworden." Der Altersdurchschnitt der Mitglieder sei hoch, die Vereine und damit auch die Kreisverbände hätten immer weniger Mitglieder. "Diese schwachen Vereine sind nicht mehr in der Lage, Vereinsschauen durchzuführen. Eine Kreisschau hat heute nur so viel Tiere stehen, wie sie einst lokale Schauen gehabt haben", sagte Zimmermann.

Knapp vier Jahre nach Gründung des Salzlandkreises existiert zwar auch auf der Landkarte der Rassekaninchenzüchter ein entsprechender Kreisverband Salzland, in dem 21 Vereine organisiert sind. Daneben besteht allerdings auch ein zweiter Kreisverband, der Kreisverband Schönebeck, in dem nur noch 27 organisierte Züchter aus den Vereinen Felgeleben, Atzendorf und Salzelmen aktiv sind. Deren Delegierter war bei der Jahreshauptversammlung nicht anwesend. Ein Mini-Kreisverband mit wenig Mitgliedern? Eine Situation, die Klaus Zimmermann gern im Sinne der Bündelung aller Kräfte gern geändert hätte.

Mit Kaninhop den Nachwuchs gewinnen

Vor allem bei der Nachwuchsgewinnung müssen aus Sicht des Landesverbandes große Anstrengungen unternommen werden. Große Hoffnungen stecken in den Landesjugendtreffen, zuletzt durchgeführt in Naumburg. "Viele Kinder waren zum ersten Mal dabei", berichtete Klaus Zimmermann, der allerdings auch auf die stetig steigenden Preise für solche Jugendlager einging.

Eine weitere Möglichkeit, junge Züchter sozusagen über einen kleinen Umweg zu gewinnen, besteht im sogenannten Kaninhop. Dahinter verbirgt sich eine aus Schweden stammende Sportart, bei der Hauskaninchen dazu animiert werden, an der Leine ihres Besitzers geführt über eine Strecke mit Hindernissen zu springen. "Der erste Wettbewerb dieser Art wurde in Kakerbeck mit einer beachtlichen Teilnehmerzahl durchgeführt", sagte Klaus Zimmermann.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurde unter anderem über die Vorbereitungen zur großen Landesjungtierschau und Landesverbandsschau gesprochen, die erneut in Welsleben ausgetragen wird.