Fantasie und künstlerischer Vielfalt waren am Sonnabend auf Schloss Hohenerxleben keine Grenzen gesetzt. Der Mädchenchor Vierklang sowie die Pianisten Eva Gerlach und David Andruss verzauberten das Publikum.

Hohenerxleben l Kinder, die auf roten Löwen und weißen Elefanten reiten, eine Tänzerin, die vom Wassermann einen meergrünen Kranz aufs Haar gesetzt bekommt, Zwergenwesen, die für eine badende Kaiserin auf Nussschalen musizieren, eine Unterhaltung zwischen der Schönen und dem Biest ... es waren märchenhafte Bilder, die den Sonnabend im vollbesetzten Weißen Saal des Schlosses Hohenerxleben zu einem besonderen Erlebnis machten. Virtuoser Chorgesang, vierhändiges Klavierspiel, kleine Szenen aus Balladen und Märchen sowie allerlei Überraschungen sorgten dafür, dass das Publikum aus dem Staunen kaum heraus kam. Das war vor allem der unbändigen Kreativität und Spielfreude der 20 Sängerinnen vom Ensemble Vierklang zu verdanken, einer Auswahl der Jugendkantorei Rotenburg (Fulda), die sich diesen Auftritt im Schloss ausdrücklich gewünscht hatten - trotz Abi-Stress. Vor anderthalb Jahren waren sie bereits im Bodeschloss aufgetreten.

Ursprünglich war der Abend als vierhändiges Klavierkonzert von Eva Gerlach, die zugleich Pianistin und Leiterin der Jugendkantorei ist, gemeinsam mit David Andruss geplant gewesen, wie Gastgeberin Friederike von Krosigk verriet. Das gleichzeitige und gemeinsame Musizieren auf einem Instrument blieb dennoch ein besonderer Genuss. Beim Auf und Ab auf den Tasten schienen sich die Hände von Pianistin und Pianist schier ineinander zu verschlingen, während sie die Märchenwelten Ravels, Bizets, Schumanns, Debussys zum Leben erweckten. Dabei entlockten sie dem Konzertflügel ungeahnte Klangdimensionen.

Dass ein solches Zusammenspiel auch für sie als Musiker nicht alltäglich ist, daraus machten Eva Gerlach und David Andruss kein Hehl. Vor allem die Stücke Ravels blieben auch für ihn als Musiker noch immer voller Geheimnisse, sagte Andruss. In der Tat scheint Ravels Musik jenseits der Zeit angesiedelt zu sein und besticht durch eine Einprägsamkeit, die sich theoretisch nicht erklären lässt. Gastgeberin Friederike von Krosigk fügte dem mit ihren Konzertkastagnetten noch weiteren Zauber hinzu.

Durch ihre künstlerische Arbeit war der Kontakt nach Rotenburg vor einigen Jahren zustande gekommen. Die Chormädchen glänzten mit komplizierten Gesangspassagen und beeindruckenden solistischen Einlagen zu Schumann-, Schubert- und Mahlerliedern. Außerdem bestachen sie nicht nur mit witzigen Einfällen, sondern auch mit der Ernsthaftigkeit, mit der sie Rilke und andere Gedichte rezitierten. Poetisch, nachdenklich, heiter, voller Abenteuer- und Lebenslust war dies ein wahrhaft frühlingshafter Abend. Das Publikum forderte mit stehenden Ovationen gleich mehrere Zugaben ein.

Glücklich zeigten sich Friederike von Krosigk und Eva Gerlach auch über die neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen Rotenburg und Hohenerxleben. Am Vormittag hatten die jungen Sängerinnen bei Mitgliedern des Ensemble Theatrum erstmals Schaupielunterricht erhalten.