Staßfurt l Bei den Aktionstagen zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in Staßfurt war wieder einiges los. An der Hermann-Kasten-Schule hatten die 5. bis 7. Klassen zum Beispiel mächtig Spaß bei einem Parcours, den Lehrer und ehemalige Lehrer für sie aufgebaut hatten. Nils Radke haben wir beim Rollstuhlfahren angetroffen. Mit hochrotem Kopf sagte er: "Das ist so anstrengend und ungewohnt." Als ein Kumpel zu Nils sagt, es sei doch gar nicht so schlecht, den ganzen Tag im Rollstuhl zu sitzen, sagt er nur: "Nein, glaub mir, wenn du den ganzen Tag darin verbringen würdest, würdest du dich sicher nicht freuen."

Das meint auch Lehrerin Heidi Hoffmann. Sie zeichnet den Kindern ihre Station ab - denn noch viele andere Aktionen warteten in der Kasten-Schule. Den Flur hinunter wankt Adrian Reikowski durch den Flur, die Augen verbunden und nur einen Stock in der Hand. "Das war wirklich ziemlich seltsam, wenn man nicht weiß, was kommt", sagt der Junge nach dem Blinden-Test.

Ziel des Tages war es, den Schülern zu zeigen, wie es ist mit einer Behinderung zu leben. Die Botschaft ist angekommen: Die Schüler sind ehrfürchtig beeindruckt nach den vielen Tests im Parcours.

Und mehr noch: Sie und die Schüler der Pestalozzi-Schule hatten einen Forschungsauftrag zu erfüllen. "Die 5. bis 7. Klassen hatten sich in kleine Gruppen aufgeteilt und waren in Staßfurt und Löderburg unterwegs", erklärt Schulsozialarbeiterin Annett Dänziger, die das Projekt mit betreute. Sie prüften Arztpraxen, öffentliche Einrichtungen und Apotheke auf Barrierefreiheit. "Die Schüler haben Fotos gemacht, Interviews geführt und ihre Ergebnisse dann bei der Veranstaltung im Theater vorgestellt."

Zum Salzlandtheater zum Beispiel gaben die Jugendlichen folgende Wertung ab: "Behinderte kommen vorn in das Theater nicht hinein, aber durch die Nebentür am Seiteneingang. Sie kommen ins große Theater, aber nicht in den Tillysaal wegen der Treppe. Die Toiletten im Salzlandtheater sind behindertengerecht."

Gestern, zum Abschluss der Aktionstage, pflanzten die Mitglieder des Organisatoren-Netzwerks eine Eiche als "Baum der Inklusion 2014" (Inklusion ist das Eingliedern von beeinträchtigten Menschen in die Gesellschaft) auf dem entstehenden Spielplatz Nord, der für körperlich Behinderte geeignet sein wird. Im großen Turnier um den Inklusionspokal spielten die fünf Mannschaften vom Gymnasium, Berufsförderungswerk, Kasten-Schule, Pestalozzi-Schule und Beruflichem Bildungs- und Rehabilitationszentrum miteinander. Der Wandpokal ging in diesem Jahr ans Gymnasium.

Aber wer gewinnt, ist zweitranig. Das eigentliche Ziel der Aktionstage - auf die Situation von Behinderten aufmerksam zu machen - ist geglückt.

   

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