Die Buchtauschbörsen, die der Freundeskreis American Linedance einmal im Monat in der Westernscheune in Unseburg organisiert, ziehen immer wieder große und kleine "Leseratten" an. So war es auch am Wochenende bei der ersten Tauschbörse im neuen Jahr.

Unseburg l Es ist kurz vor 14 Uhr. Vor der Westernscheune in Unseburg ist jedoch kaum noch ein Parkplatz zu kriegen. Auf der Treppe stehen die Menschen schon vor der noch verschlossenen Tür. Mit Glockenschlag der naheliegenden Kirche öffnen sich die Türen der Westernscheune und damit zur einzigen Buchtauschbörse in der Egelner Mulde.

In Körben und Stoffbeuteln, in Handtaschen oder einfach unter dem Arm geklemmt, tragen die Leute die Bücher hinein. Jeder kennt das. Man kauft sich ein Buch, und die sind teilweise nicht gerade günstig, liest es einmal, maximal zweimal und dann steht es im Schrank. Irgendwann ist das Bücherregal voll mit Lektüre, die man fast schon auswendig kennt.

Und dann kommt die Buchtauschbörse ins Spiel, die der Freundeskreis American Linedance organisiert. Im hinteren Teil der Westernscheune stehen Regale über Regale voll mit Büchern zu den unterschiedlichsten Themen.

Corinna Wallborn hat am Sonnabend alle Hände voll zu tun. Sie nimmt die Bücher an, die die Leute mitbringen. Für jeden hat sie ein freundliches Wort. Viele kommen monatlich in die Westernscheune. "Ich weiß bei vielen schon, nach was sie suchen", erklärt Corinna Wallborn und sortiert die Bücher.

"Ich lese am liebsten Bücher über Urzeittiere"

Alexander Riese

Unter den Besuchern am Sonnabend in der Westernscheune ist auch Alexander. Der Zehnjährige ist mit seinen Großeltern aus Groß Börnecke nach Unseburg gekommen. Seine Oma hat ihr Bücherregal ausgeräumt.

Im Tausch darf sich Alexander nun auch einige Bücher aussuchen. Er beginnt zwischen den vielen Büchern in der Kinderabteilung. "Ich finde Dinosaurier ganz toll", sagt der aufgeweckte Junge und greift ins Regal. Zum Vorschein kommt ein Buch, in dem es, das ist schon auf dem Buchumschlag zu erkennen, natürlich um die Urzeittiere geht. "Ich habe schon alle Filme gesehen. Jetzt möchte ich auch mal das Buch lesen", erklärt Alexander. Zusammen mit seinen Großeltern ist der Groß Börnecker regelmäßig Gast bei Buchtauschbörsen. In Unseburg ist die Familie aber das erste Mal und zeigt sich mehr als begeistert. Und so mischt sich Alexander wieder unter die vielen Besucher, die sich Regal für Regal durch die Sammlung suchen.

Bereits im siebenten Jahr organisiert der Freundeskreis die Buchtauschbörse. Viele nutzen diesen Anlass auch immer, um nette Gespräche mit anderen Freunden zu führen. Ausreichend Platz gibt es dafür in der Westernscheune. Und damit es den Besuchern an nichts fehlt, sorgen die Mitglieder des Freundeskreises auch noch mit Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl.

"Romane und Krimis gehen besonders gut"

Corinna Wallborn

Immer wieder öffnet sich die Tür zur Westernscheune und Leute aus allen umliegenden Orten bringen ihre Bücher zum Tauschen mit. Auch der zweijährige Ole ist schon fündig geworden. Er entscheidet sich für ein Buch über Micky Maus. Lesen kann er noch nicht. Aber die Bilder haben das Interesse des Zweijährigen geweckt, der mit seiner Oma zur Buchtauschbörse gekommen ist.

"Romane, Krimis und Schmöker gehen immer gut", weiß Corinna Wallborn. Natürlich gibt es auch "Ladenhüter", aber auch dafür wird sich irgendwann wer interessieren. "Anfangs hatten wir einen großen Überschuss an Lektüre aus DDR-Zeiten. Das hat sich mittlerweile geändert", so Corinna Wallborn weiter. Wie viele Bücher zum Bestand gehören, kann sie nicht genau sagen. Aber es müssten einige Tausend sein. Die Regale sind jedenfalls voll. "Viele Leute bringen ihre gelesenen Bücher auch einfach so her, ohne dafür ein anderes mitzunehmen. Es kommen also immer neue Bücher dazu", so die Unseburgerin weiter.

In den drei Stunden, in denen die Buchtauschbörse geöffnet ist, steht die Eingangstür zur Westernscheune kaum still. Und schon im kommenden Monat kann in Unseburg wieder nach Herzenslust getauscht werden.

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