Auch in dieser Woche bewiesen die Volksstimme-Leser, dass sie ihre Heimat ganz genau kennen. Alle Teilnehmer am wöchentlichen Volksstimme-Rätsel erkannten den Blick in die Halberstädter Straße in Egeln auf dem alten Foto.

Von Nadja Bergling

Egeln l "Als ich dieses Bild sah, bekam ich ein wenig Gänsehaut. Ich bin vor 62 Jahren in einem Haus in der Halberstädter Straße 7b in Egeln geboren worden. Dort habe ich 18 Jahre meines Lebens bei meinen Großeltern gelebt. Es war eine tolle Zeit, denn auf dieser Straße lebten damals noch so viele Kinder, an die ich mich heute noch recht gut erinnern kann. Auf der rechten Seite des Bildes ist der alte Ofenbau zu sehen und dahinter stehen die Klosterhäuser. Anschließend folgte das Gelände der Zuckerfabrik. Auf diesem Hof durften wir eigentlich nicht spielen. Doch gerade dort, wo noch alte Ruinen standen, war es interessant. Linksseitig auf dem Bild ist der Gasthof Stadt Erfurt zu sehen. Dort war auch eine ehemalige Poststation. Danach folgten einige Häuser wie zum Beispiel die Gaststätte Pietsch, Bauernhof Unger, später die LPG, dann das Haus in dem ich wohnte und auch die Brauerei mit den Türmen ist gut sichtbar.

"Wir hatten dort damals unseren UTP-Unterricht"

Heidemarie Borchert, Westeregeln

Besonders schön war die Straße, wenn die vielen Kastanienbäume blühten. Die Pferdegespanne der Brauerei und der späteren LPG waren sehr oft zu sehen. Ja, diese Strasse weckt bei mir viele kleine und große Erinnerungen, an die ich gerne zurückdenke", schreibt Hella Darius aus Wolmirsleben.

Und auch Heidemarie Borchert, die in Egeln-Nord geboren wurde, heute in Wester- egeln wohnt, hat etwas zu dem alten Foto zu sagen: "Als ich das Foto anschaute, stutzte ich, denn es kam mir sofort sehr bekannt vor, obwohl es schon alt sein muss. Davon zeugt das Pferdefuhrwerk auf der Straße. Aber die Gebäude links und rechts im Vordergrund sind so markant, dass ich sofort wusste, dass es sich um die Halberstädter Straße in Egeln handelt. Das Gebäude rechts kenne ich aus meiner Schulzeit als Fabrikhalle des damaligen VEB `Industrie-Ofenbau (IOB) Egeln`. Dort haben wir Schüler der siebenten und achten Klasse der Martin-Schwantes-Schule unseren UTP (Unterricht in der Produktion) absolviert. Mit einem Drillschraubendreher komplettierte ich damals (1964) dort und in der Station `Junge Techniker` die Schalterleisten für die im IOB produzierten Elektroherde. Das war eine tolle Sache und ich war damals mächtig stolz, an der Produktion der Herde beteiligt zu sein. Der freie Platz im Vordergrund mit der Laterne besteht übrigens jetzt aus Grünflächen, die gleichzeitig der Verkehrsführung dienen. Die Gebäude links stehen auch noch".

Die richtige Lösung wussten auch Harald und Elvira Heuer aus Egeln, Familie Remme aus Egeln, Gerhard Günther, Inge Heinemann aus Hakeborn und Horst Jagnow, der in dieser Straße wohnt. "Ich bin zwar aus Berlin nach Egeln gezogen, aber ich habe meine Heimatstraße sofort erkannt", erklärt Horst Jagnow.

