Hunde, die in Schweden Ruhe wünschen, müssen sich dort nicht sorgen, dass ihnen jemand auf die Pelle rückt, weil sie ein gelbes Signal tragen. Eine Hecklingerin möchte, dass sich diese Initiative auch bei uns durchsetzt und stellt die Aktion vor. Mitmachen kann jeder Hundebesitzer.

Hecklingen l Genüsslich streckt Sixtus auf dem Fußboden der Küche von Andrea Schirmer alle vier Pfoten von sich. Der Golden Retriever-Labrador Mischlingshund ist im Moment völlig entspannt. Sein beruhigendes Wesen ist nicht zu übersehen, und er kann gestreichelt werden.

Anders wäre es, wenn Sixtus, der ausgebildeter Therapiehund ist, auf dem Hundeplatz mit Frauchen Andrea Schirmer trainiert oder Ausbildungseinheiten absolviert. Dann wäre es für Sixtus nachteilig von anderen Zwei- oder Vierbeinern gestört zu werden. Um Stress zu vermeiden, würde ihm sein Frauchen dann ein gelbes Signal an die Leine knippern. Das kann ein Band, eine Schleife, ein Tuch oder etwas anderes Gelbes sein. Sixtus wäre dann ein "gelber Hund".

"Die Kampagne wurde für Hunde entwickelt, die in bestimmten Situationen mehr Freiraum beziehungsweise Abstand zu anderen Menschen und Hunden brauchen als andere Hunde."

Andrea Schirmer erklärt, was das bedeutet und in welchen anderen Situationen es Sinn macht. "Die Kampagne wurde für Hunde entwickelt, die in bestimmten Situationen mehr Freiraum beziehungsweise Abstand zu anderen Menschen und Hunden brauchen als andere Hunde."

Die Gründe dafür sind vielfältig. Nicht nur das bereits geschilderte Training würde für eine Markierung sprechen. Auch Hunde, die krank sind und Ruhe brauchen, wären prädestiniert, auch weil Ansteckungsgefahr nicht ausgeschlossen ist. Und Andrea Schirmer, die ausgebildete Hundeerzieher- und Verhaltensberaterin im Berufsverband ist, zählt weitere Szenarien auf: "Der Hund kann sich in der Reha befinden oder einfach alt sein. Er kann ein Hund aus dem Tierschutz sein und hat vor seiner Umgebung Angst." Sinn mache die gelbe Markierung auch, wenn der Hund schlechte Erfahrungen gemacht hat und fremde Hunde - egal wie freundlich sie zu ihm sind - nicht einfach so begrüßen kann. "Außerdem kann es sich um eine läufige Hündin handeln", führt die Hundetrainerin ein weiteres Beispiel dafür an, warum manche Hunde in bestimmten Situationen lieber Einzelgänger sind.

Problem an der Sache: Sinn macht das gelbe Band nur, wenn andere Hundebesitzer wissen, was damit gemeint ist. Und weil die Initiative bei uns noch nicht alle kennen, möchte die Hecklingerin dafür sorgen, dass sie bekannter wird.

Auch weil das Projekt präventiv wirkt, es also einen Beitrag dazu leistet, Ärger zwischen den Tieren zu vermeiden.

Ideal sei es natürlich, so Schirmer, wenn auch der kontaktfreudige Hund nicht frustriert ist, dass er nicht zum "gelben Hund" darf. Dazu muss er gelernt haben, kontrolliert an der Leine zu laufen. Belohnung für Erfolge seien empfehlenswert, so Schirmer, sei es mit Leckerlis oder anderen Dingen, die das Tier am liebsten mag: Spielen oder Streicheln.

"Der Hund muss lernen: Nicht jeder Hund ist Party"

Am besten sei es natürlich, wenn der Lernprozess schon in jungen Jahren beginnt. "So versteht der Hund: Wenn ich an der Leine bin, sind andere Hunde und Menschen uninteressant."

Sixtus setzt dieses Verhalten mit Bravour um, würde ihm ein gelber Hund begegnen, würde er Frauchen sogar ohne Leine ansehen und an dem Tier vorbei gehen, selbst wenn der tierische Kollege bellt. Dafür gäbe es danach sofort schmackhafte Snacks und viele liebe Worte. "Der Hund muss lernen: Nicht jeder Hund ist Party", erklärt die Hundetrainerin worauf es ankommt. Denn das sei auch ein gewisser Eigennutz. "Natürlich beschütze ich meinen Hund, weil er lernt, dass er nicht zu jedem Hund kann." Immerhin sei es ja auch möglich, dass Hunde auf zu nahen Kontakt aggressiv reagieren. Damit es dazu nicht kommt, hofft die Hecklingerin auf die Initiative und ihre Wirkung auch über die Landesgrenze von Schweden hinaus.