Die beiden adretten Damen haben allen Grund zum Strahlen. Petra Höhndorf und Katrin Schütze-Dittrich haben 24 Lehrer gefunden, die benachteiligten Kindern in Güsten, Osmarsleben und Co. kostenlosen Nachhilfe-Unterricht geben.

Güsten/Osmarsleben/Giersleben l Wenn sonst vom Bildungs- und Teilhabepaket die Rede ist, klingt das immer sehr abstrakt und so wirklich dringt die angebotene Hilfe zu finanziell schlecht gestellten Familien auch nicht wirklich durch (Volksstimme berichtete über die geringen Teilnehmer). In Güsten, Alsleben, Giersleben und Osmarsleben ist das Bildungs- und Teilhabepaket aber ein Erfolg.

Besonders mit dem neuesten "Streich" von Katrin Schütze-Dittrich und Petra Höhndorf. Sie haben 24 ehemalige Lehrer oder Lehramtsstudenten aus dem Salzlandkreis gefunden, die ehrenamtlich Nachhilfe geben. Aus dem Bereich Saale-Wipper ist eine Dame aus Alsleben dabei, der Rest stammt aus Bernburg.

Diese Lehrer fahren nun zwei Mal in der Woche zu Kindern aus Güsten, Alsleben, Osmarsleben, aber auch Nienburg und Bernburg nach Hause und geben ihnen kostenlos Nachhilfe. "Es ist so schwierig mit der Nachhilfe, wenn Kinder von der Schule auf dem Land noch weiterfahren müssen. Deswegen haben wir uns dafür entschieden, dass unsere Lehrer die Schüler direkt zuhause besuchen", erklärt Katrin Schütze-Dittrich, die bei der Stiftung Evangelische Jugendhilfe in Bernburg arbeitet. Die Stiftung ist eine der Einrichtungen, die Projekte über das Bildungs- und Teilhabepaket durchführen kann, und ist in Bernburg, Nienburg und Saale-Wipper (bis auf Ilberstedt und Plötzkau) aktiv.

"Wir nennen das Projekt `Lex`, also `Lernexpertenteam`, und wollen damit vor allem Kinder auf dem Land fördern", so Katrin Schütze-Dittrich. Dieses Projekt und auch das Projekt "Kulturelles Leben", mit dem Musikunterricht oder Vereinssport für Kinder bezahlt wird, ist für Eltern, die Hartz IV bekommen, kostenlos.

Dabei brauchen die Schüler vor allem Hilfe in den Kernfächern Mathe und Deutsch. "Meistens wird es erst in der 4. Klasse sichtbar, dass ein Kind Schwierigkeiten hat", sagt Petra Höhndorf, die seit Januar im Güstener Rathaus sitzt und Ansprechpartnerin für das Bildungs- und Teilhabepaket im Raum Saale-Wipper ist. Meistens haben die Kinder nicht Probleme mit dem Lernstoff an sich. "Es sind eher Konzentrationsschwächen, Lese-Rechtschreibschwächen oder sie sind einfach demotiviert, weil sie schon einige Misserfolge hatten", sagt sie weiter.

Nachdem Petra Höhndorf langfristig das Vertrauen der Eltern gewinnen konnte, nehmen seit September acht Kinder aus Güsten, fünf aus Alsleben und eines aus Osmarsleben am Nachhilfeunterricht mit den "mobilen Lehrern" teil. Mit den Bereichen Nienburg und Bernburg sind es insgesamt 30 Kinder. "Das ist wirklich eine Erfolgsstory geworden", freut sich die Sozialarbeiterin.

Wer Petra Höhndorf sprechen möchte: Rathaus Güsten (1. und 3. Donnerstag im Monat, jeweils von 11 bis 14 Uhr, Eingang Ratskeller), Grundschule Giersleben (jeden 2. und 4. Donnerstag, jeweils 12 bis 14 Uhr), Grundschule Alsleben (jeden 1. und 3. Montag, jeweils 9 bis 11 Uhr, jeden 3. Donnerstag 14 bis 15.30 Uhr).