"Anfangs fuhr ein Lkw mit Bänken und Planen als Bus"

Liselotte Goebel, Egeln

Liselotte Goebel aus Egeln schreibt dazu: "Vorn rechts sieht man den Betrieb der damaligen Firma van Außen. Nach dem Krieg waren dort etliche Firmen ansässig bis der Industrieofenbau seine Produktion aufnahm. Jetzt gehört das Grundstück mit Halle und Wohnhaus der Familie Mankat. Neben der Halle sieht man noch einen Teil der Klosterhäuser, die zum Klostergut Marienstuhl gehörten. Aus dem ehemaligen Gasthof `Zur Stadt Erfurt` auf der linken Seite des Bildes wurde später ein Wohnhaus und gehörte der Zuckerfabrik. 1948 erwarb die Familie Bannow das Grundstück und gründete ein Busunternehmen. Ich kann mich erinnern, dass anfangs ein Lkw mit Planen und Bänken ausgerüstet war, und wir in der achten Klasse mit diesem `Bus` das erste Mal nach dem Krieg in den Harz fuhren. Im Hintergrund links sieht man die Schornsteine der ehemaligen Brauerei, die in den 1950er Jahren gesprengt wurden".

Christine Große aus Egeln wusste ebenfalls die richtige Lösung: "Rechts ist der ehemalige Ofenbau zu sehen. Ich weiß, dass dort eine Familie van Außen vor dem Krieg auch eine Firma hatte. Im Ofenbau haben damals einige aus meiner Familie gearbeitet - meine Eltern, mein Bruder und mein Mann. Dieser sogar bis zur Schließung des später neugebauten Betriebes, welcher sich etwas weiter hinten in der Straße befand. Links auf dem Bild ist der `Erfurter Hof`. Dort hat zu DDR-Zeiten meine Tante jahrelang gewohnt, da war das Haus aber schon als Wohnhaus ausgebaut. Dort war wohl früher einmal eine Ausspannstation für Pferde und die dazugehörigen Kutscher fanden eine Bleibe für die Nacht", schreibt uns die Egelnerin.

"Diese alten Fotos sorgen immer für Gesprächsstoff"

Marlies Hildebrandt, Egeln

"Kennen Sie Ihre Heimat ist immer spannend und gibt viel Gesprächsstoff", meint Marlies Hildebrandt aus Egeln. So manche Erinnerungen kommen bei den alten Fotos wieder ins Gedächtnis. "Ich kenne das von meiner Mutti. Gedanklich könnte man mit ihr einen Spaziergang durch unsere Stadt Egeln machen. Es ist immer wieder schön, ihr zuzuhören", schreibt Marlies Hildebrandt und schildert auch gleich, was sie auf dem alten Foto erkannt hat. Es zeige von der Schäfergrabenbrücke kommend die Halberstädter Straße mit dem Gebäude der Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Maschinenfabrik der Familie van Außen. "Später war es die Firma Degusa und dann die Firma Klatt, bevor es dann nach 1945 der Ofenbau Egeln wurde. Ich erinnere mich, dass wir als Schulkinder dort im Ofenbau unseren UTP-Unterricht hatten. Das war unheimlich spannend. Als die Hallen in der Halberstädter Straße 1 zu klein wurden, zog man mit einem Teil der Produktion und Verwaltung in die Gebäude des stillgelegten Schachtes Cäsar und in eine Produktionshalle in der ehemaligen Brauerei, dort, wo man links auf der Aufnahme im Hintergrund noch die Schornsteine erkennen kann. Das Gebäude vorn links ist heute ein Wohnhaus und war früher der Gasthof. Das kleine Gebäude nach der Toreinfahrt ist auch heute noch erhalten und daran schließt sich das Gebäude der ehemaligen Gaststätte Schinkel an, später Gaststätte Willi Krebs, heute Privatbesitz."

Bei so vielen richtigen und tollen Einsendungen hatte es Glücksgöttin Fortuna nicht leicht. Doch sie zog Inge Heinemann aus Hakeborn als Gewinnerin. Sie darf sich in der Redaktion der Volksstimme in der Gollnowstraße 6 in Staßfurt einen kleinen Preis abholen.

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