Musik, Historie und Geschichten gab es reichlich zur Museumsnacht in Egeln. Nur im Schein von Taschenlampen machten sich spät am Abend die Besucher auf den Weg durch die Ausstellung.

Egeln l König Fußball regierte am Sonnabendabend. Leere Straßen und Plätze waren auch in Egeln zu beobachten. Wer nicht dem Spiel mit dem runden Leder verfallen war, der konnte bei der Museumsnacht in Egeln einen abwechslungsreichen Abend mit vielen Eindrücken erleben.

Nach Jahren der Abstinenz hatte Uwe Lachmuth viele ehrenamtliche Helfer der Wasserburg organisiert, um das Museum zu öffnen. Stundenlang stand die Einrichtung den Bürgern bis in den späten Abend offen.

Musikalisch begann der Abend mit der Berliner Band "The Leprechauns". Stundenlang sorgten die jungen Musiker für angenehme Unterhaltung im Burgkeller. Darin war die Veranstaltung ausgewichen. "Wir haben uns vom Wetter etwas in die Irre führen lassen", meinte Uwe Lachmuth. Bei trockenem und sternenklarem Himmel hätten die Musiker auch im Hof ihr Talent hören lassen können.

Im Burgkeller kam dagegen mehr die gemütliche Stimmung auf. Die überschaubare Gästezahl sah hier auch etwas größer aus.

In der Pause der Musiker, schon nach 22 Uhr, machte sich Uwe Lachmuth zur Taschenlampenführung auf. Nachts entfalten die Exponate im Museum eine ganze andere Wirkung als unter großer Beleuchtung. Knochen sehen geheimnisvoller aus. Vor allem sorgen die großen Schatten der angestrahlten Exponate für eine besondere Stimmung im Burgmuseum. Im Folterraum der Wasserburg beginnt Uwe Lachmuth die Führung. Der große Holzstuhl in der Ecke lädt die Besucher zur Rast ein. Erst im Schein der Taschenlampen erkennen sie, dass das Möbel mit Dornen auf der Sitz- und Rückenfläche versehen ist. Hier wurden von Bürgern früher Aussagen aufgenommen, erklärt Uwe Lachmuth dazu. Es habe Zeiten auf der Burg gegeben, lässt er die Besucher wissen, da waren die Folterknechte mit dem Arbeitsaufkommen schlicht überfordert. Hilfe forderten sie aus Magdeburg an, erzählt er. Bestialische Methoden gab es seinerzeit, um die Wahrheit zu ergründen. Eine der schlimmsten, so Lachmuth, sei die Wasserprobe gewesen. An Finger und Zeh waren die Opfer zusammengebunden. Ertrank das Opfer in der Bode, galt es unschuldig, Wich das Wasser aber zurück, war die Schuld bewiesen und das Opfer sei verbrannt worden. In jedem Fall gab es aber keine Überlebenden bei der Beweisführung. Mehr als 30 Einwohner der Kleinstadt verloren während der Hexenzeit wohl ihr Leben. Während die einfache Landbevölkerung wenig zu Lachen hatte, ging es ungezwungener in den hohen Häusern zu. Legendär sind die Mätressen von Königinnen und Kaisern an den Höfen.

Einen Einblick in die Welt des Adels gibt Bärbel Nagel an diesem Abend. Die Bibliothekarin hat ihren Teil des Abends den Titel "Erotisches zur Nacht" gegeben. "Die Königin und die Hure", hat sich Bärbel Nagel ausgesucht. "Das ist ein tolles Buch", schätzt sie den Roman. Im 12. Jahrhundert ist die Geschichte angesiedelt. In dem Roman dreht es sich um Eleonore von Aquitanien. Die Königin von Frankreich ist die Mutter von Richard Löwenherz, der wahrscheinlich besser bekannt sei, meint sie. Zahlreiche frivole Kapitel enthält der Roman der Amerikanerin Ellen Jones. Mit ihrem literarischen Ausflug macht Bärbel Nagel bewusst Lust auf das Lesen. Wie kaum eine andere Beschäftigung kann Lesen die Fantasie beflügeln. Wortgewaltige Autoren verstehen es in ihren Werken große Bilder zu komponieren, schwärmt sie von der Literatur.

In der Egelner Bibliothek finden sich sehr viele interessante Werke. Gern gibt Bärbel Nagel auch Hinweise und Tipps zu spannenden Büchern.

Rückblickend betrachtet muss das Mittelalter eine schöne Zeit gewesen sein. Das Klima war sehr mild, Wein wuchs auch weit außerhalb des Rheingrabens reichlich. Erst später wurde es mit dem Ende der Epoche ungemütlich und witterungstechnisch unbeständiger.

Nach dem Rundgang durch das alte Gemäuer zieht es die Besucher wieder in den Burgkeller. "The Leprechauns" erwarten die Gäste hier zu weiterer Musik. Auch wenn die zahl der Besucher nicht so groß war, wie vielleicht gehofft, ist Uwe Lachmuth zufrieden. "Wir hatten viele Gäste aus dem Umland", meint er. Nur ganze wenige Egelner seien zu der Veranstaltung gekommen. Trotzdem sei es schön, wenn die Angebote auch angenommen werden und die Bürger Unterhaltung suchen, freut er sich über jeden Besucher auf der Wasserburg. Doch nach der Veranstaltung ist bekanntlich vor der Veranstaltung. Die nächsten Termine auf der Wasserburg stehen bereits fest. Noch zahlreiche Höhepunkte sind in diesem Jahr geplant.

 

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