Einmalig in Schönebeck ist Daniela Knopf mit ihrem Angebot. Seit 2010 können Eltern ihre Kinder von der 32-Jährigen individuell betreuen lassen. Und das zum selben Preis wie in einer institutionellen Einrichtung.

Schönebeck. Ein kleiner Wirbelwind huscht von einer Ecke in die andere. Derweil wirft sich der kleine Sam auf das Kuschelsofa. Mittendrin in dem Gewusel steht Daniela Knopf. Im freundlichen, jedoch bestimmenden Ton ermahnt sie die aufgeweckte Yolin zu ein klein wenig mehr Zurückhaltung. Yolin reagiert prompt und sucht sich Beschäftigung in der Kinderküche, in der bereits ihr Freund Janne ein imaginäres Mittagessen bereitet.

Überschaubar ist die Gruppe, die Daniela Knopf liebevoll "ihre" Kinder nennt. Die 32-Jährige betreut die drei Mädchen und Jungen als Tagesmutti. Bei sich zuhause in der Immermannstraße. Mit diesem Angebot deckt sie in Schönebeck eine Marktlücke ab. "Ich bin die erste und einzige vom Jugendamt zugelassene Tagesmutti", sagt sie mit unverkennbarem Stolz in der Stimme. Erreichen will die junge Frau vor allem Eltern, die in Schichten arbeiten oder alleinerziehend sind. "Ich selber bin allein mit meiner Tochter und weiß, wie schwer händelbar es sein kann mit dem Beruf", erklärt die 32-Jährige, warum sie sich vor einem Jahr entschieden hat, sich in der Elbestadt als Tagesmutti selbständig zu machen.

"Es war ein steiniger Weg", schätzt die Schönebeckerin rückblickend ein. Bis heute ist sie die einzige, die in der Elbestadt diese Form der Betreuung anbietet. Schwer sei es noch heute für sie, auf sich und ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Vor allem gebe es einen Irrglauben, mit dem sie aufräumen will: Ihr Dienst als Tagesmutti kostet denselben Elternbeitrag, der für eine Betreuung in der Kindertagesstätte fällig wird. "Das ist gesetzlich geregelt."

Mit dem Vorteil der Tagesmutti-Betreuung hält die 32-Jährige nicht hinterm Berg: "Ich biete ein familienähnliches und -ergänzendes Profil an." Dadurch würden die Kinder unter drei Jahren eine intensive individuelle Zuwendung erfahren, betont Daniela Knopf. "Ich bin nicht nur beruflich Mutter, sondern auch privat", sagt sie in diesem Zusammenhang. Für die 32-Jährige stellt es überhaupt kein Problem dar, dass sie ihre private Wohnung für ihren Beruf nutzt. "Wir sind eine große Familie", erklärt sie schlicht. Gemeinsames Einkaufen gehöre dann eben genauso zum Tagesablauf wie ein Spaziergang in den Kurpark oder zum nächstgelegenen Spielplatz.

Dass sich bei Daniela Knopf Beruf und Privatsphäre oft auch vermischen, bringt für die gelernte Kinder- und Altenpflegerin der Job automatisch mit sich. "Es ist zwar zeitaufwendig, macht aber Spaß", nennt sie schlicht ihre Sicht. Zusätzlich zu ihrer "Tagesmutti"-Tätigkeit bietet die 32-Jährige ebenso Tagesbetreuung am Wochenende sowie Übernachtungsmöglichkeiten an. "Die Eltern wollen schließlich auch mal nur Mann und Frau sein", geht sie auf ein Bedürfnis ihrer Kunden ein. Ein Angebot, das bei den "Großen" offenbar ankommt. Inzwischen hat Daniela Knopf ihre Gruppe fast voll. Vier Kinder betreut sie derzeit. Fünf sollen und dürfen es dem Kinderförderungsgesetz nach maximal sein.

Mit etwas Wehmut in der Stimme erzählt die Tagesmutti schließlich davon, dass bald ein großer Abschied bevorsteht. "Im Sommer wird Janne die Gruppe verlassen." Dann ist er drei Jahre alt und kommt in eine institutionelle Kinderbetreuung. "Das ist eine Grundsatzregel bei mir", stellt Daniela Knopf klar. Zwar sehe sie viele Vorteile in der individuellen Betreuung im kleinen Rahmen, jedoch müsse diese behütete Atmosphäre eben irgendwann einmal ein Ende haben. Bei Daniela Knopf ist das mit dem Erreichen des dritten Geburtstags. "Es werden einige Tränen fließen", sagt sie ihrer selbstgesetzten Regel zum Trotz. Aber sie weiß auch: "Aus den Augen, aus dem Sinn gibt es hier nicht". Zehn Kinder habe sie bisher in der Betreuung gehabt. "Zu fast allen habe ich noch Kontakt."