In Groß Börnecke hegt und pflegt Frank Brauner eine Sammelleidenschaft. Er liebt historische Stücke aus früheren Zeitren. Vor allem Erinnerungen an die ehemalige Staßfurter Brauerei "Niemann" haben es ihm angetan. Für die Volksstimme öffnet er seine private Schatzkammer.

Groß Börnecke l Wenn es um das Thema Bier geht, hat Frank Brauner aus Groß Börnecke viel zu zeigen. Damit sind keine fertig zum Trinken gekauften Flaschen in Kästen gemeint - ihm schmeckt der Gerstensaft gar nicht so gut - vielmehr geht es um historische Stücke. Sie alle stehen mit der früheren Staßfurter Brauerei "Niemann" in Zusammenhang.

"Ich bin ein Jäger und Sammler."

Ein Zufall brachte das "Sammelfieber" zum Ausbruch. Das war in den 1980er Jahren. Damals machte der 16-jährige Brauner eine Entdeckung in seinem Heimatort Athensleben. Seine Familie wohnte über einer Gastwirtschaft. In dem Haus sei auch eine Bäckerei gewesen, weiß Brauner und dann erinnert er sich weiter, dass er auf dem Ofen, nachdem es das Geschäft nicht mehr gab, etwas Eingepacktes fand. Beim Auswickeln sei klar geworden, dass es etwas Neues war, komplett unbenutzt. Die Rede ist von einem großen Leuchtreklame-Glasschild mit der Aufschrift "Niemann Biere Staßfurt". Auf die Frage, aus welchem Jahr die Werbetafel stammt, meint Brauner, dass seine Eltern ihm bestätigt hätten, dass es Ende der 1960er Jahre hergestellt wurde und wahrscheinlich in der Gastwirtschaft, die bis 1970 in Betrieb war, montiert werden sollte.

Fund in Athensleben bringt den Stein für das Hobby ins Rollen

Der Fund hat bis heute überlebt und war der Anfang für ein Hobby, das Frank Brauner nach wie vor hegt und pflegt. Wann immer es ihm seine Zeit erlaubt, ist er auf Suche nach neuen Raritäten zur Brauereihistorie. Auf Flohmärkten und im Internet hat er sich im Laufe der Zeit seine eigene kleine "Niemann-Ausstellung" kreiert. Mit einem Augenzwinkern sagt er von sich selbst "Jäger und Sammler" zu sein. Und seine Schätze bleiben nicht im Verborgenen.

Am morgigen Sonntag, dem 5. Januar und am Montag, 6. Januar, öffnet in der Groß Börnecker Heimatstube täglich ab 14 Uhr eine Sonderschau zum Thema "Brauerei Niemann". Brauner, der das Museum als Mitglied im Kultur- und Heimatverein zusammen mit weiteren Helfern betreut, hat aus diesem Anlass gemeinsam mit den anderen weitere Recherchen zur Historie der Brauerei angestellt.

So wurden viele Daten und Fakten zusammengetragen. Die Betriebsgeschichte lebt wieder auf. Ein ganzer Ordner mit Text-Material steht für die Besucher bereit. Fotos, Zeitungsartikel, handschriftliche Briefe mit Erinnerungen von Zeitzeugen: "Es sind schöne Sachen dabei", kündigt der Wahl-Groß Börnecker an und erklärt, dass alle Informationen fein säuberlich katalogisiert wurden. Auch der Wandel der Gesellschaftsformen und die verschiedenen Namen des Unternehmens von seiner Gründung an im Jahr 1871 bis zum Tag der Schließung (1990: Staßfurter Brauerei) sind bekannt. Und nicht nur das. Es gibt ganz spezielle Informationen.

"Am 2. September 1968 hat der letzte Azubi seine Lehre zum ¿Brauer und Mälzer\' begonnen."

Etwa ein Lehrvertrag. "Am 2. September 1968 hat der letzte Azubi seine Lehre zum ¿Brauer und Mälzer\' begonnen", sagt der Mann von der Heimatstube, dass es sich bei dem Vertrag um ein kleines "Highlight" handelt. Und dann fängt er an, zu berichten, auf was sich die Gäste des kleines Dorfmuseums am Wochenende noch freuen können. "Ein Fasseinstieg mit Klappe", erklärt Brauner mit einem Schmunzeln, dass aber nur ganz schlanke Personen dort durch passen.

Der Hobbysammler zählt weiter auf, was zu sehen ist: "Eine Zapfanlage, ein CO2-Regler, ein 100-Liter-Bierfass, viele Schilder und Gläser." Natürlich dürfen weiterhin Aschenbecher, Flaschen aus vielen Jahrzehnten und Kalender nicht fehlen.

Die Geschichte des Betriebs wurde aufgearbeitet

Weiterhin wurde ein kleines Album mit Etiketten erstellt. Sie zeigen: neben Bier wurde einst in Staßfurt auch Brause abgefüllt. Anhand historischer Bilder und Fotos kann zudem nachvollzogen werden, wo das einst passierte. Die Gebäude auf dem Areal - heute befindet sich dort unter anderem ein Baumarkt - sind zu sehen, auch das heute noch genutzte Haus der früheren Wohnvilla der Gebrüder Niemann wird gezeigt.

Zu sehen sind unter anderem "... eine Zapfanlage, ein CO2-Regler, ein 100-Liter-Bierfass, viele Schilder und Gläser."

Als die Idee zur Ausstellung in der Heimatstube wuchs, starteten die Initiatoren ihre Recherchen, um weiteres Material ausfindig zu machen. Viele Hinweise aus der Bevölkerung gingen ein. Meist wurden Briefe geschrieben. Textmaterial ereilte die heimatverbundenen Börnecker. Doch die Bemühungen, Brauners Fundus zu erweitern und an neue Originale zu kommen, erwiesen sich als schwierig. "Vermutlich, weil die Brauerei nach der Wende abgewickelt wurde. Alles ist wie vom Winde verweht", schätzt der Sammler ein.

Nicht zuletzt deshalb stellt er seine privaten Raritäten gern für die Öffentlichkeit zur Schau. Besucher können dazu im Museum einen Kaffee trinken.

Bier steht nicht zum Ausschank. Daheim bei den Brauners kommt das Getränk mit der Schaumkrone, wie eingangs beschrieben, ebenfalls nur ab und an auf den Tisch. "Wenn wir grillen in geselliger Runde", verrät die Ehefrau vom "Niemann-Fan", wann ihm das kühle Blonde dann doch ein bisschen schmeckt.

   

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