Der leidenschaftliche Sammler Dirk Hellberg lud am vergangenen Sonnabend zum ersten privaten Trödelmarkt auf sein Klein Rosenburger Grundstück ein. Eines der bemerkenswertesten Stücke war ein Buch von 1717 mit handschriftlicher Widmung des Autors.

Groß Rosenburg. Erhard Krause verblüfft mit einem abgegriffenen Buch, das er Veranstalter Dirk Hellberg zur Bewertung unter die Nase hält. "Das ist schon sehr lange im Familienbesitz: Ein Krause hat es an den nachfolgenden vererbt", weiß der Groß Rosenburger über dieses bibliophile Stück. Seine Familie sei ab dem "16. Jahrhundert hier nachweisbar".

Buchautor ist Valentin Daniel Bockel, "seit 1673 Schreib- und Rechenmeister in der alten Stadt Magdeburg", steht auf der Innenseite. Sein Werk "Arithmetisches Lust- und Nutzgärtlein" wurde 1679 erstmalig verlegt. Es folgten Nachauflagen 1700, 1713 und 1717. Man kann es als Bestseller seiner Zeit betrachten. Das Buch wollte der geschätzten Leserschaft die Mathematik auf populärwissenschaftliche Weise nahe bringen. Was auf der ersten Seite zum Ausdruck gebracht wird: "Nebst der kunstreichen Practica, und anderen lustigen Zugaben, als Blümlein gezieret und geschmücket". Also ein ansprechendes "Layout". Zudem sei das Buch "dergestalt, dass ... jedermann, der nur ein wenig Verstand hat, ohne sonderbare Müh ... finden und fassen kann". Fazit: "trockene Mathematik" wurde so verpackt, dass sie Spaß machen sollte.

Das Wertvolle dieses Büchleins sind der eigenhändige Eintrag und das Signum des Autors. Die Vorfahren von Erhard Krause - sie waren Schiffer und Kohlehändler - werden das Buch aus einem anderen Grund geschätzt haben: Es rechnet die zahlreichen Münz- und Maßeinheiten der unterschiedlichen deutschen Länder um.

Zu Zeiten blühender Kleinstaaterei ein wichtig Ding, um zu wissen, dass beispielsweise in Meißen ein Reichstaler "24 gute Groschen, in Danzig 90 Polnische Groschen" wert ist.

"Meine Oma hat mir alte Münzen geschenkt"

Sammler Dirk Hellberg zeigte sofort Lokalpatriotismus: "Wenn Sie das Buch mal verkaufen sollten, muss es unbedingt in Rosenburg bleiben", legte er dem Besitzer ans Herz.

Gleiches gilt für ein weiteres "Krause-Thema". Der Schwarzer Trödler Wilfried Jaffke besitzt ein Firmenschild mit dem Aufdruck "Kohlen-Krause". Es befand sich am Haus von Erhard Krauses Großvater/Vater, die unweit der heutigen Fährstelle einen hölzernen Lagerschuppen hatten.

Dirk Hellberg ist seit Kindesbeinen vom Sammelvirus infiziert. Lächelnd gesteht er: "Ich sammle alles, außer Autos, Geld und Frauen." Wobei besonders letztere ihn bei Auslebung seiner Leidenschaft unterstützen, die sonst "nicht funktionieren" würde. Damit meint er Ehefrau Christiane und Mutter Rosemarie. Sie hätte ebenso wie die Großmutter schon zu Kindesbeinen seinen Sammel-Eifer geweckt.

"Man muss sich das mal vorstellen: Als ich zehn Jahre alt war, hat mir meine Oma alte Münzen geschenkt", erinnert sich der 54-Jährige. Wenn sich seine Klassenkameraden über Digedag-Hefte oder Matchbox-Autos freuten, war Klein-Dirk beim Anblick eines silbernen Kaiser Wilhelms fasziniert.

So ist es bis heute geblieben. Die Sammelei ist Lebensinhalt und hat sich jetzt so verdichtet, dass Dirk Hellberg seinen Tag des offenen Hofes keineswegs als "Eintagsfliege" verstehen möchte. Im September soll es eine Neuauflage geben.

Und noch was. Der Klein Rosenburger meint, dass sein Vorname "der Glückselige" bedeutet. Was laut Lexikon aber nicht ganz stimmt. "Dirk" stammt aus dem Althochdeutschen, ist eine Kurzform von Dietrich und bedeutet "mächtiger Herrscher des Volkes".

Was für einen Sammler seines Naturells aber kaum zutrifft. Da lassen wir doch lieber die erste Vermutung gelten ...

 

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