Hunderte Sterne sollen noch in diesem Jahr am stahlblauen Kirchengewölbe von St. Johannis funkeln. Restaurator Eckhard Lemke befreit es derzeit mit Fingerspitzengefühl von Schmutzablagerungen vieler Jahrzehnte. Rund 60000 Euro fließen in die Sanierung des Gotteshauses im Herzen Eickendorfs.

Eickendorf. Keine Frage, die Eickendorfer lieben ihre Kirche, die nach dem Abriss im Jahre 1750 neu gebaut wurde. Besonders stolz sind sie auf die farbenfroh verzierte Kirchendecke. "Man ist beim Anblick dem Himmel doch gleich ein Stück näher", sagt Pfarrer Thomas Lütgert, als er über ein Gerüst bis zur flammenden Sonne mit den vier Evangelisten empor klettert. Der Zahn der Zeit hat allerdings sichtlich an den Bildnissen genagt, der farbige Putz blättert herunter. Über den Rest legt sich durch die Warmluftheizung eine rußartige Schicht. "Besonders schlimm ist es hinter und über der Orgel", sagt Restaurator Eckhard Lemke, der seit drei Wochen seine Arbeitsstelle direkt unter dem Tonnengewölbe eingerichtet hat. Seit mehr als 100 Jahren war dort kein Mensch mehr. Die neobarocke Verzierung stamme vom Anfang des 20. Jahrhunderts, erklärt Lemke, der unter anderem auch in der Großmühlinger Kirche Hand anlegte. Nun gilt es, in mühevoller Kleinarbeit die Motive der Deckenbemalung aus den vorhandenen Resten zu rekonstruieren. Der Schönebecker befestigte in einem ersten Schritt die abgelösten Schilfrohrmatten, die als Putzträger dienen, wieder am Gewölbe. Nach der Sanierung des Kirchdaches vor einigen Jahren trocknete die Verschalung langsam aus, zog sich zusammen und ließ den Putz bröckeln. Jeden der unzähligen eingearbeiteten Sterne aus dünnstem Schlagmetall poliert er nun wieder auf. "Anstelle von teurem Blattgold wurde dieses Material früher gern verwendet und damit ein ähnlich funkelnder Effekt erzielt", erklärt Lemke. Den Sommer über werde er sich mit dieser Decke beschäftigen. Voraussichtlich bis September finden die Gottesdienste im benachbarten Gemeindehaus statt. Rund 60000 Euro sind für das Gesamtvorhaben veranschlagt worden. Das Geld stamme aus verschiedenen Töpfen vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF), vom Kirchenkreis Egeln und auch von der eigenen Kirchgemeinde, sagt Lütgert. Großen Anteil daran habe Erika Fläschendräger aus Eickendorf, die für die finanziellen Zuwendungen ausführliche Beantragungs-Ausarbeitungen verfasste. Neben der Decke soll auch die bespielbare Orgel vom Schmutz befreit werden. Lütgert versucht, Studenten der Kirchenmusik im Rahmen ihres Studiums dafür zu gewinnen.

Nach der Fertigstellung werden Besucher den Blick zum Eickendorfer Sternenhimmel richten und ihn lange in Erinnerung behalten, ist sich Fritz Lüttge sicher, der einst in St. Johannes heiratete.

 

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