Etliche Wildunfälle, ein verirrter Hirsch und sogar der Wolf streift vorbei: Hier geht es nicht um die ländliche Gegend, sondern um das Stadtgebiet Staßfurt. Auch hier leibt und lebt das einheimische Wild und leidet, wie die Jäger aus Staßfurt beklagen, teilweise sehr unter der starken Präsenz des Menschen.

Staßfurt l Die Jagdgenossenschaft Staßfurt - ein Zusammenschluss aus Jägern und Gründstücksbesitzern, die diesen die Flächen zur Jagd verpachten - machen sich zunehmend Sorgen um ihr Gebiet.

Obwohl es sich bei dem Areal um das Stadtgebiet Staßfurt mit den angrenzenden Feldern handelt, komme hier doch sehr viel Wild bei Unfällen zu Tode, meint Jäger Wolfgang Steinbeck. Bilanz: Elf Rehe, sechs Füchse, ein Dachs und ein Marder sind im Jagdjahr 2013/2014 (1. April 2013 bis 31. März 2014) dem Verkehr zum Opfer gefallen.

Besonders gefährlich: Butterwecker Weg, Hecklinger Straße, Rathmannsdorfer Straße, Landstraße nach Förderstedt

Besondere Gefahrenstellen, weil das Wild dort auf die Straße rennt, sind: Der Butterwecker Weg und der dort abgehende Feldweg nach Atzendorf - derzeit werden beide Wege wegen der Bodebrücken-Umleitung viel befahren -, die Hecklinger Straße in Höhe des Schwanenteichs und der Kleingartenanlage, die Rathmannsdorfer Straße um den Kreisverkehr herum und die Landstraße nach Förderstedt.

Deshalb hatten Jäger und Grundstücksbesitzer von der Verwaltung bereits Geschwindigkeitsbegrenzungen gefordert. Dies war aber nicht möglich. An diesen Stellen gelten bereits 50 Stundenkilometer, weil es Stadtgebiet ist. "Einzig auf der Landstraße nach Förderstedt ist jetzt das Verkehrszeichen `Wildwechsel` zu sehen", sagt Jäger Heiko Koch. Da auf den Feldern Landwirtschaft betrieben wird, kommen auch vereinzelt Rehkitze unter die Räder der großen Mähmaschinen. "Das tut den Mitarbeitern ja immer unendlich leid, wenn sie auf dem Acker über ein Kitz fahren", erklärt Landwirt und Verpächter Siegfried Klein. Die Rehe verstecken ihre Kitze unter dem Getreide.

Auch die Jagdstatistik des vergangenen Jagdjahres zeigt, wie viel Wild schon so nah an das Stadtgebiet vorgedrungen ist. Die Jäger erlegten sechs Rehe, sechs Füchse, 21 Kaninchen, zwölf Fasane, elf Enten, vier Waschbären und vier Blesshühner.

Zusätzlich schaden freilaufende Hunde den Tieren, die jetzt Nachwuchs bekommen. Bis Anfang Juni geht diese hochsensible Zeit noch. Vögel wie Fasane legen Eier und brüten, Hasen bekommen Junge. Auch wenn die zahmen Hunde nur kurz im Gebüsch schnüffeln, werden die Wildtiere schon aufgeschreckt. "Daher besteht in dieser Zeit Leinenzwang auf den Feldwegen", sagt Siegfried Klein.

Leider halten sich nicht alle Hundehalter daran. "In den übrigen Zeiten des Jahres darf der Hund auch nicht weiter als zehn Meter vom Herrchen weg. Auch das wissen viele nicht", sagt Siegfried Klein weiter. Bürger nehmen in dieser Hinsicht zu wenig Rücksicht auf die Natur. "Hinzu kommt der Lärm von den Motocrossrädern, die auf den Feldwegen herumfahren", ärgert sich der Hohenerxlebener weiter.

Müll und Unrat auf den Feldern und Feldwegen. Alte Haushaltsgeräte einfach weggeworfen. Lärm durch Motocrossfahrer

Noch so ein Thema ist der Müll, der überall auf dem Feld herumliegt. "Die Leute werfen einfach ihren Dreck ab. Fernsehgeräte und was nicht alles herumliegt, zum Beispiel auch die ganzen Plastiktüten auf dem Acker an der Landstraße nach Förderstedt", sagt Siegfried Klein. "Wo bleibt da der Respekt vor der Natur?", fragen sich die Mitglieder der Jagdgenossenschaft Staßfurt.

Ansonsten wird die heimische Fauna um Staßfurt immer kunterbunter: In Löderburg vermehren sich die Kaninchen stark, viele Rehe fallen auf, sogar Damwild streifte das Gebiet - ein Hirsch wurde von den Jägern geschossen - und der Wolf zog auch an Hohenerxleben und Atzendorf vorbei (Volksstimme berichtete).

Der Waschbär vernichtet nach wie vor ganze Reiherkolonien, ist aber kaum zu fassen, denn laut Gesetz darf er nur in Lebendfallen gefangen und nicht geschossen werden.

Das Gebiet der Jagdgenossenschaft Staßfurt umfasst das Stadtgebiet auf 1044 Hektar. Dieses Gebiet ist in Besitz von mehreren Dutzend Grundstückseigentümern, von der Stadt über Firmen, Kirche, Landwirte bis hin zu Privatpersonen. Zehn Jäger haben das Gebiet als Reviere unter sich aufgeteilt.